Das Mittelalter und die Renaissance 2.0

Da wieder die Hochzeit der Mittelaltermärkte ist und es bei meinem Sender, „MDR Figaro“ dazu eine Diskussion gibt, wollte ich ursprünglich nur ein Kommentar zur heutigen Sendung schreiben. Da es aber weit über das eigentliche Thema hinaus geht, stelle ich es also so zur Diskussion.

Ich glaube, wir Menschen sind immer auf der Suche nach einem besseren Leben. Aber Suche heißt auch Standortbestimmung und die fällt momentan nicht besonders gut aus, wenn wir unseren gesellschaftlichen Zustand mal näher betrachten. Da muß ich nicht in die Ferne schweifen. Sicherlich war Mittelalter beides Quelle der Renaissance und auch sein Gegenpart die Inquisition. Jede Medaille hat zwei Seiten! Haben wir das heute etwa nicht? Was hat die Menschheit in den letzten 50 Jahren alles entwickelt? Und doch stehen wir an einer Stelle, wo nicht nur das Leben Einzelner sondern das Überleben unserer Kinder grundsätzlich in Frage steht. Stehen wir nicht an einer ähnlichen Schwelle, die meines Erachtens viel bedrohlicher für die Existenz der gesamten Menschheit ist. Heute leben die Hungernden nicht mehr in Europa! Dafür aber auf 80 Prozent des restlichen Erdballes.
Ich begrüße ein Rückbesinnung und sicherlich ist es schwer zu sagen, was könnte real gewesen sein, wir waren ja alle nicht dabei. Bei mir steht Meister Eckart neben Laotze und Hildegard von Bingen hat mich den Naturheilkräutern näher gebracht. Ich mag die gregorianischen Gesänge, die ich nicht verstehe, aber in mir ein Gefühl wachrufen, das es mehr gibt als das, was wir mit unsern langsam verkümmernden Sinnen wahrnehmen (wollen).

Wir stehen am Beginn der Renaissance 2.0. Wer denkt, das dies an ihm spurlos vorbei geht, der täuscht sich gewaltig. Es wird nie der Zeitpunkt eintreten, an dem 9 Milliarden Menschen so leben können, wie wir es jetzt hier vollziehen. Also warum nicht auf einfachere Strukturen zurückgreifen, wieder Dinge herstellen, die man ein Leben lang und länger benutzen kann.
Und diese Zukunft hat schon begonnen, auch bei den Badern und alle weiteren Schausteller auf den Mittelalterspektakeln. Es ist sicherlich ein gutes Geschäft geworden, eine Illusion zu verkaufen, wie schon zu Zeiten des Medicus. Aber unter all denen gibt es auch viele, die diese Einfachheit wieder leben, die sich ihre Marmelade wieder selbst herstellen, Pilze und Heilkräuter sammeln. Es gibt Menschengruppen, die selbst hier in Europa wieder vollkommen zurückgezogen und in Eintracht mit der Natur leben („Leben in den Wäldern“). „Am Anfang wird jeder Visionär als Spinner belächelt, bis sich seine Ideen durch gesetzt haben.“ Fahrt in den Süden Europas und ihr werdet feststellen, unsere „Light-Kultur“ ist selbst dort Gott sei Dank noch nicht angekommen. „Herr General die ganze Armee ist außer Tritt“ – nein wir sind es, besser gesagt, wir lassen es uns immer noch einreden, von einer Industrie, die gerade dabei ist aus Nahrungsmitteln Treibstoff herzustellen, weil sie es in ihrer Raffsucht fertig bekommen hat, in genau diesen 50 Jahren mehr Rohstoffe zu vergeuden, als alle Generationen von uns zusammen. Die Quelle unseres Wohlstandes, die industrielle Revolution, zeigt seinen Januskopf immer deutlicher. Es hat wenige Mensche auf dieser Welt zu unvorstellbaren Reichtum „verholfen“. Aber wir fangen an, den Preis dafür zu bezahlen. Vor ein paar Jahren wurden Kriege wegen dem „schwarzen Gold“ geführt, heute sind es die seltenen Erden und morgen wird es das Wasser sein, das uns hervor gebracht hat.

Handwerkzeuge brauchen keine Software, denn sie ist in uns vorhanden. Durch ihre Handhabung stellt auch wieder ein Verständnis dafür ein. So wird der Bogen sich wieder schließen.

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Über muzungumike

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Eine Antwort zu Das Mittelalter und die Renaissance 2.0

  1. muzungumike schreibt:

    Da es viele Auffassungen gibt, wann das Mittelalter war habe ich hier die Möglichkeit ein wenig Licht ins Dunkle zubringen, die mir durch Herrn Vincent Schmalbach eingeräumt wurde. Hier der link; http://www.readup.de/on/mittelalter, viel Spaß bei der Lektüre Mike

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