Demokratie – warum die meisten Theorien daneben liegen

Wenn wir neue Interessengemeinschaften gründen, glauben wir immer, das wir Neuland betreten und fühlen uns großartig. Es ist ein tolles Gefühl, ja fast ein Rausch! Doch wenn wir dann unseren Tunnelblick verlieren, stellen wir fest, wir waren nicht die Ersten am Südpol. Sie sind ja alle schon vorhanden, nicht imaginär und es kommen ja fast täglich neue hinzu. Das Leben ist doch nicht erst seit der Erfindung der Parteien strukturiert. Es ist ein Grundwesen des Menschen für sein (Über)Leben gewisse Ordnungen zu schaffen und so macht er es immer noch.

Nun stellt sich die Frage, wie bekommt man dieses babylonische Wirrwarr, diesen gordischen Konten von Interessen entflochten, wie bekommen wir da einen Überblick?
Ich entgegne, erst einmal gar nicht.

Es ist mit dem Leben wie mit der Politik, wie wenn jemand am Tisch aufsteht, an ein Glas stößt oder sich räuspert, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, weil auf das Brautpaar einen Tost ausbringen will. Er ist der Akteur und wir reagieren, d.h. er ist aktiv und wir sind sekundär passiv. Genau so, wie wir glaubten, die Ersten auf unserem Südpol zu sein, verhält es sich auch mit den zwischenmenschlichen Beziehungen. Uns wird eingeredet, wie furchtbar alles ist, was für Ungerechtigkeiten und Gewalttaten da überall geschehen. Er plädiert dafür, das man da doch schärfere Gesetze schaffen sollte und das er, der Tischredner, unersetzbar, ja unabwendbar, ist, weil sonst würden alle durcheinander plappern. Niemand wüßte, wo es wirklich lang geht. Weiß er es? Nein, wie könnte er denn. Warum macht er dann aber so einen Wind darum. Vielleicht ist es sein Paarungsverhalten, es ist ja nicht jeder ein α-Männchen oder jemand ist ihm aus Versehen auf den Fuß getreten und er wollte es eigentlich gar nicht. Die Möglichkeiten, die uns unser Verstand durch seine Vorstellungen vorgaukelt, sind recht groß. Räumen wir sie doch lieber aus dem Weg, dann können wir klarer sehen.
Sicherlich fragt sich jetzt jemand, warum ich diese Geschichte erzählt habe. Die Auflösung erfolgt sofort.
Keine Frage, diese Grausamkeiten geschehen und jede Einzelne ist furchtbar genug für jeden der sie durchleben muß. Sind unsere Maßnahmen, die wir dagegen unternehmen, wirksam gegen den Auswuchs (un)menschlicher Energie, tragen sie Früchte oder taugen sie eher dazu das wir ruhigen Gewissens sagen können, wir haben ja was unternommen? Hat Ursache und Wirkung überhaupt etwas miteinander zu tun? Warum verlassen wir die Discothek nicht einfach, wenn es da zu laut, die Nacht dafür still und kühl ist und sogar unser Verstand uns sagt es ist kein schöner Platz für uns?
Wenn ich mein Umfeld und meine gelebten 19.000 Tage betrachte, habe ich nicht so viel Grausamkeiten erlebt, wie sie in einer einzelnen Tageszeitung zu finden sind. An allen Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren oder sogar von mir ausgegangen sind, war ich immer selbst beteiligt. Also wer soll sie ändern, wenn nicht ich?
Seit dem 15. Oktober 2011 bin ich auf der Suche nach dem einen Prozent, also so das ich mit dem Finger auf jemand zeigen und dann sagen kann, „Du gehörst also zu den einem Prozent“. Mehr würde ich nicht einmal wollen, nur wissen, sie sind real vorhanden. Wenn ich Herrn Ackermann kennenlernen könnte, wer weiß, wie ich danach über ihn denken würde?

„Der, der frei ist von jeglicher Schuld, der werfe den ersten Stein!“
Man steigt nicht zweimal in den selben Fluß und doch versuchen wir schon wieder mit den gleichen gedanklichen Routinen Lösungsansätze zu schaffen, für eine Realität die schon längst Geschichte ist. Wir zimmern immer noch eifrig am Rettungsboot, obwohl das Schiff schon längst gestrandet ist. Frühere Revolutionen haben das Alte zuerst zerstört um es dann teilweise doch wieder zu restaurieren, weil wir eben Menschen sind. Haben wir noch eine Chance alles in Schutt und Asche untergehen zu lassen? Sind wir nicht mündig genug und haben nicht doch den aufrechten Gang heimlich im Keller geprobt, das wir es diesmal etwas besser hinbekommen? Sind wir es nicht uns selbst und nicht nur unseren Kindern „schuldig“ es wieder in die eigene Hand zu nehmen – das Leben – wie es unsere Vorfahren auch taten, nur auf unsrer Stufe?

