Weltmalariatag – Aussicht auf bessere Zeiten

Anophelesmücke - Moskito / scherono@ke.nationmedia.com

Sicherlich kann man über die vielen scheinbar willkürlich festgelegten Tages des… geteilter Meinung sein und seine Bedeutung kritisch nach der Nützlichkeit hinterfragen. Aber es gibt auch Gruppen, die werden sonst von der Medienwelt nicht repräsentiert und für sie ist dieser Tag oft die einzigste Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen.

Dies ist sicherlich mit der Malariaerkrankung der Fall. Am Ostermontag begehen wir den Weltmalariatag. Wer schon einmal ein Gebiet mit hoher Erkrankungsgefahr bereist hat, kann sich sicherlich noch an die Profilaxe erinnern, wenn nicht gerade die schönen Eindrücke der Reise auch das noch ins Unterbewußtsein verschoben hatten.

Aber wie ist das mit den Menschen, die unter Umweltbedingungen leben müssen, wo die Moskitos zu Hause sind. Da ich selbst ein Betroffener war, liegt mir dieses Thema besonders am Herzen. Vor 20 Jahren fuhren morgens Fuhrwerke in Malindi (Kenia) durch die Straßen und sammelten die Malaria-toten ein, so wurde mir berichtet. Seit dem hat sich vieles verbessert, trotzdem ist Malaria heute in diesen Gebieten immer noch Haupttodesursache unter Kindern und schwangeren Frauen. Weiterhin wird geschätzt das 200- bis 300.000 Kinder weltweit an wirkungslosen Malariapräparaten jährlich sterben. Es ist heute ein gutes Geschäft mit Wehrlosen, das es gilt zu ächten. Gerade die Armen sind es, die oft trotz teilweise kostenlosen Medikamenten, diese Krankheit nicht überleben. Ich war selbst Augenzeuge einer schweren Erkrankung, was mich stark geprägt hat.

Dies liegt unter anderem auch daran, das sich die Krankheitsbilder der fünf Unterarten deutlich von einander unterscheiden und das der Gesamtgesundheitszustand, also das Immunsystem, des Betroffenen entscheidend ist über die Schwere des Krankheitsverlaufes. So hatte ich zum Beispiel meine Malariaerkrankung gar nicht bemerkt, weil ich trotz der harten Belastung durch die Arbeit einen guten Immunschutz hatte und meine kleinen Schweißausbrüche eher dem ungeschützten Sonneneinfluß zu schrieb. Nur dem geübten Auge einer Kenianerin, Elisabeth, habe ich es zu verdanken, das ich rechtzeitig einen Arzt aufgesucht hatte und so mir weites gehend Spätfolgen erspart blieben.

In den letzten Jahren hat sich gerade auf diesem Gebiet viel getan. So wird das Chinin heute durch wirkungsvollere Substanzen teilweise oder vollständig ersetzt, was in Ostafrika dazu führte, das die Zahl der tödlich verlaufenden Erkrankungen um 22,5% zurück gegangen ist. Auch die Verteilung von behandelten Moskitonetzen, die durch die Weltgesundheitsorganisation und anderen Geberorganisationen finanziert wurden, hat die Anzahl der Erkrankungen verringert. In vielen Bereichen werden auf die Brutstätten in stehenden, klaren Gewässern Jagd gemacht und die Larven, vor dem Schlüpfen abgefischt. In seichten Seen hat sich der Einsatz von bestimmten Fischarten als nützlich erwiesen, bei denen diese Larven auf den Speiseplan stehen. Auch alte Rezepte aus Heilkräutern vom den Massai und anderen Stämmen wurden durch das Gesundheitsministerium zusammengetragen und veröffentlicht, um dieser Erkrankung Herr zu werden. So berichtete die Daily Nation vor knapp einem Monat über den Sieg des Staates über die Malaria (Staat Krieg gegen Malaria „fast gewonnen“; DN vom 29.03.11)

Aber nicht alle Ereignisse sind positiv und der gewonnene Kampf kann schon bald von Neuem beginnen. In den letzten Jahren hat der Kenianische Schilling, nicht zu letzt geschuldet durch die Unruhen nach der Wahl im Dezember 2007, starke Wertverluste hinnehmen müssen. War im Sommer 2007 der Kurs noch bei 1:80 gegenüber dem Euro liegt er jetzt schon fast bei 1:120. Diese Preissteigerungen betreffen vor allem auch die Nahrungsmittel. Im den letzten drei Monaten sind auf Grund der Dürre die Lebensmittelpreise um 33 Prozent gestiegen. Dies zu einem Zeitpunkt, wo in den Gebieten die von der Anophelesmücke beherrscht wird, kaum Arbeit ist und sich die Bewohner mehr durch Leben schlagen müssen und oft Hunger und Unterernährung die Folge sind. Auch Versuche von Parlamentariern, Obergrenzen für lebenswichtige Roh- und Nahrungsstoffe einzuführen sind bis jetzt, auch an Festlegungen der WHO,  gescheitert. Es ist mehr als an der Zeit, die Märkte von Spekulationen zu befreien und zu liberalisieren, damit Hunger und somit auch das Risiko von Erkrankungen nicht mehr Gegenstand von Gewinnmaximierung sind.

Schon in meinem Beitrag Fast in eigener Sache – Hilfe für Afrika hatte ich unter anderem auf den Zusammenhang hingewiesen, wie wenig mehr an ausgewogener Ernährung notwendig ist, das Risiko zu senken, am Malaria zu erkranken.

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