Verkehrsmittel in Kenia Überblick und Teil 1: Boda-Boda – das Transportfahrrad

Alle auf einen Blick - Matatu, Tuk-Tuk & Boda-Boda / copyright by M. Schmidt

Da wir gerade dabei sind ein wenig den Alltag, soweit wie wir ihn als Außenstehende mit bekommen, zu schildern, darf einfach dieses Thema nicht fehlen, die Transportmittel Afrikas. Es soll in den folgenden kurzen Geschichten um das Boda-Boda, das Tuk-Tuk und das Matatu gehen, das sie gewissermaßen die öffentlichen Nahverkehrsmittel darstellen.

Es ist für viele hier schwer vorstellbar, wie jemand in Afrika und für mich speziell in Kenia von einem Ort zum anderen kommt. als ich das erste Mal in Kenia war, war ich völlig überrascht über den dichten verkehr auf den Straßen und sechs Jahre danach wünschte ich mir in Malindi manchmal eine Ampel, um sicherer über die Straße zu kommen.

Da mehrere Geschichten anstehen, die sich um die eine oder andere Fortbewegungsart drehen werden, will ich hier mal kurz so etwas wie einen Überblick geben und paar selbst erlebte Anekdoten einfließen lassen.

Ich hatte es ja schon bei der Geschichte über meine Fundi’s angedeutet, Wohn- und Arbeitsort liegen oft auch mehrere Kilometer auseinander. Auch so sind Afrikaner sehr mobil, wenn ich das mal so sagen darf und sie finden es als ein großes Ereignis irgendwo hin zu fahren.

Neben den schon erwähnten Transportmitteln gibt es auch noch das Taxi, den Überlandlinienbus und zwischen Mombasa und dem Lake Vicoria die einzige Eisenbahn. Meine einzigen Erlebnisse in einem Überlandbus waren die Fahrten vom Malindi nach Lamu und von Lamu zurück nach Mombasa. Letztere ist mir tief im Gedächtnis haften geblieben, da ich mir bei der achtstündigen Rückfahrt auf einer durchgedrückten Feder im Sitz einen Bluterguß am Gesäß gesessen hatte. Der war Bus so voll, das ich mich, bis auf die kurzen Busstopps, nicht einmal rühren konnte. Folter kann nicht schlimmer sein, da die Straße nur aus Schlaglöchern zu bestehen schien. Wenn ich die Zeit gehabt hätte und die Sicherheit an der somalischen Grenze es zu gelassen hätten, wäre ich gelaufen. Weiter will ich diese Beförderungsart aber nicht beleuchten, denn sie kommen eben nur für außergewöhnliche Fahrten in Betracht. Residents, also Ortsansässige, müssen drauf hin sehr lange Geld zurücklegen, um solche Entfernungen zurück überwinden. Viele die in Großstädten wohnen, haben aber weit ab ihre Familien, die sie oft nur einmal in Jahr sehen. Fatima’s Familie (Name geändert) wohnt in der Nähe des Mont Kenia. Ihr Kind wuchs bei Ihrer Mutter auf, weil sie neu in Malindi war und sich mit dem Kind nicht hätte durchbringen können. Schon allein, mit Unterstützung ihrer großen Schwester Ndinda, war es schwer genug.

Die eigenen Füße , also pre pedes, sind das wohl am meisten benutzte Fortbewegungsmittel. Mir als mzungu, waren sie oft verwehrt, weil es gerade in den Vorstädten für Ausländer nicht immer sicher ist. Obwohl ich gern viele Strecken zu Fuß zurückgelegt hätte, fügte ich mich, was meiner Gesundheit doch zuträglich war und mir bei meinen Ausflügen am Wochenende nie etwas Ernstliches geschah.

Viele können es sich nicht einmal leisten, ein Fahrrad also ein Boda-Boda zu benutzen, ganz zu schweigen selbst eins zu besitzen. Mit dem Fahrrad, das ich für die Strecke bis ins Dorf zu „meiner Brigade“ benutzte, würde ich hier nicht einmal bis zum Bäcker fahren. Es rollte gut, gar keine Frage, nur Anhalten war ein Problem, denn Bremsen gab es keine. Wenn es alles gerade aus auf ebener Fläche gewesen wär, wäre das alles kein Problem  gewesen. Nur die Korallenbänke die sich in rund 80 Millionen Jahren abgelagert hatten, ziehen sich fast zwanzig Kilometer weit ins Land hinein und da gab es manche schnelle Abfahrt zu überstehen. Da wir auf der letzten Strecke auch jegliche befestigte Straße hinter uns gelassen hatten, sorgten die trocken Bachläufe der regenzeitlichen Sturzbäche für einen zusätzlichen Nervenkitzel. Gut das ich ein geübter Fahrradfahrer bin, so kam ich ohne Stürze hin und wieder zurück. Trotzdem stand mir in manchem Augenblick der mehr Schweiß vor Angst als vor Anstrenung auf der Stirn. Auf dem Rückweg geschah mir ein Mißgeschick. Ich fuhr mir wenige Kilometer vor dem Ziel einen Dornen in den Reifen ein. Ich war froh, gefahren zu sein, denn er war so hart, der hätte auch meine Sandale durchstochen. Damit hatte ich aber von meiner Brigade ein Fahrrad fahruntüchtig gemacht. Am Montag frug mich dann Mr. Marathon, wer die Geschichte über die Fundi’s gelesen hat, wird sich vielleicht an ihn erinnern, ob ich ihm Geld für die Reparatur geben könne. Es war für mich selbstverständlich, ich hatte ja den Schaden verursacht. Am darauffolgenden Sonnabend, dem gewöhnlichen Lohntag, denn es werden in Kenia sechs Tage in der Woche gearbeitet, wurde jede Woche der Lohn ausgezahlt.  Da wollte er mir das Geld zurückgeben, weil es ja sein Fahrrad war. Es bedarf einiger Mühe meinerseits, ihm meinen Standpunkt klar zu machen. Am Ende war er glaube doch sehr dankbar, das Geld für wichtigere Dinge noch zu haben. Soviel erst einmal zur allgemeinen Einstimmung auf die Verkehrssituation vor Ort.

