Beruf „Palmweinverkäuferin“

Palmweinbar / © by G. Vonwald 2011

Diese Geschichte von Frau Gabriela Vonwald, die Vorsitzende des Vereines Harambee in Österreich, erinnert mich an meinen Abschiedsbesuch im Dorf bei meinen Fundi’s (Facharbeitern), über die ich umgehend auch eine Story zum Besten geben werde. Ich hatte den beschwerlichen Weg, den sie vier Monate, sechs mal die Woche fuhren, ebenfalls mit dem Fahrrad auf mich genommen, ca. 18 km, wie sich am Ende herausstellte. Trotz meiner guten Kondition war ich sichtlich erschöpft und da ich den Weg am Abend auch wieder heimwärts antreten mußte, lehnte ich dieses zum Himmel nach Weinhefe riechende Getränk großzügig ab. Mein Glück, wie sich bei jetziger Kenntnis herausgestellte. Im Nachhinein habe ich auch erfahren, das gerade in den Ballungszentren, oft reiner Methylalkehol zu sich genommen wird, um die schwere des Lebens für einige Stunden zu vergessen, mit folgereichen, irrereparablen Schäden. Hier die Geschichte:

„Wenn ich die Familiengeschichten neuer Kinder herein bekomme, taucht vor allem bei den Müttern immer wieder ein Satz auf: „Sie versucht, durch den Verkauf von Palmwein etwas Geld zu verdienen“.

Palmwein ist ein alkoholisches Getränk, das aus den Blütenständen der Kokospalmen hergestellt wird und vor allem an der Küste DAS Getränk der Armen ist. Will man sich um wenig Geld einen ordentlichen Rausch antrinken, der einen das Elend vergessen lässt, gibt es scheinbar nichts Besseres. Es gibt dieses Gesöff (anders kann man es nicht ausdrücken) natürlich auch industriell erzeugt und in Flaschen abgefüllt, ohne Verunreinigungen und mit einem festgesetzten Alkoholgehalt, auf den man sich verlassen kann. Wenn man aber

unter Armen von Palmwein spricht, dann meint man den, den jede verzweifelte allein erziehende Mutter in ihrer Hütte selbst brennt, oft genug im Beisein ihrer Kinder, wobei die älteren Buben schon auch mal kosten.

Dieses Gebräu ist oft so stark verunreinigt, dass man ohne Übertreibung von Gift sprechen könnte. Daher trinkt man es auch quasi durch ein Sieb, indem man es durch einen kunstvoll geschnitzten Strohhalm saugt, vor den man einen Lappen aus Baumwolle oder ein Stück Watte hält. Nicht umsonst heißt das im Volksmund „changa“, was soviel bedeutet wie „töte mich“. Oft genug muss man dann auch nicht lange darum bitten. Starker Palmwein heißt auch oft „tembo“ – Elefant. Der Strohhalm wird übrigens genauso wie der Becher einfach kurz ausgeschwemmt und dann dem nächsten Gast angeboten. Getrunken wird unter einer Palme, mitten auf der Straße, vor den Hütten. Manchmal entsteht aber auch richtiger Unternehmergeist, und man bastelt aus Brettern Sitzplätze und hat dann seine eigene kleine Bar, so wie hier auf dem Bild zu sehen.

Was viele nicht wissen ist, dass Kenia daneben eine hervorragende Biererzeugung hat. Das berühmte Tusker-Bier, ein Muss für jeden Touristen, hat bereits international viele Preise gewonnen. Gebraut wird es in der Brauerei, die 1922 von den Brüdern Hurst gegründet wurde. Einer dieser Brüder wurde schon ein Jahr später von einem Elefanten niedergetrampelt, weshalb bis heute das Bild eines Elefanten das Etikett ziert. Für die Einheimischen ist dieses Bier allerdings zu teuer. Viele brauen sich ihres selbst aus Hirse und Bananen, das so genannte „pombe“. Dieser Begriff wird aber heute auch einfach für ein gezapftes Bier verwendet, im Gegensatz zu Flaschenbieren.

Man sieht, Kenia bietet mehr als nur Kaffee und Tee.“ (Gabriela Vonwald)

© 2011 Gabriela Vonwald; www.harambee.at

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Über muzungumike

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2 Antworten zu Beruf „Palmweinverkäuferin“

  1. muzungumike schreibt:

    So ähnlich wird er wohl in Kenia auch hergestellt. Ich bin so was von zufrieden, das der Kelch an mir vorbei gegangen ist. Ursprünglich sollte ich ja auch zu Edward zum Dorffest, aber da mußte ich „Wache schieben“ weil es zu dem Zeitpunkt nicht ganz friedlich war. spätestens dort wäre ich bestimmt „dran“ gewesen. Afrikaner sind in solchen Sachen so was von schadenfroh und hätten mich bestimmt gern betrunken gemacht 😉

  2. Vallartina schreibt:

    Dein Changa erinnert mich an ‚calou‘ auf den Seychellen! Calou (créol, = schmutziges Wasser). Er wird gewonnen indem man auf eine Kokospalme hochklettert, die jungen Triebe anschneidet und den dann austretenden Blattsaft in (traditionell) Bambusröhren aber auch Plastikeimern auffängt. Ist die Röhre voll, kommt brauner Zucker dazu und das Gemisch wird für ein paar Tage in die pralle Sonne gestellt. Wenn das Gebräu genug fermentiert ist und somit Alkohol angesetzt hat: Prost! (verirrte Ameisen, Käfer etc. werden meist in einem Tee-Sieb ausgefiltert. Grauenhaftes Zeugs!
    LG

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