Wo gehen wir hin?

Der Weltraum, unendliche Weiten (Bild: MPI für Astronomie)

Angeregt zu diesem Artikel, der am Anfang nur ein Kommentar werden sollte, bin ich durch eine Frage meiner Freundin Stefanie, die ich nicht vollständig beantworten konnte, weil auch ich es schon nicht mehr weiß, in meinem Gästebuch bei „Mein Figaro“ und den Artikel von Dr. Martin Bartonitz, „Über die Vertreibung aus dem Paradies, und warum gehen wir nicht einfach wieder dorthin zurück?“, den ich jeden empfehle zu lesen, da ich nicht auf alle Zusammenhänge eingehen kann.

War es nicht der Baum des Wissen und seine begehrten Früchte, die Äpfel der Weisheit, die uns verboten waren und den Menschen aus dem Paradies (der Unwissenheit) vertrieben haben. Schon an diesem Ursprung werden zwei Dinge deutlich. Der Mensch wird immer nach neuem Wissen streben, um sich sein Leben besser einrichten zu können, das Feuer , das Rad…..

Wissen ist aber nicht gleich Fortschritt und muß bei jeder neuen Erkenntnis nach seinen Vor- und NACHTEILEN beleuchtet werden. Es ist alles eine Entwicklung und ein auch nur scheinbares Zurück wird es nicht geben, aber auf einer anderen Stufe?

Vielleicht war es die Urerfahrung der Eiszeit oder anderer Katastrophen die den Menschen dazu verleitet haben, miteinander zu konkurrieren oder ist es unser Wesen selbst? Jeder fühlt sich doch zu einer höheren Leistung angestachelt, wenn er nicht allein arbeitet. Das dieser Prozeß heute oft so maßlos abläuft, hat meines Erachtens noch einen ganz anderen entscheidenden Punkt. Wir glauben, wir brauchen die Erde nicht mehr, Flüge zum Mars sind doch schon in Planung, die ersten Langzeittests laufen schon und Gott verdammt so lange wird doch dieser „Klumpen Erde“ noch durch halten, bis wir bei dieser Mürjaden Auswahl an Sternen und Planeten, was besseres, ein neues Paradies, gefunden haben. Oder glauben da wirklich naive Menschen, das diejenigen die diese Lobby betreiben, das Geld nur ausgeben, weil sie IT kennen lernen wollen? Gibt es einen science fiction Streifen in dem die Menschheit in Eintracht miteinander lebt? Ich möchte, das alles mal nicht zwischen Männern und Frauen hin und hergeschoben wissen, denn es hat sich ja auch schon erwiesen, es gibt auch Frauen, die mit der Macht besser umgehen können als wir. Frauen sind die besseren Männer! Es gibt aber eine überwiegende Anzahl von Gesellschaften, in der die Arbeitsteilung zwischen Frau und Mann funktioniert, weil sie die Grundlage ihrer Lebenserhaltung, ihrer Existenz, darstellt. Sicherlich können wir uns aus dem Fenster lehnen und die fehlende Gleichberechtigung in diesen Gebieten beklagen. Ist unsere Demokratie gerecht oder besser gesagt kann es überhaupt eine vollständig gerecht Gesellschaft geben? Lebt nicht eine Gesellschaft von der ständigen Wiederherstellung, der Balance der Interessen?

Ich glaube, wir haben uns alle in dieser Wohlstandsgesellschaft, also mich inbegriffen, zu weit von unserer Lebensgrundlage entfernt, Pfadfinder vielleicht ausgeschlossen:-) Am Weitesten von allen haben sich wahrscheinlich aber unsere Entscheider von diesen Grundlagen entfernt….

