Warum – global chance – einige persönliche Betrachtungen

Auf Grund einiger Kommentare in der community von meinfirago, habe ich einmal einige Betrachtungen angestellt, die sicherlich für den Prozeß, an dessen Anfang wir uns befinden, erfassen zu können, den ich auch hier zur Diskussion stellen möchte. Es ging um das Scheitern der beiden Systeme Sozialismus und Kapitalismus, die Aussicht auf einen friedlichen Prozeß, ähnlich der Wende vor 22 Jahren und die Aussicht auf Erfolg. Sicherlich wiederholen sind Argumente aus anderen Beiträgen, aber um den Zusammenhang für hier zu erfassen, waren sie mir wichtig. Auch will ich damit nicht eine Neuinstallation des Sozialismus propagieren, sondern nur seine Gründe des Scheitern geschichtlich in ein objektiveren Kontext stellen.

Ich versuche mal im Detail darauf einzugehen und hoffe, es trägt ein wenig zur Aufhellung der Hintergründe bei. Ich fange mal mit dem Sozialismus an. Da ich ihn ja hautnah erlebt habe, versuche ich mal meine Version der Geschichte darzulegen, die sicherlich umstritten sein wird.

Er war zum Scheitern verurteilt und dies im Wesentlichen aus m.E. zweierlei Ursachen. Erstens und da sehe ich die Hauptursache, an hat das bürgerliche Parteinsystem übernommen. Es blieb ja am Anfang gar keine andere Wahl. Aber es ist nicht weiter entwickelt worden und hat damit keine reale Entwicklung durch Teilhabe breiter Massen zugelassen (1953 DDR, Ungarn, Prager Frühling, Glasnost). Dies geht sicherlich auch auf die schlimmen Verwerfungen in der UdSSR nach Lenins Tod zurück, auf den internationalen Druck des Kapitalismus (Konterrevolution), der wirtschaftlichen Unterentwicklung des Landes 1924 und dem daraus resultierenden Dogmatismus (Stalinismus).

Ich kannte viele gute Ansätze in der DDR, die einfach in dem starren Parteiapparat von sogenannten Berufsrevolutionären keine Chance hatten. Also so wie jetzt in den bürgerlichen Parteien auch.

Zweitens kam hinzu, das es in vielen Wirtschaftszweigen ein Embargo der Westmächte gab, keine Konvertierbarkeit der Währung obwohl einige Währungen durch Goldreserven gesichert waren und Patentrechte, um die Wichtigsten zu nennen. Bis auf wenige Ausnahmen, mußte sich der Osten praktisch neu erfinden. z.B. Bau von Autos mit Zweitaktmotoren, weil wir keine Lizenz für Viertaktmotoren bekamen. Die Liste ist lang. Es herrschte ein Wirtschaftskrieg (kalte Krieg), der bis heute z.B. gegen Kuba fortsetzt wird (Abwerbung von ingenieur-technischem Personal), die eine Öffnung fast unmöglich macht und die entscheidende Ursache für die Grenze war. Zusätzlich kommen erschwerend die Startbedingungen hinzu. Auf der einen Seite, abgesehen von einigen Großstädten und der Landung in der Normandie, im Westen Europas wurde der Hauptteil des Krieges auf den Territorium der zukünftigen RGW-Staaten ausgetragen. Es gab Gebiete da stand kein Stein mehr über den anderen, Rückzuggebiet von Stalingrad, Dresden (Taktik der verbrannten Erde) und der riesigen menschlichen Verluste unter der Zivilbevölkerung. Die DDR war der einzige Sektor der Repartionsleistungen, glaube ich,  im voller Höhe erbrachte. Auf der anderen Seite, die westlichen Besatzungszonen, die OEEC (Organisation for Europan Economic Co-operation), wurde mit dem Marshallplan in vier Jahren Geld in Höhe 13 Milliarden Dollar ( heute ca. 70 Mrd.€), im Zuge der Truman Doktrin zur Verfügung gestellt, um den Kommunismus zurückzudrängen. Dazu müssen zwei Dinge noch erwähnt werden. Nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges gab es einige Länder in denen Bürgerkriege tobten und in denen in den Rebellenarmeen kommunistische Strömungen die Oberhand hatten (Griechenland, Iran). Es war zu befürchten, das sich die sozialistische Strömung weiterverbreitet. Weiterhin muß dazu noch erwähnt werden, das die Hilfen keine Staatskredite waren, da die Amerikanische Zentralbank eine Privatbank „Federal Reserve System“ ist und das Geld nicht aus der Wirtschaftskreislauf entnommen werden mußte, sondern einfach nur gedruckt wurde und die Staaten dafür nur Sicherheiten einbringen mußten. Dies hatte zur Folge, das die Währungen der beiden Siegermächte England und Frankreich und Deutschlands West-Besatzungszonen seit 1948 an den Kurs des Dollars gebunden sind. Alles Gerede von einer starken D-Mark oder heute vom Euro sind für die Katz. Auch politisch und dies haben wir ja in den letzten Jahren immer wieder erlebt, rennen wir winselnd und leicht protestierend als Schoßhündchen unserem Herren USA hinterher.

