Aufruf – mehr Demokratie wagen – wohin soll die Reise gehn?

In Anbetracht von den verschiedenen Ansätzen, occupy, attac oder EDJ, um nur einige zu nennen sowie zahlreichen Diskussionen und Gesprächen, die ich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten geführt habe, vertrete ich die Auffassung, wir müssen uns tiefer Gedanken machen, um einen Konsens zu erreichen. Es ist zu spät, um nur wieder ins Blaue hinein träumen wollen! Ich möchte Euch bitten, sich aktiv an dem Aufruf zu beteiligen und ihn an Freunde und Bekannte weiterzuleiten.

Was habe ich vor? Ich will keinen wissenschaftlichen Demokratismus schaffen, um es gleich vorweg zu nehmen. Die Welt und alle Prozesse sind so komplex geworden, das eine einzelne Person kaum noch in der Lage ist, sie real zu beurteilen. Zur Zeit wird in vielen Blogs darüber heftig debattiert, was alles nicht in Ordnung ist und manches an den Pranger gestellt, ohne eine ernsthafte Analyse angestellt zu haben. Viele Ideen sprudeln hervor, so das man nicht mehr in der Lage ist, alles zu verfolgen.

Mir geht es um das Zusammentragen eines realen, möglichst umfassenden Ist-Zustandes in Deutschland und vielleicht auch darüber hinaus, ich möchte dafür nur eine Plattform schaffen. Die Themenfelder reichen von den Möglichkeiten der sofortigen demokratischen Mitwirkung bis hin zur Aufhebung von gesetzlichen Barrieren der Einschränkung persönlicher Freiheiten. Jeder der über ein Thema aussagekräftig ist oder Zeit zu Recherchen hat, kann sich einbringen.

Daraus schlußfolgernd wollen wir, und dies ist der Hauptteil, eine aktive Diskussion über die nächsten Schritte und zentralen Ziele, an einem zentralen Ort führen und zusammenfassen. Ich möchte n-1.cc vorschlagen, da es ein sicheres, soziales Netzwerk ist und dort die direkte Anbindung und Vernetzung zu vielen der laufenden Demokratiebewegungen besteht.  Daraus soll sich dann eine knapp zusammengefaßte Agenda ergeben, die Anregung für das Handeln und Grundlage des asambleas, basisdemokratischen Versammlungen sein kann. Also kurz gesagt eine wiki erstellen zur demokratischen Neugestaltung der Gesellschaft.

Ausgehend von dem unten verfaßten Manifest (Jacob Jung, geändert)

Bewegung Echte Demokratie Jetzt!

Manifest für echte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität

Demokratie

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich zur Demokratie im Sinne einer direkten Volksherrschaft bekennt, die Aufklärung über Manipulation stellt und in der jede Stimme, ohne Ansehen von Vermögen und sozialem Status, gleich viel zählt.

Frieden

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich mit aller Kraft für den Frieden zwischen den Völkern und im Innern einsetzt und in der Krieg und Gewalt geächtet und nicht als Mittel der Politik anerkannt werden.

Meinungsfreiheit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder seine Meinung ohne Angst vor Verfolgung oder Benachteiligung offen und frei äußern kann.

Toleranz

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, seiner Überzeugung, seiner sexuellen Orientierung und seinen körperlichen und geistigen Eigenschaften mit Toleranz, Würde und Verständnis behandelt wird

Solidarität

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die Schwachen, Hilfsbedürftigen und Notleidenden, unabhängig von den Ursachen für ihre Schwäche, ihre Hilfsbedürftigkeit und ihre Not, im eigenen Land und in jedem anderen Land solidarisch und hilfsbereit gegenübersteht.

Wirtschaft

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der sich die Wirtschaft, die an klar formulierte Gesetzen ausgerichtet ist, die eine Profitmaximierung grundsätzlich ausschließt und gemeinnützige Wirtschaftsformen ermöglicht, die sich dem Wohl der Menschen unterordnet, in der Besitz untrennbar mit sozialer Verantwortung verbunden ist und in der das Streben nach Glück höher bewertet wird als das Streben nach Gewinn.

Arbeit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich für gerechte und faire Arbeitsverhältnisse einsetzt, die Menschen in allen Lebenslagen und Altersgruppen Perspektiven bietet und die verhindert, dass die Würde der Arbeit der Profitsucht und Gier Einzelner geopfert wird.

Bildung

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder, unabhängig von seiner Herkunft, seinem sozialen oder finanziellen Status, seinem Alter und seiner Vorbildung Zugang zu allen Bildungsangeboten erhält und sich frei und ohne Einschränkungen mit allen Inhalten beschäftigen kann, die ihm für seine persönliche Entwicklung als sinnvoll erscheinen.

Soziale Sicherheit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der niemand Angst um seine soziale Sicherheit und seine Versorgung mit Wohnung, Nahrung, Wärme, Kleidung, kultureller und sozialer Teilhabe, medizinischer Versorgung, Bildung, Kommunikation, Genuss und Mobilität hat.

Nachhaltigkeit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der alle mit Sorgfalt und Behutsamkeit mit den Menschen, der Natur, der Umwelt und den Ressourcen umgehen.

