Fast in eigener Sache – Hilfe für Afrika

Heute greife ich ein Thema auf, das sicherlich sehr zweischneidig ist – dessen bin ich mir bewußt – Hilfe für Afrikaner. In wie weit kann man von Europa aus helfen?

In den letzten Tagen errichte mich eine E-mail mit folgendem Inhalt,  „hi mike how are you hope fine. please mike am very sick i have problem in my breast please i need your help cause i have to go for operation, help me my as your good friend i think i die cause am in pain, help me because the doctor tell me i have to make it very quickly, plesae if you can send me 15,000 i wiil be very happy cause they want 34,000 and my family have paid fof me 15,400, please i dont meam to annoy you or to hurt you i just begging you for a help reply and i wish you all the best in your life please help, say hi to your daughter and others good day“,

die mich in der Zeit stark zum nochmaligen Überdenken meines Standpunktes, in wie weit man helfen kann, angeregte.

Doch zuvor will ich ein wenig zurückblättern. Bei meiner Arbeit in Malindi, Kenia, ist mir sehr viel Freundlichkeit entgegengebracht worden, die letzten Endes auch zu meiner Sicherheit beigetrug. Dies wurde mir zwei Mal sehr deutlich bewußt, als Ausländer, darunter vier Deutsche, in unmittelbarer Nähe angegriffen wurden. Durch mein Auftreten, ich hatte unter anderem für meine kleine Crew ein tägliches kostenloses Mittagessen durchgesetzt, was wir oft gemeinsam einnahmen, wurde mir sehr viel Respekt im gesamten Umfeld entgegengebracht. Vielleicht hat es sogar dazu beigetragen, das ich das Vorhaben, trotz Regenzeit, überhaupt noch beenden konnte. Es hatte sich in der Umgebung herumgesprochen, wer ich war. Afrikaner brauchen keine Zeitung, sie sitzen am Abend zusammen und unterhalten sich stundenlang sehr angeregt.

Schon während meines Aufenthaltes wurde gelegentlich die Frage an mich herangetragen, ob ich nicht mal 100 Schillinge borgen kann. Beim nächsten Lohntag wurde mir das Geld selbstredend wieder zugesteckt. Ein anderer Augenblick, der tief sich bei mir eingebrannte, war als Fatima (Name geändert),  meine kenianische „Haarschneiderin“ (eine typische afrikanische Geschichte) mich fragte, ob wir mal essen gehen könnten. Sie hatte schon zwei Wochen kein Fleisch mehr gegessen, wie sie mir dann bei „chicken and potatos“ gestand. Danach machte ich es mir zur Angewohnheit, den arbeitsfreien Sonntag oft mit der Familie zu verbringen, wo ich viele schöne Stunden am Strand hatte und eine wunderbare afrikanische Küche kennen lernte, wozu ich die Zutaten beisteuerte. Ich könnte die Kette der Erlebnisse weiterführen, aber hier wurde mir schon klar, das ich nach meiner Abreise ich versuchen mußte, meinen „Personenschutz“ weiter zu unterstützen. Die Auswahl wäre mir nicht leicht gefallen, um nicht zu sagen, sie war am Ende das Produkt afrikanischer Zufälligkeiten.

Ursprünglich war geplant, das ich mich nur kurz in Deutschland erholen, meine persönlichen Dinge regeln sollte, um dann ein Aids-Hospital im Sabakipark, in der Nähe von Malindi. mit zu errichten. Den Vorvertrag hatte ich schon in der Tasche. Seit der post eletion 2007 violence, wurde das Entwicklungsprojekt schon vor Ausbruch der Unruhen nach den Wahlen auf Eis gelegt und liegt da immer noch. Welche Ursachen dazu führten, habe ich bis heute nicht in Erfahrung bringen können.

Seit meiner Rückkehr unterstütze ich zwei alleinstehende Mütter, die sicherlich das härteste Los in Afrika zu tragen haben. Glücklicher Weise kommt der Umstand hinzu, das sie die größten Schwierigkeiten haben (Regenzeit), wenn bei uns Sommer ist. Es gibt keine Regelmäßigkeit, denn die wollte ich nicht. Ich helfe nur, wenn sie in schwierigen Momenten stecken und es betraf in der Regel nur Hilfe für die Schule oder einen Zusatz für das tägliche Essen. Ich muß dazu sagen, ich kannte beide Familien sehr gut und war mir sicher, das sie sehr sparsam mit meiner kleinen Unterstützung umgehen werden. Am Beginn gab es nicht wenige Auseinandersetzungen, weil sie von Europa und meiner Situation hier völlig falsche oder besser gesagt keine Vorstellungen hatten. Für sie war es das Paradies, was sicherlich auch die Menge der Flüchtlinge erklärt, die versuchen nach Europa zu kommen. Mit der Zeit verstehen sie auch mein Leben besser und üben sich in Geduld, wenn ich mal nicht gleich zur Stelle sein kann.

Mir wären reale, aktive Zusammenarbeit, von einander lernen, wichtiger, denn auch ich habe in dieser Zeit so manches Neues erfahren und dazugelernt. Auch ist Geld an vielen Stellen ein verlockendes Medium und wir erleben ja gerade an vielen Hilfsprogrammen, wie viel davon wirklich an der Stelle, wo es dringend gebraucht wird, ankommt. Deshalb ist mir diese Zweischneidigkeit bewußt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch nicht von der Hand zu weisende Gründe, so das auch ich in der jetzigen Situation mich entschieden habe, die Unterstützung zu geben, auch wenn ich dabei tief in die Tasche greifen mußte. Eine Krankenversicherung gibt es nicht. Seit ich die Mütter unterstütze, gab es in 3 1/2 Jahren nur einen Malariafall. Also durchschnittlich 10,00 € pro Monat reichen aus, um die Malaria zu bekämpfen, weil die Ernährung gesünder, sprich vitaminreicher, ist. Ein weiterer Gesichtspunkt der sicherlich eher in ideeller Natur darstellt, es ist aktive Solidarität, die neben der kleinen finanziellen Zuwendung, auch Hoffnung und Zusammengehörigkeitsgefühl auf beiden Seiten entstehen läßt.

Gestern fand ich einen blog, weit ab von hier, in „The political inqueirier“ wurde muzungu mike, neben „his Ugandan ‚Daughter‘ Winnie“ für ihre praktizierte Nächstenliebe zu Weihnachten gedankt. Eine neue Zeit bricht an, wir begreifen erneut, das wir alle Brüder und Schwestern auf dieser Erde sind. Jeder, der sich einbringt, wird helfen, das die Barrieren schwinden und wir uns ein wenig besser verstehen.

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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2 Antworten zu Fast in eigener Sache – Hilfe für Afrika

  1. mzungumike schreibt:

    Hallo Martin,
    vielen Dank für Deine Nachfrage, Du weiß ich verdiene meine Brötchen auf dem Bau und das hier ist nur Hobby oder besser gesagt eine Herzensangelegenheit, eine…
    Einen großén Schritt bin ich schon voran gekommen…

  2. Martin Bartonitz schreibt:

    Hallo Mike,
    wie weit bist Du denn mit Deiner Idee eines Vereins gekommen. Ich vermute mal, dass dieser sich um eine direkte Unterstützung von Afrikanern in Not kümmern soll?
    Lieben Gruß, Martin

Kommentare sind geschlossen.