Der Wolf geht um – Zeit zum Umdenken – Werden Sie Wolfsbotschafter

Durch den Beitrag „Gehört der Wolf nach Mitteldeutschland“, wurde ich erneut mit den Thema Wolf konfrontiert. Ausgangspunkt dieser in der Community des MDR Figaro, meinfigaro.de, geführten lebhaften Debatte, war der Verdacht, das ein Wolf 25, meist tragende, Mutterschafe gerissen haben soll, der sich heute bedauerlicher Weise teilweise bestätigte, weil es ein Rudel von wahrscheinlich 11 Wölfen gewesen ist…

Leider schwang schon in der Ausgangsargumentation ein wenig Vorverurteilung mit, was unter anderem zu einer erhitzten Debatte geführt hat. Es ist sicherlich nicht einfach, den Umstand, das der vor Urgroßväterzeiten in unseren Breiten ausgerottete Wolf, sich bei uns wieder heimisch fühlt und sein „Unwesen“ treibt. Schön ist, das die meisten Kommentatoren zu den erfreulichen Schluß kommen, das er in unsere Kulturlandschaft gehört.

Aber schon in diesem Satz liegt ein gewisses Konfliktpotential. Sicherlich hätte der Wolf, wenn er genügend Platz in Polen zum Leben hätte, sich nicht so einen bürokratischen Staat ausgesucht, um dort wieder heimisch werden zu wollen. Fakt ist, das es vor reichlich 10 Jahren zum Grenzübertritt der Wölfe auf ehemals benutztes Gebiet kam, lag nicht daran, das sie jetzt die Geschichten ihrer ehemaligen gnadenlosen Verfolgung vergessen hatten oder sie glaubten, der Mensch hätte sich geändert. Nein, dadurch das er auch in Polen auf Grund seiner positiven Rolle in der Natur immer mehr geschätzt und damit geschützt wird, waren die Lebensräume für die bestehenden Rudel knapp geworden. Wer sich ein wenig mit den Wölfen beschäftigt, wird feststellen, das sie feste Strukturen und eine geordnete Kinderstube haben. So kommt es, das Wölfe erst im zweiten Jahr das elterliche Rudel verlassen und bis dahin alles gelernt haben, um sich als einzelner Wolf oder bei der Gründung eines eigenen Rudels behaupten zu können. Ein Existensgründermasterplan von dem wir uns Menschen noch etwas abgucken können. Da er sich nicht in Gebiete niedergelassen hat, die wir unter dem Begriff Kulturlandschaften zusammenfassen, belegt schon die Tatsache, das er zur Zeit die Abgeschiedenheit von der menschlichen Kultur auf ehemaligen Truppenübungsplätzen vorzieht. Was bei all dieser Diskussion sogar völlig unbeachtet bleibt, ist die Tatsache, das er wie ein kleiner Entwicklungshelfer den verfehlten menschlichen Eingriff in die Natur langsam wieder korrigiert, weil er dazu beträgt, dass die Wildbestände gesunden und damit auch der Wald zu seinem natürlichen Wachstumszyklus zurückfindet, wissenschaftliche Studien belegen das eindeutig.

Am Anfang war es sicherlich für alle Tierschützer und viele „Wolfstouristen“, wie auch für mich, der durch einen Zufall letzten Jahres ihn beim Pilze sammeln zu Gesicht bekam, ein beeindruckendes Erlebnis den Isegrim durch die verlassenen Sandlandschaften der ehemaligen Truppenübungsplätze und Tagebaulandschaften streifen zu sehen. Aber wie gesagt, es gehört eine dicke Portion Glück dazu, ihn in gehöriger Entfernung einmal zu Angesicht zu bekommen, da er den Menschen meidet.

Schon vor Jahren waren gerade aus den Reihen der Wolfsliebhaber und -schützer auch immer wieder Stimmen zu vernehmen, die sagten, wir müssen lernen mit diesem Raubtier und um das handelt es sich ja unumstritten, zu leben. Gerade die Lausitzer Schützer von Wolfsregion Lausitz gehen vorbildlich mit diesem Thema um, klären auf, bereiten Informationen auf und setzen sich bei Zwischenfällen schlichtend ein. Seit dieser Zeit ist viel geschehen, einige junge Wölfe sind Opfer des wesentlich dichteren Verkehrs in Deutschland geworden, manche wurden durch Schützen, vielleicht auch aus Verwechslung mit einem Schäferhund, getötet und die Zahl der getöteten Nutztiere nimmt zu, da ja auch die Anzahl der Wölfe in Deutschland zugenommen hat. Die Emotionen kochen hoch und Stimmen, die den Abschuß fordern, werden wieder laut.

Wenn man aber genauer hinsieht und dies bestätigt auch das Lausitzer Büro, wären viele Verluste von Nutztieren, meist Schafe oder Ziegen, vermeidbar gewesen, würden sie nicht allein auf der Weide oder angepflockt ihrem Schicksal überlassen. Auch der letzte Fall mit dem Verlust von 25 tragenden Schafen ist teilweise durch das schlechte Management mit verursacht worden, da erst jetzt Mitteilungen erhältlich sind, das sich im Raum Altengrabow ein Rudel von ca. 11 Jungwölfen seit vorigem Jahr aufhält.

In diesem Jahr laufen für viele Landwirte die Maßnahmen aus, die eine Förderung der Schutzmaßnahmen beinhaltete und auch der Schadensersatz im Falle einer Tötung durch einen Wolf. Es ist sicherlich falsch gewesen, die Augen vor den neuen Tatsachen so lange zu verschließen und zu denken, man kann dieses Problem bäuerlich aussitzen. Es geht dringend darum, für alle Bundesländer übergreifend ein Aktionsprogramm für den Umgang mit dem Wolf zu formulieren und umzusetzen. Wenn Sie gern in der Natur sind und etwas für die Unterstützung dieser Problematik tun wollen, werden sie ehrenamtlicher Wolfsbotschafter bei der NABU. So haben sie viel wissenswertes aus erster Hand, sitzen so zu sagen in der ersten Reihe und können mit helfen ein neues Verständnis im Umgang mit der Natur zu gestalten.

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Über muzungumike

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Eine Antwort zu Der Wolf geht um – Zeit zum Umdenken – Werden Sie Wolfsbotschafter

  1. Martin Bartonitz schreibt:

    Hallo Mike,
    prima Aktion, auch wenn ich hier aufgrund meiner vielen anderen Tätigkeiten nicht mitmachen werde. Aber, ich habe verstanden, dass es der Fauna in der Gegend wieder besser geht. Wem gehört denn diese Fauna und profitiert davon. Müsste der sich nicht einbringen, da er den höchsten Nutzen hat?
    Lieben Gruß, Martin

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