Boda-Boda in TansaniaSuaheli ist eine Sprache, die sich aus vielen sprachlichen Einflüssen zusammensetzt. Ein Großteil der Sprache stammt aus den arabischen Raum, weil die Omanen hier ja in der Küstenregion schon fast 1000 Jahre seßhaft sind und diese Kultur begründet haben. Aber es ist im Gegensatz zum Esperanto eine sehr lebendige Sprache und so verwundert es nicht, das auch deutsche und italienische Wörter Eingang in diese Sprache gefunden haben. Das Wort Boda-Boda kommt aus dem englischen und ist ein relativ neues Wort. Es leitet sich aus dem Wort „border“ – Grenze ab und wie viele Wörter hat auch dieses seine Entstehungsgeschichte. Es begann in den sechziger – siebziger Jahren an der Grenze zwischen Kenia und Uganda. die Grenzkontrollpunkte, wie oft in Afrika, liegen weit auseinander. So begannen Fahrradfahrer die Grenzpassanten von Busia (Uganda) in das eine halbe Meile entfernte Malaba auf der kenianischen Seite als „shout out boda-boda“, von Grenze zu Grenze, zu transprotieren (Quelle wikipedia), wo der zweit Kontrollpunkt sich befindet. So war ein neues Verkehrsmittel geboren, das heute von den Straßen nicht mehr weg zu denken ist. Im Gegensatz zu der chinesischen oder indischen Variante, der Rikscha, ist es viel wendiger und wenn die Wegverhältnisse mal schwierig sind und das sind sie in jeder Regenzeit, steigt  der Passagier mal kurz ab und wenn das Hindernis überwunden ist, wird die Fahrt fortgesetzt. Neuerdings, denn die Motorisierung setzt sich auch in Afrika weiter durch, erlebt man kleine Mopeds als Boda-Boda. Neben Personen werden auch alle erdenklichen Güter damit transportiert. In den Großstädten sind sie meist in Verbänden organisiert, welche auch die Verkehrstüchtigkeit der Vehikel überwachen.

Wenn ich aus Saba Saba, einem Vorort von Malindi, in  dem Fatima und Ndinda wohnten, abends nach Hause in meine Unterkunft fuhr, hatte ich einen Stamm-Boda-Boda-Fahrer, der mich meist abholte. Er freute sich jedes mal auf diese Fahrt am Wochenende, weil er gerade deutsch lernte und so eine Gelegenheit hatte, neu Gelerntes zu üben oder einfach mit mir zu sprechen. Es waren gerade am Ende, als ich allein die letzten Arbeiten mit meinen Helfern beendete oft die einzigen deutschen Worte, die ich die ganze Woche sprach. Bei einem knatternden Motor, hätten wir uns nicht verständigen können. Oft lud ich ihn noch auf eine Cola in die „Falcony Bar“ ein. Sie lag gleich um die Ecke lag, wenige hundert Meter von meinem zeitweiligen Domizil entfernt. Es war eine urige Einrichtung, eine Bar, wenn man sie so bezeichnen darf , mit einem afrikanischen Tierpark, in den sich trotz aller Werbung nur selten ein Tourist hin verirrte.

© by M. Schmidt

Advertisements

Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Afrikanische Alltagsgeschichten, Buchprojekt abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Verkehrsmittel in Kenia Überblick und Teil 1: Boda-Boda – das Transportfahrrad

  1. Mel schreibt:

    Ach ja, es ist schon spannend in Afrika vorwärts zu kommen. Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal so ein Motor-Boda in Uganda genutzt, im Stadtverkehr sind die unschlagbar, gerade in der Rush-hour. So ein Konzept sollte man hier mal für die ständig verstopften Großstädte aufmachen 😉

Kommentare sind geschlossen.