Unsere Großväter erkannten noch jeden Vogel an seinem Gesang oder an seinem Flug, kannten die Spuren, die Tiere hinterlassen, jeden Baum, jeden Pilz, jedes Heilkraut etc. Wenn ich etwas kenne, gehe ich damit anders um. Schade ist, das diese Dinge nicht mehr gefragt sind, obwohl sie teilweise nachhaltiger sind. Wir reden von Wissensgesellschaften, die über alles Bescheid weiß, nur nichts über das worauf sie stehen, der Erde. Damit geht von dem Wissen unserer Vorfahren mit jeder Generation immer mehr verloren. Wissen muß man sich aneignen, zu eigen machen, ishin desihn, von Herz zu Herz sagen die Japaner, nicht auswendig lernen. Es setzt also einen Wissenden und einen Schüler in eine Beziehung. Kann ein Computer oder das Buch den Wissenden ersetzen? Wir sind doch Menschen und keine Papageien. Seit dem es Bücher gibt und sie sind zweifelsfrei eine wichtige Errungenschaft, ist mehr Wissen verloren gegangen, als in allen Büchern zusammen aufgeschrieben steht. Einfaches Beispiel, kannst Du noch ein Feuer machen mit einem einzigen Streichholz oder einfacher schau aus dem Fenster und zähle die Pflanzen auf, die Du benennen kannst. Wie viel Prozent kennst du? Erstes kann ich noch, selbst mitten im Wald, selbst wenn es regnet. Beim Zweiten bin ich vielleicht nicht besser als du.

Wir sind in einigen Dingen „klüger“ geworden als unsere Vorfahren, aber zu welchem Preis? Wir haben die Bindung, zu dem, was uns hervorgebracht hat, verloren, besser gesagt, aufgegeben. Das ist der Nenner, auf dem die heutige Umweltzerstörung zurück zu führen ist, wir haben die Bedeutung der Dinge gegen den zu erzielenden Nutzen eingetauscht und … am Ende werden wir begreifen müssen, das es nicht viel taugt zu wissen, wie ein Atom reagiert, wenn wir dabei unsere eigenen Lebensbedingungen zerstört haben… „am Ende werden wir begreifen müssen, das man Geld nicht essen kann“, wie es die Ureinwohner Amerikas so treffend formuliert haben. Jeder Vorteil den wir uns suggerieren, hat eine zweite Seite, den Nachteil, der meist oft zeitverzögert alle Vorteile wieder zunichte macht, siehe jüngste Ereignisse, die dies in dramatischer Form unter Beweis stellen. Brauchen wir davon noch mehr?

Weil schon so viele Sprüche hier bei einander sind möchte ich noch einen hinzufügen, „Fortschritt ist nur die Wiederholung der Katastrophe auf scheinbar höherer Stufe“ Ich glaube wir müssen nicht neue Revolutionen ausrufen die effektiver, weil „menschlicher“, sind, sondern uns auf unsere Wurzeln besinnen. Das ist schwere Arbeit aber bedeutende Aufgabe, weil das Wissen darüber ja in vielen Fällen schon auf dem Scheiterhaufen der Ungläubigen verbrannte. Ich will keinesfalls die menschlichen Errungenschaften verteufeln, ich finde es gut das wir uns über diese Entfernung z.B. austauschen können. Mir fehlt nur der Lernprozeß mit dieser neuen Situation umzugehen und zu hinterfragen wie viel wir davon brauchen und es nicht an Umsatzzahlen zu fixieren. Ich bin für eine Ethikkommission, die über allen politischen und wirtschaftlichen Mechanismen steht, so wie der Ältestenrat bei den Indianern zum Beispiel. So lange wir mehr wollen, erzeugen wir irgendwo auf unserem Planeten ein weniger!

Und wir wundern uns, weil diese „primitiven Völker“ sich teilweise weigern unseren „Fortschritt“ zu übernehmen?

Nachträgliche Anmerkung: Wie aktuell die Frage ist, wurde gleich heute unter Beweis gestellt. Beim Deutschlandfunk, einem Sender, den ich für sehr informativ halte, kam heute am 13.04. um 16:35 Uhr der Bericht „Die ewige Reise“, der über den link nachzulesen ist

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Über muzungumike

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5 Antworten zu Wo gehen wir hin?

