Die dunkle Seite des Paradieses – Drogen und Menschenhandel

Viele denken, wenn sie von KENIA hören, an schöne Strände am indischen Ozean, an Safaris in Nationalparks wie Tsavo, Amboseli, Mount Kenia oder an Lamu, einer Laguneninsel wie aus 1000+1 Nacht und an wunderbare freundliche Menschen.

Bei den letzten, sich inner mehr verdichtenden, Veröffentlichungen fühle ich mich in dunkle Zeiten zurück versetzt: Menschenhandel, Waffenschmuggel, Drogenhandel, Overlords, Mafia, Geldwäsche, Bestechungsgelder und Auftragsmorde. Kenia hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Hauptumschlagplatz von Drogen für Westeuropa und Nordamerika entwickelt.

Seit einem Monat werden fast täglich neue Meldungen veröffentlicht, die das Ausmaß der Verwicklung von einflußreichen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Militär, Justiz und Politik mit dem Drogenhandel öffentlich machen. In einem Bericht, der nicht zuletzt durch wikileags an die Öffentlichkeit kam, gehen amerikanische Diplomaten davon aus, das die „Politiker, Polizei und Juristen Kenias gegenüber dem Drogenbossen kampfunfähig“ sind (DN Kennya 09.12.10).

Führungskräfte der Polizei zeigen 1,1 Tonnen Kokain, die beschlagnahmt wurden. Foto / FILE

 

Nach den vorliegenden Untersuchungsberichten wird davon ausgegangen, das wöchentlich eine Lieferung von Haschisch, Heroin und Kokain aus den südöstlichen Ländern Asiens wie Afganistan und Pakistan den Hafen von Mombasa erreicht, an verschiedenen Stellen im Land verschnitten wird und dann nach Westeuropa oder die USA versandt wird. Ein wachsender Prozentsatz verbleibt neuerdings auch in Kenia.

Kurz zum Vorgefallenen. Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Michael Ranneberger übergab Ende November ein Dossier zu den Fragen Drogen- und Menschenhandel an die Kenia Anti-Corruption Commission (KACC). Kurz darauf wird fünf Kenianern die Einreise in die USA verwehrt, weil sie unter dem dringendenVerdacht stehen sollen mit Drogenbaronen Verbindung zu haben. Eine Namensliste von 16 Personen, Politiker, Manager und Persönlichkeiten, wird veröffentlicht, die mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht werden. Am gleichen Tag erscheint in der Daily Nation ein Bericht über den Fund von 1,10 Tonnen Kokain, in dem darauf hingewiesen wird, das “ die USA davon ausgeht, das Kenia sich fest in Griff von internationalen Rauschgiftringen befindet. Die Drogenbarone haben sich durch Korruption, Bestechung und Tötung ein zweites Standbein gesichert“ (DN 09.12.10). Am 24.12.2010 trat der Assistent des Wirtschaftsministers Herr Harun Mwau von seinem Amt zurück, bis alle Anschuldigungen geklärt sind. Auch wenn er in mehreren Veröffentlichungen seine Unschuld beteuerte, ist fraglich, was am Ende der Untersuchung heraus kommen wird.

Trotzdem gibt es eine Menge ungeklärter Fragen. Was veranlaßt gerade jetzt die USA, so auf die massive Offenlegung zu drängen, oder woher stammt das Geld mit dem aufstrebende kenianische  Persönlichkeiten bestochen wurden und sie damit erst in die Lage versetzt wurden, mit Drogen zu handeln?

In der Vergangenheit gibt es nicht wenige Beispiele in denen sich gerade die USA in Kenia unlauterer Mittel bediente, um ihre Interessen durchzusetzen. Als ich 2001, sechs Wochen nach nine-eleven, das erste Mal in Kenia war verstand ich nicht, warum auf den Straßen von Nairobi die Menschen beim Einsturz der Zwillingstürme getanzt hatten, waren sie doch drei jahre zuvor selbst opfer eines Anschlages durch Al Quaida. Sechs Jahre danach hatte ich erlebt, wie sich der Gesichtszug eines Kenianers sich deutlich veränderte, als er erfuhr, das ich kein Amerikaner war. Heute, nach dem ich mich intensiver mit dem Land und seiner Geschichte beschäftige, fange ich an den Grund zu ahnen, warum ein tiefer Graben zwischen Kenianern und den USA besteht. Auch wenn Barak Obamas Wurzeln direkt aus kenianischen Boden stammen, bedarf es mehr als diplomatische Spitzfindigkeiten, um dieses Mißtrauen zu überwinden. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation weiter entwickelt und werde mich bemühen Sie auf dem Laufenden zu halten.

Mike

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