Dürre und Hunger wüten in Ostafrika – Kenia

Die Anzeichen haben sich in den letzten Wochen ständig verdichtet und nun ist es gewiß. Das im Norden von Kenia schon viele Menschen und ihre Herden von der Dürre betroffen sind, ist eine Tatsache, die neuerdings sich so regelmäßig wie die Jahreszeiten wiederholt. In den letzten Jahren wird aber auch immer mehr der dichter besiedelte Süden und die Küstenregion im Osten von den katastrophalen Auswirkungen der Klimaveränderung und der Bevölkerungsbewegung erfaßt, die nicht zuletzt Resultat der boomenden Tourismusbranche und der Entdeckung Kenias als Industriestandort sind.

Letzte Meldungen verlautbaren, dass in Kinango, südwestlich von Mombasa, Nationalpark Simba Hill’s“, über 1.000 Menschen, davon über 80% Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und junge Mütter an akuter Unterernährung leiden, wie das Kenianische Rote Kreuz berichtet.

Das durch Ernährungswissenschaftler entwickelte Nahrungsmittelkonzentrat Unimix, eine Substanz aus Maismehl und reinem Pflanzenöl, wird an Ausgabestellen an die am stärksten Betroffenen verteilt. Da aber diese Stellen weit auseinander liegen und die Hungernden oft bis zu 30 km zurücklegen müssen, werden viele der Ausgezehrten diese Hilfen gar nicht mehr erreichen können.

Aber auch in der Küstenregion, in Tana River, Bura, Ijara, Pate Inseln, Faza, Bamba, Ganze, Kilifi und Malindi, sind die Nahrungsmittel soweit knapp, das viele Menschen nur noch eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können. Nach Angaben „des Managers Mahdi Mohamed des kenianischen Roten Kreuz steht die Coast Province vor einer regionalen Katastrophe, sind dort etwa 200.000 Menschen vom Hungertod direkt bedroht.“ (Daily Nation, 17.02.11)

Durch das Welternährungsprogramm werden zur Zeit etwa für 1.6 Millionen Kenianer Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt, wie die Pressesprecherin Rose Ogola mitteilte. Da aber die nationalen Reserven den Vorjahresstand nicht erreicht hatten, ist es fraglich, ob die bereitgestellte Menge überhaupt ausreicht und nicht nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeutet.

Verschärfend kommt hinzu, das gerade jetzt in den Hauptzentren des Tourismus sich kaum noch Urlauber aufhalten, da die Hitze unerträglich ist und in wenigen Wochen die Regenzeit einsetzen kann. Anwohner, die in dieser Branche arbeiten sind zur Zeit ohne Arbeit und damit auch ohne regelmäßige Einnahmen. Da auf Grund der Nahrungsmittelknappheit die Preise bis 30 und mehr Prozent gestiegen sind, sind sie jetzt auf die Hilfe aus Ernährungsprogrammen angewiesen, da durch die geringen Löhne sie nichts für schlechte Zeiten zurücklegen können.

Neben den fehlenden Nahrungsmitteln ist die unzureichende Versorgung mit Trinkwasser, die mit der anhaltenden Dürre einhergeht, ein weiteres akutes Problem. Vor genau einem Jahr, die bis dahin schlimmste Dürreperiode, brachte in vielen Ballungsgebieten, z.B. Malindi die örtliche Wasserversorung völlig zum Erliegen, so das unter der Bevölkerung zu regelrechten Plünderungen kam. Es wird davon ausgregangen, das fast eine halbe Millionen Menschen in dieser Region keinen regelmäßigen Zugang zu sauberen Wasser haben.

Selbst wenn die Regenzeit einsetzt, ist die Gefahr für die meisten Menschen noch lange nicht vorüber. Wenn es zu ähnlichen Regengüssen wie im Vorjahr kommen sollte, weit über 100.000 Menschen haben durch Überflutungen sprichwörtlich selbst das letzte Hemd auf den Leib verloren, steht schon der nächste Feind, die Anophelesmücke, in den Startlöchern. Ein derart, durch Dürre und Mangel bzw. dem Fehlen einer ausgewogenen Nahrung, ausgemergelter Körper wird schnell Opfer von Malaria, da dann bei subtropischen Klima sich die Moskitos in jedem stehenden Gewässer, praktisch in jeder Pfütze zu tausenden entwickeln.

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