Wenn wir der menschlichen Gemeinschaft unser Wissen und Energie entziehen, uns nicht an der Stelle einbringen, für die wir vorgesehen sind, weil sie nicht unseren Vorstellungen entspricht, sind wir nicht mitverantwortlich für die Misere? Dürfen wir mit plakativen Fingern auf Gruppen zeigen, die wir für unsere Unterlassungen verantwortlich machen wollen? Halten nicht wir das Fernglas verkehrt herum?

Lange bin ich schon unterwegs, ich war ohnmächtig vor Ausweglosigkeit, nun hat sich so viel gesammelt, das es seinen Weg finden wird. Ich bin mehrfach gefragt worden, warum eine neue Gruppe gründen und ich habe lange mit mir gerungen. Spätestens an dieser Stelle wird klar, hier geht es nicht um falsche Schuldzuweisungen, denn ich lehne Schuld grundsätzlich ab. Hier geht es nicht um die logische Suche nach Auswegen, hier geht es um die ganzheitliche Vorbereitung von Schritten, die wir dann umsetzen wollen. Also nicht nur besetzen, sondern unsere Freiheit nutzen, Neues auf den Weg zubringen, solange wir noch die Chance dazu haben. Es ist an der Zeit!
Einführender Text zu Mehr Demokratie wagen

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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6 Antworten zu Demokratie – warum die meisten Theorien daneben liegen

  1. Solveigh Calderin schreibt:

    @Martin:
    Du hast vollkommen Recht mit dem „Urvertrauen“. Manche Menschen verlieren es und können zum Schluss nicht einmal mehr sich selbst vertrauen. Sie werden krank daran, erst seelisch und dann körperlich oder beides zusammen…

    Ich habe gelernt – auch ich bin den Weg der „Erfahrung“ gegangen, Mike, denn das ist der einzig richtige Weg der Erkenntnis -, dass Enttäuschung nichts Schlimmes ist. Ich werde ent-täuscht. Ja, und? Ich habe mir also vorher eine Täuschung aufgebaut oder habe eine Täuschung für wahr genommen. Jetzt sehe ich, was WIRKLICH ist, ich bin ent-täuscht. Dankeschön! 🙂

    Oft werden Menschen, die voller Vertrauen anderen gegenüber sind, die ehrlich sind und die nicht jeden anderen Menschen als „Feind“ ansehen, sondern davon ausgehen, dass Menschen grundsätzlich empathisch und ehrlich sind, im günstigsten Fall – wie Du es nennst, Martin – als „naiv“ und „kindisch“ oder „kindlich“ hingestellt, oft auch gern als „nicht lebenstüchtig“ und als „Gutmenschen“ beschimpft, die nicht begreifen, wie Leben „wirklich“ abläuft. Ich bin überzeugt, dass diese „Gutmenschen“ die noch einzig halbwegs gesunden Menschen in dieser kranken Gesellschaft sind…

    Ich denke, Du hast auch Recht im Bezug auf „die“ Händler. Es ist eine bestimmte Sorte von Mensch, die als Händler „erfolgreich“ sind, was ja heute nur heißt, dass sie in der Lage sind, möglichst viel Geld zu scheffeln, und sonst gar nichts. Und sie unterscheiden sich charakterlich (zum größten Teil, denn es ist falsch alle in Bausch und Bogen zu verurteilen) nicht von der Politikerkaste. Dass diese Menschen empathisch seien und handeln würden, kann wohl kaum jemand behaupten…

    Zum Ende der DDR war ich sofort arbeitslos. Eine Versicherungsfirma suchte Vertreter. Ich ging also zu der Werbeveranstaltung, um vielleicht Versicherungen und Bausparverträge zu verkaufen. Nach der Veranstaltung, auf der weit mehr als hundert Personen waren – zu dieser Zeit wurden seeeeehr viele Menschen zur selben Zeit ihrer Arbeit beraubt – setzte ich mich zu Hause hin und rechnete mir die ganze Sache aus. Ich rechnete mir für die Bausparverträge aus: Was bekommt der Kunde wann, wie lange muss er er wieviel einzahlen und wie lange bezahlt er dann den Kredit zurück?
    Für die Lebensversicherungen rechnete ich mir aus: Was zahlt der Kunde ein und wieviel bekommt er nach welcher Zeit unter welchen Bedinugnen wieder?

    Das Resultat dieser Analyse: Ich blieb lieber arbeitslos als Versicherungsvertreter zu werden.