Recht
Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Spekulation und persönliche Bevorteilung als kriminelle Handlungen eingestuft werden und als solche zu ahnden sind.

Hierbei handelt es sich um einen Vorschlag. Jeder, der sich zugehörig zu der Bewegung fühlt, soll den Entwurf prüfen, ihn erweitern, ergänzen und verbreiten, bis er sich zum Konsens entwickelt hat, der den Protesten ein klares Gesicht verleiht und es den Medien und der Politik unmöglich macht, sie für sich und ihre eigenen Ziele zu vereinnahmen und zu missbrauchen.

Empört Euch! Verbündet Euch! Wehrt Euch!

In diesem Teil soll es vor allem um die konkrete Machbarkeit gehen. Um hier mal einige Punkte anzureißen:

  • was wird aus den Banken und seinen Mitarbeitern,
  • wie gestalten wir die Zusammenarbeit mit Stadt- und Gemeindevertretungen, den heutigen Parteien und Vereinen
  • wie gestalten wir ein sinnvolles nachhaltiges Wirtschaften in der Region
  • wieviel Sicherheit benötigen wir
  • wie werden Städte wieder menschlich und ländliche Gebiete wieder attraktiv und gesundheits- und lebensfördernd
  • wie viel Arbeit brauchen wir
  • welche Verantwortung übernehmen wir für einen globalen Ausgleich und der Abschaffung des Hungers und Trinkwassermangels
  • wie soll Bildung heute realisiert werden
  • wie können Lebensgemeinschaften  autark gestaltet werden

Ihr seht, die Liste ist jetzt schon lang, aber ich höre an der Stelle auf.

Ihr seid gefragt. Wir wollen gemeinsam an dem Haus bauen, in dem es sich menschlich wohnen läßt! Sind wir die Veränderung, die wir uns so sehnlich für unsere Erde wünschen! Ich möchte mit dieser Initiative nicht Euer persönliches Engagement untergraben, ganz im Gegenteil, ich möchte es nur vernetzen, eine Art virtuelle asamblea, damit jeder ein unverzichtbares Teil eines Ganzen wird. Ich möchte Moderatoren gewinnen, die sich bereiterklären, einzelne abgesteckte Komplexe zu moderieren und die Ergebnisse kurz zusammenzufassen. Ich bin der Meinung, um so mehr Menschen sich schon aktiv an der Vorbereitung des Umgestaltungsprozesses beteiligen, die Zeile und Aufgaben selbst mit eingebracht und formuliert haben, um so mehr Multiplikatoren und aktive Helfer stehen uns für unsere Bewegung zur Verfügung, die wir dringend benötigen. sie soll nicht die Organisationen vereinheitlichen, nein Vielfalt ist weiterhin gefragt, sie soll nur das gemeinsame Ziel konkretisieren helfen, um diese Heruklesaufgabe auch im Interesse unserer Kinder und Kindeskinder verwirklichen zu können. Es ist an der Zeit!

Advertisements

Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Filosophie abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Aufruf – mehr Demokratie wagen – wohin soll die Reise gehn?

  1. muzungumike schreibt:

    So nun auch hier für alle zum Nachlesen. Das es keine weiteren Vorschläge gegeben hat, habe ich die Seite bei n-1 unterfolgender Adresse imitiert: https://n-1.cc/pg/groups/979772/mehr-demokratie-wagen/
    Ich würde mich freuen, wenn wir dort endlich anfangen Klartext zu sprechen.

  2. dialecticprogress schreibt:

    Der Wille ist ehrenwert, aber ich bleibe kritisch: Denn für mich bleibt fraglich, warum viele Meinungen mehr wert sind als wenige wissenschaftlich fundierte Positionen? Warum soll dort, wo jeder seinen „Senf“ dazugibt etwas gescheiteres rauskommen als dort, wo Wissenschaftler zusammensitzen und methodisch vorgehen? Soll die „direkte Volksherrschaft“ z.B. bedeuten, dass jeder darüber bestimmen kann, was, wie, in welcher Menge und Qualität produziert werden soll? Warum sollen das Fachfremde tun? Für solche Themen bräuchte es Menschen, die sich in bestimmten mathematischen Disziplinen auskennen. Eine Ökonomie, die Profitmaximierung ausschließt, kann nur über Einführung bestimmte ökonomische Gesetze mit bestimmter Wechselwirkung gehen, wofür man neben ökonomischen auch über kybernetischen Kenntnissen verfügen muss.

    • muzungumike schreibt:

      Entschuldigung das ich erst jetzt darauf reagiere, aber ich war unterwegs. Wenn der Wille ehrenwert ist, liegen wir ja nicht sehr weit auseinander, denn ich sehe viele Dinge auch sehr kritisch. Ich drehe mal die Spieß (sprichwörtlich) um. Warum soll der Prophet nicht endlich zum Berg gehen und mit der „Senfsoße“ reden. Dies ist ja Anliegen meines Aufrufes interdisziplinär zu kooperieren und nicht zu konkurieren. Ich denke da liegt der Ansatz, der uns weiter bringt. Wenn Fachleute nicht Außenseiter sind, werden sie sich so viel Autorität erarbeiten können, das vernünftige Vorschläge auch Gehör finden. Am Ende, wie alles im Leben, ist es ein Experiment, das erst in seiner Durchführung sich bewahrheitet oder auch nicht.

