Schule in Kenia Teil 3

Wer in Österreich nur so mit Ach und Weh seinen Hauptschulabschluss geschafft hat, hat in der heutigen Wirtschaft kaum eine Chance auf einen guten Job oder eine Lehrstelle. Ehrlich gesagt ist das in Kenia auch nicht viel anders. Wer sich tatsächlich aus der Armut befreien will, der muss eine weiter führende Schule besuchen, so zu sagen eine High-School oder eben die Secondary School. Diese dauert 4 Jahre, und kostet IMMER und zwar nicht wenig. Ein Kind, das also aus vielleicht armen Verhältnissen tatsächlich 3 Jahre Nursery und 8 Jahre Primary geschafft hat, was für jede arme Familie ohnehin schon eine Kraftanstrengung war, hat jetzt gleich zwei Hürden zu überwinden – Schulgeld und ein Abschlusszeugnis, das überdurchschnittlich sein muss, denn welche Schule man besuchen darf, hängt eben von diesen Abschlussnoten ab. Je besser die Schule und ihr Ruf, je mehr Schulabgänger dieser Schule nachweislich ein Stipendium für ein Studium bekommen haben und studieren, desto größer die Anforderungen und umso eher kann solch eine Schule auswählen unter den Besten. Es gibt in Kenia zwei solcher Elite Schulen, und ich sage oft scherzhaft, wenn unsere Kids einmal mit der 8. fertig sind, dann soll es sich herum gesprochen haben, “ Ihr kommt von der Vonwald Schule? Dann könnt ihr euch die Schule aussuchen, da wissen wir, ihr seid top.“ Mein heimlicher Traum.

Natürlich gibt es auch Schulen, die auch Schüler aufnehmen, die gerade mal so durchgekommen sind, einfach deshalb, weil sie zahlen. Aber hier könnte man sich das gleich sparen, man hat danach nicht wirklich gute Chancen auf einen Job, nur viel Geld ausgegeben.

Gute Schulen sind in jedem Fall Boarding Schulen, also Internate, was gerade in Kenia auch sinnvoll ist. Die jungen Menschen haben im Schutz der Schule Zeit und Gelegenheit, sich wirklich um ihr Lernen zu kümmern, sind nicht abgelenkt durch Familie, durch Armut, durch die Verlockungen aus dem Tourismus, die die weißen Besucher ins Land bringen, und gerade für Mädchen ist dies wichtig, werden sie doch sonst oft verheiratet, geschwängert, auf jeden Fall aber als billige Arbeitskraft in der Familie benutzt.

Solch ein Einzug in eine Secondary ist sehr spannend, wir haben ja schon einige der größeren Kinder dort, verteilt auf ganz unterschiedliche Schulen. Zuerst wartet man auf sein Zeugnis, das man dann in der Schule der Wahl einreicht bzw. sich erkundigt, welche Punkteanzahl die Schule für diesen Jahrgang als Limit fest gesetzt hat. Und man benötigt einen Bürgen, der bei unseren Kindern bisher immer Mr. Karani war. Wird man angenommen, geht es ans große Einkaufen. Zwei Paar Schuluniformen , zwei Paar Schuhe, Matratze, Moskitonetz, Essgeschirr, eine versperrbare Box für die persönlichen Dinge, Hygieneartikel, die ersten, jetzt meistens sehr teuren,  Bücher. Dann die Anmeldegebühr, das Essens- und Betreuungsgeld und das Schulgeld für das erste Trimester, alles ist im Vorhinein zu bezahlen. Manche Familien sparen auf diesen Tag viele Jahre.

Ja, und dann lernt man weitere 4 Jahre und schließt am Ende mit einer Art Abitur/Matura ab.

Auch Kenia hat Universitäten und zahlreiche Fachhochschulen, die einem dann offen stehen, allerdings  alle miteinander niemals gratis. Kein Lernen ist in Kenia gratis (außer die Vonwald Schule).  Wenn ich in Kenia erzähle, dass bei uns Lernen nichts kostet, dass es nicht einmal eine Studiengebühr gibt, glaubt das kein Mensch. In einem reichen Land? An den Universitäten hat man aber die Chance auf ein Stipendium, das, falls es sich um ein Studienfach handelt, das auch tatsächlich gebraucht wird, auch gern vergeben wird. Kenia hat Aufholbedarf an Akademikern, denn die wurden vor Jahren alle von Südafrika weggeschnappt, und das spürt der Staat noch heute schmerzhaft.

Und natürlich gibt es auch Lehrstellen, bei unserem Tischler zum Beispiel.

Manches von dem, was ich hier geschildert habe, mag für unsere Verhältnisse furchtbar klingen. Dennoch muss man sagen, dass Kenia wirklich viel in sein Schulsystem investiert, verglichen mit den meisten anderen afrikanischen Staaten. Selbst ich kann nach nur 5 Jahren eine deutliche Entwicklung spüren. Es gibt erstklassige Schulpläne, eine ganz tolle Lehrerfortbildung (die übrigens ausschließlich in den Ferien zu erfolgen hat), immer wieder Schulkontrollen (davon können auch wir inzwischen ein Lied singen, obwohl ich da den Verdacht habe, die Herren Inspektoren wollen sich nur mal anschauen, wie so der „European style“ ist).

Und morgen: Was ist eigentlich in unserer Schule anders und wie hat es begonnen?

von Harambee,  ihre Gabriela Vonwald

© by Harambee (G. Vonwald)

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