Sag mir wo(her) die Rosen sind – einige Antworten…

Arbeiter bei einem Bauernhof in Oserian Blume, Naivasha. Foto / FILE Durch Nation correspondentPosted Mit., 23. Feb. 2011 um 22:24

Ob dies dazu die letzte Folge ist, kann und will ich nicht versprechen, aber wie ich erwähnte, habe ich meine Untersuchungen weiter geführt, um einige Antworten zu finden und weiterzugeben. Als erstes steht da die Frage im Raum, woher die qualitativ hochwertigen und von bestimmten Blumenfachfrauen, vielleicht auch mit verbundenen Augen, erkennbaren holländischen Rosen wirklich stammen. Sicherlich gibt es immer noch Firmen, die mit einem hohen energetischem Aufwand, der sich sicherlich auch im Preis niederschlägt, in Holland auch in Winter Rosen aufziehen und auf den Markt bringen. Ich gehe mal davon aus, das der Prozentsatz eher gering ist. Die meisten holländischen Rosenzüchter verkaufen die Ersten, im Folienzelt vorgezogenen, Rosen aus Freilandanbau erst ab der ersten Maiwoche. Ich habe mir also die Mühe gemacht und wie man heute modern sagt, recherchiert, wo denn üblicherweise holländische Rosen ihren Ursprung haben. Raten sie mal wie viele Länder ich gefunden habe, wobei ich davon ausgehe, nicht einmal alle gefunden zu haben. Sie werden es nicht glauben, ich bin 29 mal fündig geworden. Unter den Herkunftsländern befinden sich europäische Länder wie Polen und die Ukraine. Die weitesten Wege nehmen sicherlich Rosen als Neuseeland, Australien und Japan auf sich. Auch aus Ländern mit hohem sozialen und ethnischen Sprengstoff wie Eritrea und Somalia gelangen Blumen auf unseren Ladentisch. Weitere Exporteure kommen aus Mittelamerika, Afrika, Indien, China und aus Israel. Wie gesagt, bin ich nicht der Meinung, das diese Erhebung vollständig ist. Auf Grund meines Erstschockes machte ich mich noch einmal auf den Weg zum Blumenladen in der Reilstraße, in der Nähe der Haltestelle Hegelstraße und wollte mehr über die Blumen von FLP in Erfahrung bringen. Es bestätigte sich, was ich im Flayer gelesen hatte, sie werden direkt beim Produzenten bestellt und sind am Tag nach der Abfertigung, Schnitt frisch, auf dem Ladentisch. Das Flower Label Program hat gerade in diesem Land, begünstigt durch politische Veränderung im Lande selbst, eine positive Entwicklung genommen. aber auch dort gibt es immer noch schwarze Schafe die über die kommerziellen Lieferwege, Blumen nach Holland, was nicht korrekt ist, sondern nur über dessen Zwischenhändler in unsere Geschäfte gelangen, denn der große Tieflader, der uns mit holländischen Blumen versorgte, ist nun auch bald Geschichte. Die langstielige Rose kostete am Tag meiner erneuten Befragung (eine Woche nach den corpus delicti) 2,35 Euro. Wie ich noch in Erfahrung bringen konnte, lag sie pro Stück damit am Tag der Befragung nur ca. 0,35 bis 0,50 € über den anderen Lieferanten (Blumenpreise sind starken Schwankungen unterlegen). Darüber hinaus verfügt die in Ecuador gezüchtete Rose, nach Aussagen der Verkaufstellenleiterin über eine sehr gute Qualität und bleibt dem Blumenkäufer lange erhalten, um ihm oder ihr Freude zu spenden. Nun bleibt ja nun immer noch die Frage offen, wo sind die Blumen des größten Blumenexporteurs Kenia. Ich bin bei meiner Erkundung leider erfolglos geblieben. So ist das eben mit der Statistik. Aber in der Daily Nation Kenia wurde ich am 23.02.2011 fündig. Die dortige Gewerkschaft hat in Bezugnahme auf die neue Verfassung, die nun als ein zierliches Pflänzchen der Demokratie langsam wächst, eine Erhöhung des monatlichen Mindestlohnes um 9% auf 8784 Kenianischen Schillinge, etwa 81,50 €. Da in Kenia 6 Tage die Woche gearbeitet wird und es auch keine 8 Stundenreglung gibt, verdient die/der ArbeiterIn etwa 1,5 € in der Stunde. Es war die erste nennenswerte Lohnerhöhung seit den Unruhen 2007. Bei einer realen Geldentwertung von über 30% in diesem Zeitraum fällt die Erhöhung eher mager aus. Zusätzlich wurde ein Wohngeld, Mieten sind in Kenia bei niedrigem Standard vergleichsweise sehr hoch, von 3.217 KES, eine Erhöhung in knapp 1.000 KES vereinbart. Ein Zeichen verfehlter europäischer Zivilisation? Wie viele Beschäftigte in den Genuß der Erhöhung kommen werden, ist ungewiß, da die Gewerkschaft Kenia Plantation and Agricultural Workers Union (KPAWU), der neben den Arbeitern auf Rosenfarmen auch noch ArbeiterInnen auf Kaffee- und Teefarmen vertritt. 2005 sollen insgesamt ca. 200.000 in der Gewerkschaft organisiert gewesen sein.

