Mzungu Mike, mein „Arbeitseinsatz“ in Malindi, Kenia

Da ja nun schon viel darüber geschrieben wurde, ich damit ein wenig „angegeben“ habe und manche Freunde schon auf mich sauer sind, für alle die es interessiert hier ein wenig Fakten und Bildmaterial, will ich doch meinem Buch „Weißer Mike – Schwarzarbeiter in Afrika“ nicht allzu viel vorn weg nehmen.

Handarbeit by Mohamed Muhaj, Rashi Work Shop Lamu

Also wie es der Zufall eben nicht gewollt hatte, liefen mir bei meiner ersten Reise 2001 nach Kenia, wie kann es anders sein, Handwerker über den Weg. Nicht irgendwelche Handlanger, nein, sondern Tischler, joiner, auf der Insel Lamu. Da ich Haptiker und Linkshänder, nicht zu verwechseln mit Linkshändlern, bin und von der Materie eine ganze Menge verstehe, blieb ich erstaunt vor den Kunstwerk und es war eins, das kann ich schwören, stehen. Es war ein Schrank (siehe nebenstehendes Foto). Er war fast fertig und sie waren gerade dabei die Verzierungen in das Kopfbrett über den Türen zu schnitzen. Ich fand keine Skizze auf den Holz und auch keine Schablone in der Nähe. Ich konnte mir die dumme Frage einfach nicht verkneifen, „You work free hand?“ Ich gebe zu, mein Englisch war damals grauenvoll und ich hab es vielleicht nicht so korrekt aus gedrückt, aber sie verstanden mich und schauten mich mit großen Augen an, als ob ich von einem anderen Planeten gefallen war. Sie erwiderten, „Yes“. Ich war perplex. Es war ein dreieckiger Aufsatz auf dem Rankenornamente spiegelbildlich angeordnet waren. Es gab nicht eine winzige Abweichung zwischen rechts und links. Mir schoß es durch den Kopf, „das muß dir in die Wiege gelegt sein, sonst lernst du das nicht in drei Leben“. Wir kamen, was mein begrenzter Wortschaft hergab, ins Gespräch und fachsimpelten. Ich sah mir ihre Werkzeuge an, sie waren zugegebnermaßen recht grob, aber dafür scharf. Ich erfuhr, mehr durch zeigen, das sie sich die Werkzeuge selbst aus Autofedern herstellt hatten. Das Gespräch zog noch eine Weile hin und ich hatte einige Mühe in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit, durch das Labyrinth der Gassen, den Weg zurück zum Hotel zu finden. Als ich wenige Tage später vom Flughafen in Mombasa abhob, erinnerte ich mich an diese Geschichte und dachte so in meinem Leichtsinn, „hier müßtset du mal mit deiner Werkzeugkiste landen“.

Es war keine Werkzeugkiste, nur das Notwendigste hatte Platz in meiner Reisetasche, als ich 2007 wieder in Mombasa landete und der Zöllner mich mehrmals sehr betont fragte, ob ich Ferien machen wollte. Ich antwortete, „Yes I will doing hollyday“.

Wir hatten gedacht, denn für unsere Verhältnisse, wie es die Fotos im Anschluß auch belegen, war es nur ein kleiner Umbau mit einer Erneuerung der gesamten Dachhaut,  das locker in zwei Monaten zu realisieren. Am Ende war ich dann von 22.01. bis zum 22.05.07 damit beschäftigt. Da es sich um eine Dachreparatur handelte und jeder der die Jahreszeiten in Afrika ein wenig kennt, wird spätesten in diesem Augenblick verstehen, das am Ende der größte Feind nicht die afrikanischen Behörden waren, sondern die Regenzeit. Mir sind in dieser sehr schwierigen Zeit Dinge widerfahren, zum Beispiel Solidarität, die ich mir hier schwer vorstellen kann. Jetzt versteht vielleicht der Eine oder der Andere meine Vernarrtheit in Kenia. Wie ein Sprichwort so schön sagt, du kannst Afrika nur lieben oder hassen. Ich gebe es zu,“I like Kenya!“ Vielleicht ist es ja auch bloß Altersstarrsinn, wer weiß?

Kwaheri Mike

 

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all photo’s © by M. Schmidt
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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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