  3. Dr. Martin Bartonitz schreibt:

    Gestern zum Thema Bewusstwerdung aufgeschnappt: „Bewusst SEIN anstelle unbewusst HABEN.“
    Meine Interpretation:
    Weg vom betäubenden Konsum, weil wir einer sinnlosen Lohnarbeit nachgehen, hin zu mehr lustvollen Leben, in der wir sinngekoppelt in Verbundenheit gemeinsam unsere Welt gestalten, in der Keiner mehr verloren wird.

    • muzungumike schreibt:

      Vorne weg ein kleiner Witz, den ich gestern von einem Maler bei der langen Nacht der offenen Galerien aufgeschnappt habe. „Treffen sich ein Optimist und ein Pessimist der Pessimist sagt, Schlimmer kann es ja nicht mehr werden! Der Optimist antwortet, Doch, doch!“ 😉
      Ich lese gerade das Buch „Das Ende meiner Sucht“ von Oliver Ameisen, was ich jeden, auch „Nichtsüchtigen“, wärmstens empfehle. Ist nicht Sucht die Reaktion, das wir unsere Sehnsucht, unser BEWUßTSEIN, das wir nicht erreichen können? Ist das Hamsterrad nicht viel größer als wir vermuten? Ich bin Dialekt und bin davon überzeugt das es immer beide Pole gegen wird. Sie als gut oder böse einzustufen, halte ich für sehr einseitig und gefährlich. Auf den Tag folgt die Nacht, es gibt Zeiten des Abgebens und des Hinnehmens (Konsum). Das ist das Leben, wie Natascha immer so schön an der Stelle zu sagen pflegt. Wir müssen uns nur bemühen eine Balance wieder herzustellen.

  4. muzungumike schreibt:

    Hier noch ein ein Artikel, der die Notwendigkeit des Projektes mehr als deutlich unterstreicht. Unter den Titel, „Die Harz IV Republik: sind die Deutschen noch zu retten?“ Nachzulesen hier: http://blog.soziales-dorf.eu/module-news-display-sid-369.html
    Interessant, um nicht zu sagen erschreckend, ist auch wie wieder gegen Atomkraftgegner vorgegangen wird, auf gleicher Seite ist zu finden: „Legal-Team: Rechtsbrüche und Gewalt bestimmen weiterhin den Polizeialltag rund um den Castortransport“

  5. muzungumike schreibt:

    Hallo, kurzer Zwischenstand, Seite ist im Entstehen, ich kämpfe noch mit den Foren, der Erststrukturierung der entstehenden wiki und lade gerade Menschen ein, sich daran zu beteiligen. Die Resonanz kommt einer Ignoranz gleich – „zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich…“, es wird nichts ändern, die kritische Masse beginnt bei EINS!

  6. muzungumike schreibt:

    Hallo, vielen Dank für die ersten Reaktionen. Mit dem Grillen am Wochenende ist Essig. Das Votum ist bis jetzt auch 100% für aktive Mitgestaltung. Aber es geht nicht nur um die Fragen, wir müssen Vorschläge unterbreiten, um wieder bei Brecht zu sein. Wenn viele davon real sind und von möglichst vielen menschen angenommen werden sind wir alle geehrt! Wenn es keine gegenteilige Auffassungen gibt oder andere machbare Vorschläge unterbreitet werden, werde ich unter dem Namen „Mehr Demokratie wagen“ eine Gruppe bei n-1 einrichten und vielleicht schon eine Grundordnung einrichten, erste Ansätze. Näheres wird dann hier zu finden sein oder ich versende es per mail. Ich hatte es ja schon geschrieben, es liegt an uns, der kritischen Masse, welchen Verlauf es nimmt. Ich wünsche mir auch einen Wandel ohne Gewalt und habe da auch so meine Ideen, nur wir müssen dafür viele Menschen mobilisieren und wissen was wir wollen – Harambee! Viele Grüße com. Mike

  7. Hans Erdmann Köln schreibt:

    Ich habe es in meinem Blog veröffentlicht und hoffe auf viele Mitwirker!

    Gruß Hans

  8. Dr. Martin Bartonitz schreibt:

    Hier stellt auch noch Jemand sehr viele Systemfragen:

  9. Dr. Martin Bartonitz schreibt:

    Das gemeinsame Arbeiten an einer solchen neuen Gesellschaftsentwurf sollte unser Bewusstsein noch weiter schärfen und unsere festen Wünsche zur „kritschen Massen“ führen, die den Wandel ohne Blutvergießen ermöglichen sollte.
    Was es mit der Idee der „kritischen Masse“ auf sich hat, wir gerade hier diskutiert:
    https://faszinationmensch.wordpress.com/2011/11/22/wie-viele-menschen-braucht-es-um-eine-neue-idee-einen-wandel-herbeizufuhren/

Kommentare sind geschlossen.