Harambee – wir bauen eine Schule in Kenia

Heute, zum 5. Jahrestag von Harambee, die Hauptgeschichte. Im ersten Teil hatte ich begonnen zu schildern, wie es zu dem Entschluß kam, eine Schule in Kilifi (Kenia) zu errichten. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht, bis sich alles zusammengefunden hatte.  Es gibt auch andere Meldungen aus Kenia, wo zum Beispiel im Frühjahr diesen Jahres ein Gymnasium, das mit Spenden aus Deutschland, die maßgeblich Herr Eckart Enkemann gesammelt hatte, in Nairobi aufgebaut wurde, nicht angenommen und zerstört wurde. Sicherlich ist es wichtig, auch wenn es immer ein Wagnis bleibt, in einem anderen Kulturkreis, den ja Afrika ohne jeden Zweifel darstellt, in dieser Form Hilfe zu leisten. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, das der Schlüssel zum Erfolg in der Einbeziehung der Menschen vor Ort liegt. An der Stelle werde ich mich leise zurück ziehen und lieber die Akteurin selbst zu Wort kommen lassen.

„Im Frühjahr 2007 ergab sich über einen Kontakt in unserem Hotel die Möglichkeit, ein Grundstück in Mombasa-Shanzu zu kaufen und eine in den Anfängen steckende Armenschule aus Holzbaracken zu übersiedeln. Die Not war hier groß, der derzeitige Vermieter dieser ehemaligen Hühnerställe verlangte Wucherpreise, zum Schluss sogar für das Trinkwasser.

Unsere Euphorie war groß und wir starteten voller Tatendrang. Die bisherige Schule (drei Räume) war schnell übersiedelt, zwei zusätzliche Holzklassen dazu gebaut und innerhalb von nur 5 Tagen eine Toilettenanlage für alle 90 Kinder errichtet. Hier gebührt unser besonderer Dank wieder der Firma Elk-Haus, die uns dies durch eine großzügige Zuwendung ermöglicht hat.

Am 3. September, rechtzeitig zu Schulbeginn, wurden wir von 90 glücklichen Kindern begrüßt, die auch gern zwei mitgebrachte Fußbälle, viele Kugelschreiber und Bücher in Empfang nahmen.

Gern hätten wir auch weiterhin unsere Kraft in dieses Projekt gesteckt, aber für uns war auch klar, daß ausschließlich Eigentum in Frage kommen würde mit einer Eintragung ins Grundbuch ohne wenn und aber. Beim Rechtsanwalt stellte sich dann leider heraus, dass die Eigentumsverhältnisse aus dem Vorbesitz sehr unklar waren, so dass wir schweren Herzens wieder Abstand nahmen, uns hier zu engagieren. Trotzdem, der Start war gemacht, 90 Kinder haben eine Perspektive und wir hoffen sehr, dass wir damit einen kleinen Stein ins Rollen gebracht hatten.

Je länger wir wieder im Lande waren, umso klarer wurde uns aber auch, dass wir in Zukunft wirklich alle unsere Hilfe auf den District Kilifi beschränken würden. Wir lieben die Gegend sehr und alle unsere Familien wohnen und leben hier. Und wie heißt es doch so schön? Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere dafür.

Noch in die leichte Enttäuschung über den Abbruch in Shanzu ergab es sich, dass wir – eigentlich direkt vor unserer Nase – einen ganz erstaunlichen Menschen kennen lernten, Mr. Samson Karisa Mwambegu, ein ehemaliger Schüler von Mr. Karani. Selbst Halbwaise und aus schwierigsten Verhältnissen hat er sich mit Karanis Hilfe bis zum Lehrer mit Teachers College und Diplomen hochgearbeitet. Statt aber eine vielleicht gut bezahlte Stelle an einer privaten Schule anzunehmen, hat er seine Ursprünge nicht vergessen und in einem von der Kirche gemieteten Lehmbau eine kleine Dorfschule errichtet. Hier unterrichtet er in einem großen Raum 75 Kleinkinder durch alle drei Klassen Nursery parallel, fast alles Kinder aus aller ärmsten Verhältnissen, Waisen oder Halbwaisen.

Wir haben selten eine solch liebevolle gestaltete Schule gesehen, Samson hat eine so sanfte Art, alle Kinder sind sehr brav, man taucht ein in Frieden und Respekt. Die Zustände sind aber auf Dauer nicht tragbar, die Klasse platzt aus allen Nähten, wir brauchen mehr Räume, mehr Lehrer, ein Mittagessen und vieles mehr. Uns war sofort klar, dass wir hier unseren Platz und auch die Menschen, mit denen wir unseren Traum verwirklichen wollen, gefunden hatten.

Auch ein Grundstück ließ sich in der unmittelbaren Umgebung erwerben, alle Menschen wollten uns plötzlich helfen, es war, als sei ein guter Geist beteiligt, der uns lenkt und uns genau hierher geführt hat. Mr. Karani bereitete in den nächsten Wochen alles soweit vor, dass wir im März nur noch unterschreiben mußten und mit dem Bau des ersten Abschnittes beginnen konnten. Das Geld lag dafür auf einem Konto bei der Barclays Bank in Kilifi. Kostenvoranschläge gab es auch, die Handwerker standen für März sozusagen Gewehr bei Fuß. Wir planten in der ersten Ausbaustufe Toiletten, jeweils 4mal Buben und 4mal Mädchen. Dazu ein Flachbau mit Veranda mit 5 Klassenräumen ähnlich dem hier abgebildeten Gebäude, so dass wir alle 3 Klassen Nursery und behelfsmäßig die erste Klasse Primary unterbringen konnten, zusätzlich für Karani ein Office, damit er nicht mehr nur durch die Gegend fahren mußte, sondern die Eltern auch zu ihm kommen können. Und natürlich eine perfekte Einfriedung mit einem Tor. Alles, was man in Kenia nicht versperrt, wird umgehend gestohlen. Das alles sollte sich mit dem angesparten Geld bis Ende März ausgehen, außerdem haben wir ja noch Zeit, in Ruhe nach Menschen zu suchen, die uns hier finanziell unterstützen wollen.

Übrigens: Zum Gegenwert von 2 großen Kaffee im Starbucks bekomme ich ein paar Schuhe für unsere Schulkinder, ein etwas aufwendigeres Mittagsessen in einem Restaurant ist schon die ganze Schuluniform.“ (Gabriela Vonwald)

Interessante Details finden sie auch in Schule in Kenia Teil 4

Demnächtst, in wenigen Tagen, gibt es noch Informationen zum neuen Baby, des Vereines, „Social living Project“ und den letzten Teil Schule in Kenia

Nachreichen möchte ich an dieser Stelle nur noch der Vollständigkeit halber noch einige Bilder, wie das Schulgebäude und die dazu gehörige Toilettenanlage entstand.

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Eine Antwort zu Harambee – wir bauen eine Schule in Kenia

  1. Mel schreibt:

    Danke für die vielen Berichte. Das macht mir Mut, dass unser Verein sich weiter Schrittchen für Schrittchen für unsere Patenschule in Tansania engagiert. Und so vieles kommt mir aus den Berichten unseres Schulleiters so bekannt vor. Man kä,pft überall mit den gleichen Problemen.

    Ich wünsche Ihrem Projekt weiterhin viel Erfolg und verfolge mit Spannung die nächsten Berichte.

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