Sag woher die Blumen sind – eine kleine Blumensafari

Flower Label Programm

Da ich diese Frage gestellt hatte, will ich sie wenigsten versuchen exemplarisch zu beantworten und machte mich dazu also auf die Socken, um diese in den Raum gestellte nicht dort stehen zu lassen. Pünktlich zum Valentinstag verkürzte ich den Arbeitstag ein wenig und begab mich auf die heiße Spur.

Wenige hundert Meter von meinem derzeitigen Arbeitsort, wußte ich, befindet sich der erste Blumenladen. Ich trat ein, stellte mich vor, erklärte mein Anliegen und fragte höflich, ob die Verkäuferin FLP (Flower Label Program) kennen würde. Zu meinem großen Erstaunen, mir fiel die Kinnlade fast herunter, sagte sie wie selbst verständlich, ja und diese verkaufen wir auch. Sie beziehen die Rosen direkt aus Ecuador von einer Blumenfarm, ohne Zwischenhändler, die zertifiziert ist. Zum Beweis übergab sie mir wie selbstverständlich ein Faltblatt und entfernte von einem Rosenstauß die Lieferfahne ( Beweisstück eins, siehe oben) von FLP. Ich war so geschockt, das ich gleich alle vorbereiteten Fragen vergaß. Der erste Anlauf und gleich ein Volltreffer. Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet gewesen.

Ich zog ab und wandte mich dem nächsten Blumenladen auf meiner ausgedachten Strecke zu. Dieser Laden ist mir schon viele Jahre bekannt, da ich selbst dort oft Blumen gekauft hatte, als ich noch in dem Wohngebiet lebte. Das gleiche Prozedere wiederholte sich, aber diesmal bekam ich zur Antwort, das sie zwar FLP kenne, aber ihre Rosen aus Holland bezog. Ein halber Punkt für die Kandidatin, denn sie kannte das Programm wenigstens.

Nun schon etwas ernüchtert und mit wenig Routine, suchte ich den dritten Blumenladen auf, den ich noch aus DDR-Zeiten kannte. Es ist ein mittlerweile älteres Ehepaar, die diesen betreibt. Es herrschte ein großer Andrang in dem kleinen Laden, halbe Treppe tiefer. Ich fragte wieder höflich und erhielt zur Antwort, dass sie das Blumenprogramm nicht kannten. Damit waren alle weitere Fragen, schon auf Grund des hinter mir entstehenden Andrangs, erledigt. Zur Ergänzung möchte ich nur erwähnen, das diese Generation mit unserer schnelllebigen Zeit kaum Schritt halten kann und es mir Respekt abnötigte, das sie in diesem gnadenlosen Verdrängungskampf sich immer noch behaupten können. Es ist immerhin die Generation meiner Eltern.

Im nächsten Blumenladen wurde ich von einer sehr charmanten Dame empfangen. Auf meine Frage antwortet sie mir promt selbstbewußt, dass sie das Programm kenne, aber aus mehreren Gründen nicht in Anspruch nimmt. Nach den Gründen befragt, sagte sie mir, das sie einen festen Lieferanten aus Holland hat und das diese Qualität unübertroffen ist. Sie könne die Rosen an Hand des Wuchses und der Blüte unterscheiden, ob sie aus Holland kämen oder nicht. Mir ging sofort ein Gedanke durch den Kopf. Das wäre doch mal eine interessante Wette für unseren Gummibärenonkel gewesen. Ich hätte die Wette angenommen und behauptet, um eines Besseren belehrt zu werden, das die Damen die Wette nicht gewinnt. Sollte ich die Wette verlieren, ginge ich, als Wetteinsatz, freiwillig für ein halbes Jahr in eine Rosenfarm ihrer Wahl Rosen schneiden.

Zurück zu Realität, denn die sollte mich bei meinem weiteren Erkundungen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückwerfen. Der nächste Stop war an einem großen Platz mit einem eben solchen Floristik-Fachgeschäft geplant. Ich wurde von dem Geschäftsführer empfangen und auf meine Frage hin entstand eine interessante Diskussion. Ich versuche sie kurz wieder zugeben, ohne mich in Einzelheiten zu verlieren. Positiv konnte ich feststellen, das er, ebenfalls aus der Generation meiner Vorfahren, von dem Programm schon einmal was gehört hatte, Pluspunkt. Andererseits machte er mich auf eine Tatsache aufmerksam, die ich bis jetzt außer Acht gelassen hatte. Sinngemäß brachte er zum Ausdruck, das wir gar keine Blumen exportieren müßten, wenn nicht die Kunden, also wir, immer alles noch billiger haben wollten. Viele einheimische Gärtnereien sind am Preiskampf kaputt gegangen und haben in den letzten Jahren das Handtuch geworfen. Aus dieser Sicht hatte es der „Weltbürger“ noch nicht betrachtet, das wir mit der Globalisierung oft über viele Generationen gewachsene Infrastrukturen im eigenen Lande opfern und zerstören. So ist das, wenn man das Fernrohr verkehrt rum hält und über den erst besten Stein, den man übersehen hat, stolpert.

Der letzte Halt auf meiner kleinen Blumenreise ist schnell geschildert. Nettes Personal, das mich höflich behandelte, aber vom Flower Label Programm hatten sie noch nichts gehört. Ihre Blumen kommen aus Holland.

Ein kleines Zwischenresümee möchte ich hier schon einmal ziehen, denn sie können sich vorstellen, das dieses Thema noch nicht vom Tisch ist, auch wenn der Wettmaster nicht mehr Thomas Gottschalk heißt. Der moralische Gewinn geht eindeutig an Flower Label Program, denn es hat seinen Bekanntheitsgrad von 20 auf 66% bei meiner kleinen Stichprobe gesteigert. Die Niederlage FLP gegen Holland mit 1:5, gegenüber der kapitalistischen Großproduktion, entspricht zur Zeit dem realen Kräfteverhältnis und kann sich nur verbessern, wenn wir unter anderem mehr Aufklärungsarbeit leisten.

Nun hat der Kommissar den Tatort eingehend beleuchtet und begibt sich auf weitere Ermittlungen, um am Ende vielleicht noch einmal an den Ort der Geschehens zurückzukehren, wo denn die Blumen aus Kenia denn geblieben sind.

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