Fundi’s – Facharbeiter in Kenia – kleine Episoden

Arbeit überwiegend mit Muskelkraft

Sicherlich könnte ich den Bereich der Berufsausbildung, den es betrifft, weit aus größer gestalten, da unsere Vorstellungen über das Erlernen eines Berufes, nur in einem kleinen Teil der Welt Realität sind. Ich möchte hier, ausgehend von meinen Erlebnissen, nur über den Teil berichten, den ich selbst erlebt habe.

Ein anerkannter fundi, also Facharbeiter, zu sein ist sicherlich überall auf der Welt nicht einfach, gibt es doch dort eine große Auswahl an Fachkräften in vielen Handwerksberufen und es bedarf mehr als nur einer soliden Ausbildung, um den täglichen Anforderungen gut gewachsen zu sein. Hier in Malindi erfuhr ich also im Kurzdurchlauf die Entwicklung im Handwerk, die wir in den letzten Jahrhunderten bewerkstelligt haben und möchte dabei auf zwei Geschichten eingehen.

Wenn du in Kenia jemand fragst, ob er dir eine Arbeit ausführen kann, wirst du nur selten zu hören bekommen, das er es nicht kann. Da kann es schon einmal passieren, das eine auf beschwerlichen Weg aus Europa eingeführte Waschmaschine, die nur ein wenig tropfte, nach der Reparatur unbrauchbar, also Schrott, ist. Ein großer Teil der Bevölkerung, die in den Großstädten angeschwemmt wurden, also dorthin gelangt sind, um irgendwie ihren Lebensunterhalt und nach Möglichkeit auch noch was für den Rest der Familie zu verdienen, sind ungelernten Tagelöhner. Daraus ergeben sich auch andere negative Entwicklungen wie Kriminalität und  Prostitution. Aber um die soll es mir heute nicht gehen.

Die erste Geschichte ereignete sich gleich nach meiner Ankunft in Kenia, ich lernte im „Stars and Garters“, einer Bar mit wunderbarer Livemusik, Fatima kennen. Im Gespräch erfuhr ich, das sie beim „haircutter“ arbeitete. Ich war gerade im Januar, mit meinem „Winterfell“, aus Deutschland angekommen und die Sonne machte mir zu schaffen. Wir vereinbarten einen Termin, an dem sie zu mir kommt und mir die Haare gegen ein Entgeld schert. Meine erste positive Überraschung,  sie erschien pünktlich, sollte sich aber erst einmal nicht fortsetzen. Ich setzte mich an den Pool, der Spiegel hing leider so hoch, das ich den Fortgang nicht begutachten konnte. Sie begann mir die Haare zu schneiden. Sie schnitt fleißig drauf los und ich war im ersten Augenblick über die Geschwindigkeit ein wenig beeindruckt. Ich hatte nur einen Wunsch, sie sollten richtig kurz werden, sonst wäre ich wahrscheinlich gleich in einen Salon gegangen. Dies erfüllte mir Fatima auch promt, nur die Gleichmäßigkeit der Haarlänge ließ sehr zu wünschen übrig, um nicht zu sagen, es gab auch Stellen an denen keine mehr zu sehen waren. Fatima lehnte jede Bezahlung ab, was selbst bei solchen Ergebnissen in Afrika nicht unbedingt zur Regel gehören muß. Als ich ihr noch ein Glas Wasser hole, unterhielt sie sich mit der Hausherrin und das Mißverständnis löschte sich ein wenig auf. Ja, sie arbeitete beim Frisör, nur das sie keine Haare schnitt, sondern welche anflocht, was mir bis dahin auch unbekannt war. Da ich auf Grund der Sonneneinstrahlung so wie so ohne Mütze es nicht in der Sonne aushalten konnte, nahm ich es ehrenhaft und mit Würde und lud sie noch für einen Abend ein. Aus dieser Begebenheit sollte sich über die Zeit, die ich dort verweilte, eine Freundschaft entwickelt, die bis heute anhält, aber mir in diesem Augenblick auch klar machte, das selbst die Auswahl der geeigneten Handwerker vor Ort unser Vorhaben zu Fall bringen konnte.

Ich kann es vorn weg nehmen, wir hatten im Großen und Ganzen mit den Handwerkern für unser Bauvorhaben mehr als großes Glück, auch wenn nicht alles immer nach meinem Plan verlief. Aber auch diese kleine Story gibt einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben in Kenia. Nachdem das Projekt in seiner aktuellen Form zu Papier gebracht war, schon das wäre eine weitere Begebenheit, die erzählungswürdig ist und alle Berechnungen angestellt waren, ging es an die Auswahl der Mannschaft, die mit mir den Umbau realisieren sollte. Der Bauherr, der schon einige Jahre das Anwesen besaß und gewisse Erfahrungen in Malindi gemacht hatte, schlug zwei Vorarbeiter aus verschiedenen Dörfern vor, damit wir in Konfliktsituationen die Möglichkeit hätten, auf einen von beiden zu verzichten. Glücklicher Weise fand kein Konflikt statt. Als ich mich am Ende der Arbeiten von einen der fundy’s verabschieden wollte und dazu auf’s Land fuhr, mußte ich feststellen, das sie alle eine Familie waren.

