Schule in Kenia Teil 4

Es gibt in Kenia durchaus Schulen, die sehr gut sind, wo man sich bemüht, hervorragender Unterricht, motivierte Lehrer. Das Problem dieser Schulen – sie sind alle miteinander privat, sehr oft von diversen kirchlichen Organisationen aufgebaut, das heißt, sie kosten Geld, viel Geld. Wie schon aufgezählt, es beginnt mit einer oder meistens ja zwei Schuluniformen, Schuhen, Büchern, Schreibmaterial, dann kommen Anmeldegebühr und Schulgeld dazu, und wenn man sein Kind nicht hungrig lernen lassen möchte, dann muss man natürlich auch für das Mittagessen zahlen (Frühstück gibt es überhaupt nur in einer Boarding School). Und solche Schulen sind durchaus ein Geschäft.

Als wir 2008 begannen, auf dem gekauften Grundstück eine neue Schule zu bauen, wurden wir vielfach gefragt, warum gerade hier, das sei doch eine Arme-Leute-Gegend, ob wir das nicht wüssten. Wenn wir solch eine tolle Schule woanders bauen würden, könnten wir viel mehr Schulgeld verlangen, weil da mehr „reiche“ Leute wohnen würden. Völliges Unverständnis, wenn ich dann geantwortet habe, „wir bauen hier eine Armenschule“. Da kann man doch aber nichts verdienen.

Das heißt, wir haben die für Kenia einmalige Situation, dass wir alles bieten, was eine teure Privatschule auch bietet, eher sogar noch viel mehr, weil wir dazu einen gewissen „European spirit“  aufbauen, dass wir dafür aber eben kein Geld verlangen. Nicht einmal ein bisschen! Das Prinzip, sich das alles zu leisten, weil es im fernen Europa Menschen gibt, die sich jeweils für ein Kind verantwortlich fühlen, ist immer noch eine Sensation, die nur wenige von außen begreifen. Unsere Kinder bzw. deren Familien zahlen also für nichts. Nicht für Schuluniformen, nicht für Schuhe, nicht für Bücher, nicht für Essen, nicht für die Nachmittagsbetreuung, nicht einmal für die medizinische Versorgung. Und im dritten Jahr hat sich auch herumgesprochen, dass es dazu noch einen wirklich erstklassigen Unterricht gibt, dass also unsere Schüler ein Niveau haben, das ungefähr zwei Jahre über dem in staatlichen Schulen liegt.

Dazu kommt eine gewisse Ästhetik. Mein Credo ist einfach, dass man auch armen Menschen Schönheit und Kultur bringen kann. Schöne saubere Gebäude, schöne Bücher in der Schulbibliothek, zum größten Teil aus England importiert, neben der rein schulischen Wissensvermittlung auch Herzensbildung, Rücksichtnahme, Hilfe, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit. Und ein Stück Kultur, das über das hinaus geht, was sonst in Kenia vermittelt wird, also auf dem CD-Player auch mal Mozart und bei den Büchern die englischen Jugendklassiker. Und es wird in spätestens zwei Jahren auch der Umgang mit Computern dazu kommen und Deutsch als zweite Fremdsprache neben Englisch. Kenia ist ein Touristenland.

Was aber mit Sicherheit besonders ist, ist die Tatsache, dass wir uns auch um die Familien kümmern, wenn die Kinder um 16 Uhr das Schulgelände verlassen haben. Dass wir Hütten bauen, Dächer reparieren, Wasserleitungen legen, Jobs vermitteln oder Lehrstellen, den Müttern schreiben und lesen beibringen, Operationen zahlen oder einen Rollstuhl, Betten, Moskitonetze, Toiletten. Die Leistungen der Kinder steigen nicht nur dadurch, dass wir sie nicht hungrig lernen lassen und bei Fieber ins Spital begleiten, sondern auch dadurch, dass wir sie in einem Bett schlafen lassen in einer Wohnumgebung, die nicht nur ein Ziegenstall ist. Und was hier natürlich wunderbar klingt, bedeutet in Wahrheit, dass ich pausenlos zwischen diversen Baustellen hin und her pendele. Aber ich weiß, wo ich in ein paar Jahren sein will mit dem gesamten Projekt, und das macht vieles leichter, als wenn man nur bis zum nächsten Tag plant.

Trotzdem, ich bin vielleicht der Motor und ein wenig das Hirn des Ganzen. Ohne die viele Unterstützung von euch allen ginge es aber nicht. Und natürlich auch nicht ohne die wunderbaren Menschen vor Ort. Man kann sagen, ich habe großes Glück gehabt, immer, wirklich immer die richtigen Menschen zu treffen. Viele, die es auch in Afrika versucht haben, hatten dieses Glück nicht. Ich persönlich glaube allerdings eher, dass jemand seine Hand über uns hält.

Und  zum Abschluss morgen: Wie hat eigentlich alles begonnen? Wie kommt man dazu, in Kilifi eine Schule zu bauen und hier in Europa ständig Menschen damit zu nerven, der großen Familie Harambee beizutreten? Langeweile? (Garbriela Vonwald)

© by Harambee (G. Vonwald)

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