Sag mir wo(her) die Blumen sind?

Wenn Sie im Vorfeld des alljährlich wieder vor der Tür stehenden Valentinstag im Blumenladen stehen, um für die Frau ihres Herzens einen Rosenstrauß zu kaufen, dann stellen Sie mal der Floristikfachverkäuferin diese Frage. Voriges Jahr haben bei einer Studie nur ca. 20% der Verkäuferin gewußt, woher die Blume der Liebe stammt, die sie verkaufen. Der überwiegende Prozentsatz, war der Meinung sie kämen aus Holland, was nur nah daneben gegriffen war, weil die meisten Unternehmen, die diese Blumen herstellen ihren Ursprung in Holland haben.

Vor etwa fünf Jahren, die Statistiken weisen unterschiedliche Jahreszahlen aus, hat Kenia den bis dahin führenden Blumenexporteur Israel abgelöst. Es ist schon bezeichnend, das gerade in den Ländern Blumen für unsere Kundentheke gezogen werden, die eine große Menge an Wasser benötigen, in denen selbst akute Wasserknappheit herrscht.

In der Region um den Naivashasee werden in ca. 70 Farmen über 500.000 Kenianer und Kenianerinnen beschäftigt, die Rosen sorgfältig aufziehen, um sie danach zu pflücken und zu verpacken, damit sie am nächsten Morgen auf unserem Ladentisch liegen können. Eine logistische Meisterleistung! Sicherlich werden jetzt manche sagen, was ist denn an dieser Tatsache schon dran, schön das dort Menschen Arbeit haben. Zusätzlich wird den Verbrauchern/Konsumenten noch Sand in der Form in die Augen gestreut, das wissenschaftlich erwiesen ist, das der Kohlendioxidausstoß bei der Herstellung und dem Transport geringer ist, als wenn diese Blumen in aufwendig beheizten Gewächshäusern in Europa gezüchtet werden würden, also am Ende sogar noch ökologisch ist. Ein weiteres Argument der Verteidiger der Produktionsverlagerung ist, das es seit Jahren Firmen gibt, um genau zu sein seit 1999, die sich um eine faire Herstellung und Handel bemühen.

Gehen wir den Sachverhalten einmal nach. Es hat sich in Kenia kein Industriezweig so rasant entwickelt wie die Blumenzucht. Die Stadt Naivasha, ein Hauptzentrum der Blumenzucht, zeigt zum Beispiel wie schnell diese Entwicklung vor sich gegangen ist. Hatte die Stadt 1999 ca. 20.000 Einwohner, hat sie heute über 300.000 Einwohner. Davon fristen rund 18.000 ihren Lebensunterhalt teilweise durch Prostitution. Sie werden jetzt fragen, warum ich gerade den Vergleich benutze. Es gibt in Afrika keinen gesteuerten Arbeitsmarkt und die dortigen municipals, Gemeindeverwaltungen sind hoffnungslos mit den Bevölkerungsbewegungen überfordert. Wie in vielen Entwicklungsländern, leidet Kenia neben der Dürre vor allem auch an der Bevölkerungsexplosion. Rund 5 Kinder werden pro Frau in Kenia geboren. So ist es kein Zufall das viele Kinder ohne Ausbildung losgeschickt werden, um sich selbst zu ernähren oder Geld für die Familie zu verdienen. Arbeit spricht sich in Windeseile rum und so machen sich Menschen über hunderte von Kilometern auf den Weg, Arbeit zu finden. Wenn dann am Ende der Tortur dann kein Job zu bekommen ist, bleibt vielen kein anderer Ausweg als die Prostitution.

Die Oragnisation „Flower Label Program“ bietet ihren Angestellten einen fairen Lohn, eine gesundheitliche Versorgung und für die Kinder eine solide Ausbildung. Voriges Jahr waren es zwei Firmen die auf 44,5 Hektar 785 ArbeiterInnen, also 0,16 Promille der Gesamtarbeiter der Blumenindustrie, beschäftigten. In diesem Jahr ist nur noch eine Firma gelistet, also Tendenz rückläufig!

Datei | NATION Sinkende Wasserstände und Umweltverschmutzung gehören zu den Faktoren, die den Lake Naivasha untauglich für Trinkwassergewinnung und den Fischfang machen. Ein neues Projekt soll das Naivasha-See-Ökosystem wiederherstellen.

Ein weiteres Problem ist die ungebremste Nutzung des Wassers und die ungereinigte Einleitung der Düngemittelrückstände und Pestiziden in den Lake Naivasha, die zum Kippen des Öko-Systems geführt hat. So mußte den Fischern das Fischen untersagt werden . Auch die ansässige Landwirtschaft, wir reden hier von der Kornkammer Kenias wurde durch die internationalen Firmen durch den Entzug des Wassers stark in Mitleidenschaft gezogen. In der im vorigen Jahr herrschenden Dürre kam es regelrecht offen ausgetragenen Konflikten. Da auch in diesem Jahr nicht viel mehr Regen gefallen ist, dürften die Spannungen andauern.

Im Abspann habe ich noch ein Video eingefügt, dieses Tatsachen deutlich unterstreichen.

Nun stehen sie vor dem Problem, soll ich unter diesen Umständen Rosen kaufen. Im Gegenteil zum europäischen Kaufboykott rate ich ihnen, kaufen sie für ihre Herzensdame Rosen und vergessen sie die Geschichte nicht gleich wieder. Vielleicht gibt es mal eine Gelegenheit, ein gutes Projekt direkt zu unterstützen. Es gibt kein wichtigeres Feld in der Zukunft als die wirtschaftliche Kooperation mit den Entwicklungsländern ohne Gewinnabsichten, wie „fair help for Africa“ . Dort stehen wir noch am Anfang einer langen Entwicklung, was die letzten aktuellen Ereignisse sehr deutlich unterstreichen.

n-tv: http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/auslandsreport/Blumen-sorgen-fuer-oekologische-Katastrophe-article872076.html

Advertisements

Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Dokumentation, Kenia, News abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Sag mir wo(her) die Blumen sind?

  1. Pingback: Valentinstag | Studium in Fribourg

  2. sweetkoffie schreibt:

    ‚Danke, für den Denkanstoss
    LG!

  3. Pingback: TOMS WOCHENSCHAU

Kommentare sind geschlossen.