Eine kleine Weihnachtsepisode

Es ist sicherlich ein offenes Geheimnis, das in vielen Entwicklungsländer die Droge Alkohol ein akutes Problem darstellt, wie in Deutschland so auch in Kenia. Dort ist neben miraa, Kathstrauch oder Abessinischer Tee, der ein angenehmes Wohlgefühl entstehen läßt, das Müdigkeit und Hungergefühl verringert, Alkohol die weitverbreiteste Droge, die viel Schaden anrichtet. Hinzu kommt, das oft beide Drogen in Kombination zu sich genommen werden, was zu unkontrollierten Orgien führt, was ich selbst im Falcony erleben konnte. Es war für mich schon fast unverständlich, wieviel trotz der akuten Armut an hochkonzentrierten Spirituosen konsumiert wurde. Die Spitze des Unvorstellbaren  war aber, das Rum so gar zu gewinnen war. Auf jedem Etikett war ein Rubbelfeld und so konnte man mit ein wenig Glück die nächste Flasche gratis dazu gewinnen.  Es kam nicht selten vor, das an manchen Abenden drei bis vier Flaschen zusätzlich gewonnen wurden.

Im Zuge der Verfassungsreform in August diesen Jahres wurden auch Schritte zur „Erschwerung“ des Alkoholkonsums eingeleitet. Weihnachten ist in Kenia, zwar mit verschiedenen Bräuchen, nicht nur unter Christen und Muslimen ein wichtiges Fest. Leider war es in den Jahren zuvor in vielen Familien weniger ein Fest der Familie, da Väter und nicht selten auch die Mütter die Häuser verließen, um in den Bar’s und Kneipen zu feiern.

Heute las ich einen Artikel in dem Frauen-Aktivistinnen vom „ersten wirklichen Weihnachten für viele Familien“ sprachen, da die Öffnungszeiten der Gaststätten  per Gesetz verändert wurden. So sind die Lokalitäten vom Heiligabend bis zum darauffolgenden Weihnachtsfeiertag um 2 Uhr a.m. geschlossen. Nun können die Kinder mit ihren Eltern Weihnachten begehen.

Sicherlich ist das für die Familien in Kenia ein wichtiger Schritt. Mir bleibt an diesem Punkt nur zu erwähnen, das für den otto-normal Kenyatten es kaum ein Weihnachtsfest in unserm Sinne bedeutet, da sie jeden Tag um ihr Überleben ringen. Das Minimum liegt für einen „Facharbeiter“, fundi, denn in den wenigsten Berufen gibt es eine Ausbildung mit unserem Verständnis, zwischen 0,80 € bis 3,10 € pro Tag bei einer Arbeitswoche von sechs Tagen in der Woche (2009 Human Rights Report: Kenya).

Den Brauch zu Weihnachten übermäßig Alkohol zu genießen, die meisten können es sich nicht öfter leisten, geht vielleicht auf einen Brauch der ehemaligen Kolonialherren zurück, die ihre Sklaven mit einer Flasche Fusel zu Tag des Herrn beschenkten.

Aber auch erste Vorwürfe werden aus den Kreisen der Lobbyisten und Gaststättenbesitzer laut. So sollen ca. 300.000 Arbeiter zu Weihnachten dadurch arbeitslos werden (bitter, weil viele am Tag das verdienen, was die Familie am Abend zu essen, also auf dem Gabentisch im ursprünglichen Sinne haben werden) und der Alkoholkonsum um 50% zurückgehen könnte.

Ein anderer Trick ist auf die Lage der Kinder beunruhigt aufmerksam zu machen, sie könnten in diesem Jahr verstärkt mit Bier und Schnaps in Berührung kommen , da viele Eltern jetzt zu Hause trinken würden. Wieder andere befürchten gar eine Zunahme der Schwarzbrennerei.

Wie sich doch die Nachrichten ähneln. Darauf prost Tusker, es ist nicht alles schlecht was Europäer nach Afrika exportiert haben! Frohe Weihnacht!

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