  1. Pingback: Was hat des Ei des Kolumbus mit dem Weltgeschehn zu tun? | Muzungumike's Blog

  2. mzungumike schreibt:

    Hallo Martin,
    sieh Dich um, ich glaube behaupten zu können, das wir von derselben Sache reden und das selbst der „Putzfrau“ in diesem Land klar ist, das es so nicht weitergehen kann. Die braucht nicht einmal einen Taschenrechner dazu oder muß das alles gelesen haben, was wir hier niederschreiben. Es gibt viele verschiedene menschliche Gemeinschaften, die schon an der Stelle entscheiden, wo es hingehört. Das ist keine neue Erfindung, das hat unseren Fortschrittswahn bis jetzt überlebt, weil der Mensch ein kommunikatives Wesen ist. Jeder kann teilweise selbst entscheiden, welcher Gemeinschaft er angehören will oder wird hineingeboren. Schwierig ist das Zusammenwirken dieser Gemeinschaften, weil sie bestimmte Interessen vertreten.
    Die Frage, an der wir alle scheitern und die für mich im Raum steht, ist, was wird mit der Macht, die heute bestimmte Personenkreise, Interessengruppen haben, die hauptsächlich für den heutigen Zustand verantwortlich sind? In den letzten 150 Jahren hat sie jeden Versuch einer progressiven Veränderung mit Stumpf und Stiel ausgerottet und im Nachhinein noch verunglimpft. Ich erspare mir die Einzelheiten. Wird sie freiwillig auf ihren „Anspruch“ verzichten oder wird sie den neuen Philosophen nur so lange an der langen Leine gewähren lassen, bis sie dann sagt, jetzt ist aber Schluß mit neuen Ideen?
    Vieles was ich hier lese, ist sehr interessant, aber es will in den alten Töpfen weiter kochen, d.h. Substitution der Macht, nicht Verteilung.
    Es ist schön, das der alte Herr Biedenkopf das jetzt in seinem Buch zum Markte trägt, was er selbst nicht berücksichtigen wollte, solange er noch in der Situation war, es zu verändern. Hat sich auf Grund eines Erdbebens die Situation plötzlich verändert oder ist dieses System schon mindestens 20 Jahre kopfkrank? Es ist ein gutes Geschäft sich neue Gedanken zu machen und wie Till Ulenspiegel sie über das gaffende Volk zu verteilen! Aber „ein gutes Geschäft machen, heißt den geraden Weg nach unten zu wählen“, (Thoureau), also Teilhabe an der Macht zu bekommen. Sind wir alle schon so krank? Es hat bis jetzt kein Gesetz den Menschen verbessert! Ich behaupte, es gibt, grundgesetzwidrig, keine Verfassung, weil damit große Teile der Macht zur Frage stehen würden.

  3. mzungumike schreibt:

    @ Dr. Martin Bartonitz
    Du muß nur einen Artikel zurückblättern „Umbaupläne Kastanienallee…“ und da liegt der Sumpf, den unsere Politiker anrichten, wie Stuttgart 21. Nur wen soll Berlin Pankow wählen? Da sind ja schon die Grünen an der Macht, die sich auch einen Kehricht drum scheren, was der Bürger will…
    „Die beste Regierung ist die, die nicht regiert!“ D. H. Thoureau
    Es sind zwei Wege notwendig, Ersterer ist der vor Ort, aber ohne die Spekulation auf mehr an den Pranger zu stellen, wird auf Dauer auch jede neue kommunale Initiative wieder in der Sackgasse enden…

    Da habe ich noch was gefunden, ist eben Sch… mit dem Fahrrad: http://www.bueso.de/artikel/kesha-rogers-wahlsieg-oder-warum-wir-mars-besiedeln-sollten

    • Dr. Martin Bartonitz schreibt:

