„Unrecht hat vielleicht doch lange Beine“ (ein kleiner Krimi)

Gestern las ich in der Daily Nation Kenia eine Nachricht, die mir geradezu befiehlt, diese fast unglaubliche Story aufzuschreiben. Aber alles der Reihe nach. Ich muß die Zeit um einige Jahre zurückdrehen, vielleicht um sieben, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich hatte eine Bauaufgabe in der Stadt H. übernommen und war bei der Abrechnung auf einem Teil meiner Abrechnung sitzen geblieben, was die höfliche Umschreibung dafür ist, das ich sie am Ende nicht bezahlt bekam, weil der Vertrag nichtig war. Der Auftraggeber war nicht vertragsberechtigt gewesen, denn er hatte die Finger gehoben, er hatte den Offenbarungseid geleistet. Ich hatte, verständlicher Weise, so richtig Wut im Bauch. Ich erzählte diese Geschichte einem langjährigen vertrauten Auftraggeber. Ich kann mich an diese Situation noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Als ich die Geschichte erzählt hatte, sah mich Herr M. an und fragte, „ist der Mann untersetzt und trägt einen Kinnbart?“ Meine Überraschung war mir sicherlich anzusehen, hatte ich doch weder den Namen erwähnt, noch sonst etwas zum Erscheinungsbild der Person gesagt. Ich antwortete verdudst: „Ja!, woher wissen sie das?“ Er antwortete, das ihn die Person in seinen Handlungsweisen sehr vertraut ist. So erfuhr ich die Vorgeschichte, das er mal der Bürgermeister der Kleinstadt T. war und er wegen Veruntreuung von mehreren Millionen Mark, von seinem Amt enthoben und vor Gericht gestellt wurde. Ein geringer Teil konnte gerettet werden, aber der überwiegende Teil war über Konten eines neutralen Staates als Anteil in den „African Safari Club“ verschwunden und war nicht wieder zurück  . Nun wurde ich erneut blaß, da ich erst vor kurzer Zeit genau in diesem Club meinen Urlaub, zwar nur kurz, verbracht hatte. Eine geraume Zeit später,  so wie es der Nichtzufall will, begegnete mir jener Mann in einem Ausflugslokal am Ufer des Flusses der durch die Stadt H. fließt. Er war in Begleitung einer viel jüngeren, eleganten Dame, die ihn mindestens um einen Kopf überragte und ein kleines Hündchen mit sich führte. Mehr muß man nicht zu dieser grotesken Szene sagen und kann sich alles weiter schmunzelnd denken! Noch in gleichen Jahr begegnete mir das Pärchen erneut. Ich musste im Vorort von H. mit meinem Auto halten, weil von einem Grundstück ein großes Segelboot rangiert wurde. Als das Gefährt auf der Straße war, schloß eben dieser Herr in Begleitung der jungen Dame mit Hündchen das Hoftor. Ich hatte Frieden geschlossen und lächelte über das ungleiche Paar. Danach war ich erneut in Kenia und als ich zurückkam verfolgte ich mit Spannung den Ausgang der Wahlen. Leider war mir die Rückkehr, die geplant war, verwehrt. Im Jahr 2009, ich glaube es war im Frühjahr, las ich die Nachricht, das auf Grund des Einbruchs in der Tourismusbranche das Unternehmen „African Safari Club“ Insolvenz anmelden musste. Tja wie gewonnen so zerronnen ging mir durch den Sinn. Die gestrige Nachricht überschattet alles oder lässt es in einem noch deutlicherem Licht erscheinen. Die Anti-Korruptions-Agentur untersucht unternehmen und Einzelpersonen die öffentliches Eigentum zu Unrecht erworben haben. Unter diesen Firmen, wie sollte es sonst in dieser Geschichte auch sein, befindet sich auch der „African Safari Club“ der in Schanzu Grundstücke auf betrügerische Weise erworben haben soll. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlen langsam aber stetig, auch in Afrika!

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Über muzungumike

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