Anders als bei uns, ist gerade das Baugewerbe sehr stark saisonal ausgeprägt, wenn in der Landwritschaft Arbeiten anstehen, sind die freien Handwerker oft mehr auf dem Feld zu finden als auf einer Baustelle. Die Ausnahme stellen sicherlich die wenigen großen Baufirmen dar, die meist auch in ausländischen Besitz sind und bei denen die Bauarbeiter oft unter unwürdigsten Bedingungen und teilweise rund um die Uhr schuften, wie ich mich selbst davon in Malindi überzeugen konnte.

Die fundy’s wurden bei unser ersten Beratung beauftragt, wie es dort üblich ist, geeignetes Hilfspersonal mitzubringen. Gesagt, so getan und so erschienen am Tag des Baubeginnes meine kleine Baubrigade. Bei meiner kurzen Einführung in unser Vorhaben sah ich in etwas ungläubige Gesichter, waren sie doch an ein Zeitregime nicht gewöhnt. Trotzdem war ich mit meinen Mitarbeitern über den gesamten Zeitraum sehr zufrieden und wir hatten trotz aller Anstrengungen viel miteinander zu lachen. Vieles was ich machte wurde hinterfragt und ich sah wie sie mit den Augen bei der Sache waren. Vieles was ihnen am Anfang nicht einleuchtete, sich aber im Tun als vorteilhaft herausstellte, wurde übernommen oder verschwand nach den es hier seinen dienst erledigt hatte auf sonderbare Weise vom Bauplatz. Einer der Hilfskräfte war besonders eifrig bei der Sache und wich mir, wo es möglich war, nicht von der Seite.

Der Weg zum fundi ist ein beschwerlicher Weg, kann sich doch jemand erst fundi nennen, wenn er sein eigenes Werkzeug besitzt. Zugegeben, Dank chinesischer Exporte, sind die Werkzeuge nicht gerade teuer, aber trotzdem für einen Berufseinsteiger lange ein Traum, da sein Verdienst meist nur ausreicht, um sich und die Familie über Wasser zu halten. Es vergehen nicht selten mehr als fünf Jahre, bis der Grundstein zum eigenen Werkzeug soweit gelegt ist, das jemand in der Hierarchie den Schritt zum Facharbeiter machen kann. Da in vielen Fällen, wie dieses Beispiel belegt, viele gerade in den eigenen Familiengruppen organisiert sind, kann auch der Umstand eintreten, das man erst zum fundy aufsteigt, wenn dieser nicht mehr zur Verfügung steht.

Nach einer Weile wechselte einer der fundi’s einen Handlanger aus und Mr. Marathon war nur für wenige Dinge wirklich geeignet. Ich hatte ihm den Namen gegeben, weil ich mir seinen Namen einfach nicht merken konnte und er von der Statur einem kenianischen Marathonläufer auf’s Haar glich. Als ich den Vorarbeiter darauf ansprach, antwortete er mir nur, „das er ihn nicht auswechseln kann, weil er seine Familie mit ernähren muß. Als ich dann zur Verabschiedung im Dorf war, erfuhr ich das Mr. Marathon, seinen Schulabschluß nicht geschafft hatte und so neben der Arbeit noch jeden Sonntag  auf der Schulbank saß, um seinen Abschluß nachzuholen. so hatte auch dieser Teil der Geschichte seinen tieferen Sinn und hat hoffentlich dazu geführt, daß er seine Schule beenden konnte.

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Beitrag und alle Foto’s © by M. Schmidt

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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3 Antworten zu Fundi’s – Facharbeiter in Kenia – kleine Episoden

  1. Pingback: Hunger hat viele Gesichter | Muzungumike's Blog

  2. muzungumike schreibt:

    Eigentlich wollte ich über den Hunger schreiben, weil er mich selbst betrifft und mich in finanzielle Schwierigkeiten bringt, aber dann sah ich die Bilder von den staunenden, stolzen Menschen in Tansania und bin der Meinung, wir sollten uns auf die positiven Dinge im Leben stützen und habe erst einmal das geschrieben. Das andere ist nicht außen vor, weil kaum eine Woche vergeht, wo ich nicht mit den Dingen konfrontiert werde, ohne das es hier wahr genommen wird. Das belastet mich sehr. Maybe Africa is our homeland, why do we few therefor! Vielen Dank für Deine Zeilen, Du sprichst mir aus dem Herzen. Wenn Du Lust hast sieh mal hier: http://www.jambo-ev.de/besuch-baraka-2011.html, mein nächstes kleines Projekt in Africa, ich hatte heute Tränen in den Augen, als ich die Bilder sah, was ein wenig Mut bewirkt. Viele Grüße Mike

  3. Elvira, die Quiltoma schreibt:

    Ich habe gerade heute über meine unsägliche Wut geschrieben, diese Wut über das Desinteresse der Geschehnisse am Horn von Afrika. Diese Wut ging im Laufe des Tages in große Traurigkeit über. Und jetzt schaue ich bei Dir rein und lese von den „kleinen“ Dingen, die Menschen tun können.
    Danke für dieses Posting!

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