      Ich vermute seit einiger Zeit, dass gerade unser Parteiensystem das falsche Mitte ist, eine Gesellschaft voranzubringen. Unsere Gesellschaft ist inzwischen viel zu komplex geworden, als dass dies noch einzelne Menschen durchdringen können. Daher sehen ja unsere Politiker so hilflos aus indem was sie tun.
      Im Bereich des Business wird daher inzwischen empfohlen, dass man für Innovation auf das Wissen des Teams, also nicht mehr das des einzelnen Experten zu setzen (siehe den Erfolg des Publikumsjoker vor den Expertenjoker).
      Ein noch weitreichenderer Schritt ist die Methode Open Innovation. Hier wird das Team auf die Partner und Kunden erweitert.
      Warum sollte das nicht auch gesellschaftlich funktionieren. Wir formulieren als Bürger gemeinsam, was wir für eine bessere Gesellschaft voranbringen wollen. Dann wählen wir uns bekannte Personen, die diese Anforderungen im Sinne eine Projektes umsetzen sollen. Und zwar so, wie WIR das formuliert haben, und nicht wie das IHR Gewissen (siehe Grundgesetz) meint zu sagen.
      Damit brauchen wir dann keine Parteien mehr. Denn diese Personen könnten solche sein, die die unterschiedlichen Aufgaben am besten aufgrund von Erfahrungen umsetzen können.
      Dann wäre Schluss mit dem dauernden Streiten. Wir sind dann wieder im Dialog, und zwar da, wo es Kurt Biedenkopf in seinem neune Buch „Wir haben die Wahl: Freiheit oder Vater Staat“ formuliert: „Staatliche Aufgaben sind soweit wie möglich durch die jeweils kleinere Einheit wahrzunehmen, Entscheidungen sind dort zu treffen, wo sie unmittelbare Auswirkungen haben. “
      Die Alten merken inzwischen auch, auf welch irren Pfaden sich unsere aktuelle Politikergarde als auch Firmenlenker bewegen. Macht und Geld, aber nicht mehr das Wohl der Gesellschaft.
      Inzwischen sehe ich unseren Wachstums- und Konkurrenzwahn als Krebsgeschwür, das dringend zu heilen ist: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/04/17/wir-mussen-den-krebs-wachstumswahn-und-konkurrenz-wieder-heilen/

  4. Dr. Martin Bartonitz schreibt:

    Die Könige hatten sich früher Philosophen „gehalten“, die sich um das Gute für den Menschen kümmern sollten. Ja, einen dauerhaften Ethikrat könnte ich mir auch gut vorstellen.
    Ich könnte mir aber auch inzwischen vorstellen, dass wir auch ohne Parteien und Politiker auskommen könnten. Unsere gewählten Volksvertreter haben doch selbst wenig Ahnung über das, was zu entscheiden ist. Also brauchen sie Politikerflüsterer, oder wie die heute heißen, die ihnen sagen, was das Beste zur Huldigung unseres Wachstumsmarktes sei. Warum drehen wir es also nicht wirklich so um, dass wir alle gemeinsam die Anforderungen formulieren und Experten pro Projekt einstellen, die dann umsetzen. Zum Schluss nehmen wir das Projekt auf Basis der Anforderungen wieder ab, z.B. durch eine Volksabstimmung. Ist es noch nicht OK, muss das Projektteam nochmals nachbessern.
    So könnten wir wieder zu einer Ausgewogenheit mit unserer Natur zurück kehren.
    Das Geld wieder in den Deinst der Gemeinschaft stellen.
    Zu einem sinnvolleren Leben und Arbeiten kommen. Zu so viel Arbeit, um den Bedarf an Gütern zum täglichen Leben zu decken.
    Wir könnten aufhören, Tiere zu schänden, um deren Fleisch subventioniert in die Dritte Welt zu verkaufen, damit deren Wirtschaft zu Grunde gerichtet wird und daher die Völker zu uns kommen wollen.
    Wir könnten damit aufhören, unsinnige Waren um die Welt zu transportieren, um so Energie zu sparen und auch unnötige Arbeit.
    Wir könnten die anfallenden Aufgaben so verteilen (ich denke eher an „ich nehme“), dass alle Spaß daran haben. Was weniger Spaß macht, wird besser bezahlt.
    Mir scheint, dass so lange Parteien und Politiker meinen, das SIE was (nur was?) für das Volk tun müssten, sich nicht wirklich etwas so ändert, dass das System wieder verantwortlich mit unserer Resourcen umgeht.
    Aber Du hast ja schon häufiger darauf hingewiesen: wir können auch alle im Kleinen schon damit anfangen, gegen den Mainstream zu leben:
    – Strom von jenen zu nehmen, die sich für alternative Erzeugung einsetzen.
    – Das Geld zu Banken zu bringen, die Projekte der sozialen Ökonomie fördern (selbst nicht auf Profit zu setzen)
    – Feste im Kiez/ im Dorf organisieren, damit Menschen sich wieder kennen lernen, auch um über Besserungen in der Kommune zu sprechen
    – Weg vom Auto, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, zumindest kleinere Autos fahren
    – Nicht mehr in den Urlaub fliegen, oder wenn dann CO2-neutral

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