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Über muzungumike

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2 Antworten zu Sag mir wo(her) die Rosen sind – einige Antworten…

  1. mzungumike schreibt:

    Hallo Martin,
    das zwischen den ansässigen Bauern und Viehhirten auf der einen Seite und den Agricultural (Tee, und Keffe mit einbezogen) ein harter Kampf stattfindet, der oft auch eskaliert, kann ich nicht nur bestätigen. Ich muß ihn unterstreichen, weil die Residentes schon seit Jahrzehnten die Verlierer sind.
    Von Kilimadjaro kommt in das Anbaugebiet kein Wasser. Der einzige nördliche Abfluß ist der Galana (Sabaki) und mündet bei Malindi in den Indischen Ozean.
    Das Gebiet bezieht sein Wasser aus den eigenen Mittelgebirgen (u.a. Ngongberge) und dem Mount Kenia.
    Grundstein für die Agriculture geht auf die Besiedlung die Briten und Deutsche in der Zeit des Protektorats nach 1900 zurück (Jenseits von Afrika) und liegt im ehemaligen Land der Massais (Viehhirten) und Kikuju (Bauern). Hauptzentrum der Blumenzucht liegt auf Grund der klimatischen günstigen Bedingungen in der Region nordwestlich von Nairobi (Naivashasee bis Nakuru). Der Beweis für die extensive Wasserentnahme zeigt schon das der Pegelstand des Lake Naivasha in den letzten Jahren stark gesunken ist. Wenn man davon ausgeht, das ca. eine halbe Million Menschen auf den Blumenfarmen rund um den See arbeiten und die Gewerkschaft insgesamt nur zwei hunderttausend Mitglieder zählt, kann davon ausgegangen werden, das der Organisierungsgrad nur maximal 25% beträgt. Bedenklich ist auch das z. B. der Präsident (Kikuju) ein Aktionär dieser Farmen ist.
    Neben dem Kampf um das Wasser ist die direkte Einleitung von Petizieden in die Flüsse und in den See (siehe Anfangsartikel). Gruß Mike

  2. Martin Bartonitz schreibt:

    Hallo Mike,
    ich hatte mal gehört, dass für die Bewässerung der Rosen in Kenia viel Wasser vom Kilimanscharo abgezweigt wird, was dann weiter Flussabwärts der anderen Bevölkerung nun für die Viehversorgung und zum Leben fehlt. Der Gewinn für die Blumen bleibt nur bei Wenigen. Kannst Du das bestätigen?
    Gurß Martin

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