Verurteilt wenn es regnet, verdammt wenn nicht

Wasserkinder; (c) M.Reiss 2006 - GaLaPlan-Marburg

Am 22. März begingen wir den „Internationalen Tag des Wassers“, der dieses Jahr im Zeichen der Versorgung der Städte mit Wasser stand. Was hier zu Lande sicherlich keine große Herausforderung mehr darstellt, denn wir sind gut mit Trinkwasser versorgt. Nicht nur an diesen Tag sollten wir uns eher darüber Gedanken machen, das kostbare, lebensspendende Naß, nicht zu vergeuden oder sparsamer damit umzugehen.

Wasserknappheit ist bereits heute eines der größten globalen Probleme, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht.“ (Blog RA Dominik Storr)

In vielen Entwicklungsländern sieht dies ganz anders aus. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser und wenn nichts unternommen wird, kann sich nach UN Schätzungen in den nächsten 25 Jahren diese Zahl verfünffachen. Es liegt auf der Hand, das unter diesem Druck, das Wasser in vielen Gebieten sich schon zum regionalen Konfliktstoff entwickelt hat.

Unter dem Gesichtpunkt, das Großstädte gerade in unterentwickelten Staaten eine rasante Bevölkerungsentwicklung verzeichnen, die immer stärker auch durch die Landflucht verursacht wird, stand der Tag dieses Jahr unter diesem Motto.

Tom Maruko | NATION Frau A Fuata Nyayo nach dem Kauf von Wasser mit Wohnsitz in Nairobi am 21. März 2011. Es ist eine ernste Wasserknappheit in der Stadt, auch am Weltwassertag am 22. März 2011.

Am Beispiel Kenias läßt sich dies sehr deutlich mit Zahlen belegen. Der gültige „Water plan“ wurde 1992 für rund 18 Mio. Einwohner entwickelt. Größere neue Projekte hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Seit 30 Jahren hat sich die Bevölkerung auf 40 Millionen mehr als verdoppelt. Davon leben heute ein Viertel in Großstädten und rund 5 Millionen in Slums wie zum Beispiel Kibera einem der Slums der Hauptstadt Nairobi, der zum größten Slum in Afrika herangewachsen ist. Bei dem heutigen Tempo des Bevölkerungswachstums gehen Fachleute davon aus, das 2030 mehr als 18 Mio. Menschen in Kenia ohne Zugang zu regelmäßigen Trinkwasser sein könnten. Auch hier ist Eile bei der Verbesserung der Lage dringend geboten.

Am Welt Wassertag gab es zu diesem Thema in der kenianischen Presse dem zufolge auch recht kritische Beiträge, wie zum Beispiel „Familien lächeln, wenn Wasserrohre platzen“(Daily Nation), dem ich einige der Fakten entnommen habe. Aber dieser Beitrag zeigt auch den Erfindergeist auf, den sie entwickeln, denn das marode Wasserleitungsnetz ist fast täglich an vielen Stellen leck, so das mit ein wenig Glück sich die Bewohner das Trinkwasser kostenlos beschaffen können. Wenn das Glück aber nicht hold ist, kostet ein 20 Liter Kanister Trinkwasser 10 kenianische Schillinge, so das bei einer fünfköpfigen Familie i. R. etwa ein fünftel des Lohnes an Wasser verbraucht wird. Da der größte Teil der Jobs eher Gelegenheitsarbeiten sind, ist neben der Nahrungsbeschaffung gerade in den Elendsvierteln das Trinkwasser ein akutes Problem. Bei der Dürreperiode im vorigen Jahr kam es zu massiven Ausschreitungen in der Bevölkerung, da mancher Orts das Wasser aus den Leitungen vollständig versiegte. Gerade aber das Fehlen von sauberen Wassers ist die Ursachen für viele Krankheiten, die gerade im Kindesalter oft einen tödlichen Verlauf nehmen.

Ein weiters Sorgenkind ist die sich rasch entwickelnde, exportorientierte Landwirtschaft im Tee- und Kaffeeanbau sowie der Blumenzucht, die zunehmend immer mehr Wassers verbraucht und so der traditionellen Landwirtschaft die wichtigste Wachstumsgrundlage entzieht beziehungsweise durch das ungefilterte Einleiten von Düngemittelresten und Pestiziden die knappe Ressource Süßwasser unbrauchbar macht.

Die Überschrift habe ich einem Artikel der Daily Nation, wenige Tage zu vor entnommen, der noch auf ein weiteres Problem hinweist, dem extensiven Umgang mit Wasser, also so wie es der Himmel gibt. In den Gebieten sich durch den Klimawandel verschärften Witterungsbedingungen haben die letzten Dürreperioden genau so wie die oft sintflutartige Regenfälle Ernten vernichtet und tausende Tiere getöted. So berichtete ich schon am 18.01.11 und 19.02.11 über die Auswirkungen der Dürreperiode. In den letzten Tagen mehren sich aber auch wieder Nachrichten, das durch die jetzt beginnende Regenzeit und die damit hereinbrechenden Regenfälle tausende durch die Dürre geschwächte Tiere an Lungenentzündung verenden. Im letzen Jahr wurden durch Überschwemmungen tausende Hektar landwirtschaftliche Flächen und Tonnen von Erträgen zerstört, was das Anlegen von Wassersammel- und Hochwasserschutzeinrichtungen mehr als deutlich unter Beweis stellt.

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