Weiterhin sollten wir nicht vergessen, das dieses System, die DDR, neben dem grünen Pfeil und dem Sandmännchen auch große Errungenschaften aufzuweisen hatten. Unser Bildungssystem, wenn auch mit Mängeln, hatte den umfassend gebildeten Menschen zum Ziel, ich war Nutznießer dieser Bildung, die meine Kinder nicht mehr ansatzweise erhalten haben und wird heute in einigen Staaten der Welt noch als Grundlage benutzt, die in der Pisa-Studie weit vor der BRD rangieren. Zum Zeitpunkt der deutschen Einigung war die DDR pro Kopf der Bevölkerung wesentlich weniger verschuldet als die BRD. Leider waren viele Fabriken und Anlagen auf Grund des Sparkurses der Art veraltet und marode, das sie auch nicht mehr den Beleihungswert hätten einbringen können. Nur wir hatten keinen fairen Zugang zum internationalen Währungen, um aus dieser Sackgasse heraus zu kommen. Das war auch die Ursache für die Mangelwirtschaft in der DDR, weil die alten Herren das erkannt hatten und dabei waren, sich von Krediten unabhängig machen wollen, war der Mangel an allen Enden deutlich spürbar. Nur die Mittel waren ein wenig deletant.

Am Grundsatz könnten sich unsere Politiker heute mal eine Scheibe abschneiden! Der Dollar ist heute nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem er gedruckt wird, weil eine Goldreserve nicht einmal mehr für einen Bruchteil vorhanden ist (schon seit der 60er Jahre nicht mehr) – Pokergeld!

Der Kapitalismus ist wieder an seine Grenzen gestoßen und hat in seiner gesamten Geschichte, da er grundsätzlich auf Konzentrierung von Geld und Macht (Monopolisierung) beruht, alle Verwerfung immer auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung gelöst, durch Kriege oder Geldabwertungen (Inflation, neue Währung z. B. Euro).

Wenn es heute eine echte Demokratie wäre, warum sind unter den Abgeordneten so wenige Berufsgruppen vertreten? Es ist im griechischen Sinn eine Demokratie, damals waren aber nur eine privilegierte Schicht wahlberechtigt. Nur wir Ochsen dürfen alle einen Zettel aller vier Jahre in den Kasten werfen und wir haben immer noch nicht begriffen, das sich vielleicht die Farbe ändert oder die Maske, aber die Fratze dahinter bliebt die Gleiche, Menschen verachtend!

Sorry das war schon lang, aber das sind viele Einzelheiten die im Zusammenhang stehen, und heute kaum noch in einem Geschichtsbuch  zu finden sind. Alles was hier steht, ist belegt und kann auch im Internet gefunden werden, man muß nur ein wenig suchen!

Also wie gesagt Generalprobe einer besseren Welt, der Sozialismus, ist so was von in die Hosen gegangen, kann es ja nur besser werden. Ich glaube es war ein Wunsch, aber der gesellschaftliche Zustand war noch nicht so weit!

Die meisten zur Zeit laufenden Demokratisierungsprozesse (Kenia, Nordafrika, arabische Länder) verliefen oder verlaufen nicht friedlich. Die ersten Massenproteste in Spanien am 15. Mai wurden gewaltsam aufgelöst. Also die Aussicht ist nicht gerade vielversprechend und unser Verfassungsschutz übt ja schon bei jeder Gelegenheit, siehe Dresden. Über das Ende der DDR will ich hier kein Wort verlieren, aber so ein ähnliches Gefühl habe ich schon wie damals einige Aktivisten, die viel gewagt haben.

Trotzdem gehe ich zuversichtlich an die Sache, weil wir haben keine andere Chance für uns selbst und unseren Kindern und Enkeln gegenüber, denen wir eine bewohnbare Erde hinterlassen sollten.

Freiheit heißt nicht wie zur Wende propagiert, Reisefreiheit, billig „all inklusive“ in Rio de Janeiro, neben einem Elendsviertel so groß wie Berlin, Urlaub zu machen. In einem Land in dem jährlich Regenwald von fast der Fläche Brandenburgs vernichtet wird, damit Rohstoffe und Futtermittel für unsere Konsumindustrie hergestellt werden können, um nur ein Beispiel zu nennen. Geiz ist doch geil oder?

Freiheit heißt Verantwortung zu übernehmen und nicht zu delegieren! Die einzige Chance besteht viele Menschen zu mobilisieren, siehe Mahatma Ghandi und friedlich, gewaltlos nicht gegen die Vertreter der alten Welt sondern für eine neue, gerechtere Welt zu demonstrieren, sich zu organisieren und sich einzubringen. Seit geraumer Zeit bin ich in einigen Foren unterwegs und der Diskussionsstoff ist vielfältig.

Wer denkt, ein viertel Jahr und dann kann ich mich wieder in meine Hängematte legen, mal ein paar Massendemos besuchen, das reicht nicht. Vor uns liegt ein langer schwieriger Weg, den wir nur mit vielen Beteiligten gemeinsam  beschreiten können. Wir müssen neue Strukturen schaffen und sie stetig neuen Anforderungen im Konsens anpassen. So verstehe ich unseren Aufklärer heute, „nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß“. (J. W. von Goethe)

Mir sind in den letzten Monaten, meist virtuell, Menschen begegnet, die mit viel Elan, Freude und Einfallsreichtum kritisch an die Sache gehen. Eine Bewegung, „Echte Demokratie jetzt“, hat es geschafft, innerhalb von fünf Monaten in über 600 Städten rund um den Globus Menschen zu mobilisieren, auf die Straße zu gehen und sich für ihre Rechte friedlich, gewaltfrei und phantasievoll einzusetzen. Es ist an der Zeit, es reicht! In sieben Monaten, am 12.05.2012 soll in 50 Städten Deutschlands, Österreichs und Luxemburg ein Frühlingsmärchen wahr werden, das für den inneren und äußeren Wandel Alternativen aufzeigen wird. Dazu brauchen wir von vielen Menschen, unabhängig von Religion und Überzeugung, friedliche, gewaltfreie, tatkräftige Unterstützung. „Wir haben keine Zeit pessimistisch zu sein“ (Home – das ist unsere Erde), denn Geist ist geil!

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Über muzungumike

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2 Antworten zu Warum – global chance – einige persönliche Betrachtungen

  1. muzungumike schreibt:

    Mit dem Urgedanken, wollte ich ein wenig provozieren und auch ein bißchen deutsche Geschichte von der anderen Seite mal beleuchten und das es nicht gegen etwas geht, sondern für uns. Matthias von „Echte Demokratie jetzt“, ich nehme es ihn ja nicht übel, hat da ziehmlich scharf attakiert. Leider hat er auf meinen Kommentar noch nicht reagiert. denke mal die haben jetzt Hochdruck. Aber deshalb war es mir wichtig, das es nicht um den Besitzstand (Geldsäcke), sondern um die Einstellung und auch die Wandelfähigkeit geht. Nicht wie zur Wende, wo immer noch Menschen am Pranger stehen und als Buh-Mann herhalten müssen!

  2. Martin Bartonitz schreibt:

    Lieber Mike,
    Du spricht den Konsensgedanken an. Die Menschen in Spanien im Frühjahr und jetzt in New York zeigen uns, wie das geht. Diese neue Kulutr scheint aber auch schon in den Unternehmen unterwegs zu sein, siehe: http://www.saperionblog.com/lang/de/bpm-es-vollzieht-sich-ein-kultureller-wander-ecm-und-social-business-eine-wunderbare-freundschaft-xcml/5183/#more-5183
    LG Martin

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