    In meinem jetzigen Geschäft ist mir oft gesagt worden: „Du musst aufhören, ehrlich zu sein und endlich lernen zu lügen, wenn Du im Geschäft Erfolg haben willst.“ Ich habe dem immer entgegengesetzt und dabei bleibe ich: „Nein. Gerade durch meine Ehrlichkeit hebe ich mich von allen ab, auf lange Sicht werde ich der Erfolgreiche sein.“

    Mir ist gesagt worden: „Du musst die Menschen, denen Du hilfst, ihr Recht zu bekommen, wenn sie betrogen wurden, abkassieren.“ Ich setze dem entgegen: „Nein. Das ist mein Dienst am Kunden. Ich kann die Menschen, die eh schon betrogen wurden und mich um Hilfe bitten, nun nicht auch noch abkassieren. Hilfe wird nicht bezahlt, denn dann ist es keine Hilfe mehr. Außerdem ist die Werbung, die diese Menschen für mich machen unbezahlbar.“ Ich bekam zur Antwort: „Sie werden das ausnutzen.“, worauf hin ich sage: „Ja, sollen sie doch. Und jeder spricht über mich und seine Erfahrungen mit mir.“

    Mir ist gesagt worden: „Die Menschen, die betrogen wurden, sind selber schuld. Sie hätten sich ja vorher erkundigen können.“ Meine Entgegnung: „Nein. Nicht die Kunden, die betrogen werden, sind Schuld, sondern die gierigen Händler, die mafiaartig organisiert sind und den Hals nicht vollkriegen und wertloses Zeug als Kunstwerke und zu Preisen höher als die echten Kunstwerke verkaufen.“

    Ich helfe den Menschen, die mich um Hilfe bitten, weiterhin soweit und so gut ich es vermag – und zwar kostenlos. Das bin ich mir selbst und meiner Selbstachtung schuldig.

    • muzungumike schreibt:

      Wie sich doch die Dinge ähneln. Ich hatte gerade bei Martin geschrieben von der Kraft unserer Gedanken, das uns Menschen begegnen, die ähnliche Auffassungen haben, die in uns prägnant sind. Viele Deiner Erfahrungen habe ich so oder ähnlich auch gemacht. Eine kleine Anekdote. Also zu besagter Zeit standen ja oft irgend welche Versicherungsvertreter vor der Tür. Am Ende hatten sie sich schon darauf verlegt, nicht mal mehr eine Versicherung selbst zu verkaufen, sondern, im Schneeballprinzip selber Mitarbeiter zu akquirieren. So stand also jemand vor meiner Tür und erklärte mir, das einer seiner Kollegen 20.000 DM im Monat verdiene. Ich antwortete ihm spontan, „Ich wüßte gar nicht, was ich mit so viel Geld anfangen sollte“. Damit war das Gespräch für mich beendet. Der Satz kam aus mir, das ich selbst über mich ein wenig erschrocken war. Später mußte ich dann feststellen, das ich wirklich nicht für diesen Job geeignet bin.
      Wie gesagt, bei den Händlern sollte man auch nicht alle über einen Kamm scheren. Zum Beispiel hier an der Ecke ist ein kleiner Spätverkauf, Vietnamese, wird von der Familie bewirtschaftet, der Sohn ist sicherlich schon in der DDR geboren. Er hat täglich von 09.00 bis ca. 23.00 Uhr offen und reich sind sie wirklich nicht. Und genau diese Erfahrung ist der Grund für meine Warnung vor den Feindbildern. Sie nutzen keinen und schaden am Ende nur uns selbst. „Auf den Schlachtfeldern der anderen sind wir immer die Klügeren, die heimlichen Sieger, und stehen selbst bis zu den Knien im Chaos.“ (Anm. Red.) Ich erlebe wie in der Ukraine das Leben abläuft oder wie es in Kenya war und wenn ich es mit unserem Leben versuche zu vergleichen, fällt mir nur das Märchen von Schlaraffenland ein. Viele Grüße Mike

  2. muzungumike schreibt:

    Jetzt hast Du mich auf dem richtigen Fuß erwischt. Ich glaube, es wird jetzt noch mal etwas mehr, denn da liegt das Kind im Brunnen. Wir sind durch die vielen auf uns einströmenden Einflüsse anfälliger in beiderlei Richtungen oder umgekehrt gesehen unsensibler geworden. Wir glauben nur noch, was wir sehen, bares ist Wahres. Kaufleute sind mir schon immer suspekt. Aber wie sollten früher die Waren vom Persien nach Europa gelangen. Sie nahmen das Risiko in Kauf und nicht selten kam auch einer mal nicht wieder zurück. Wo ist heute noch das Risiko, aber der Handel läuft nach gleichen Regeln ab und welche Handelsspannen sind heute üblich? Das hat doch schon lange nichts mehr mit Vernunft und fair zu tun. Wie soll es auch. Wir haben eine Vergesellschaftung erreicht in der wir nur noch die Hälfte der Menschheit von vor einhundert Jahren bräuchten. Wenn sie keine Lobby wären, die Kaufleute, gehörten die Händler genau wie der Postbote heute zu den aussterbenden Berufsgruppen. Was machen wir mit dem Rest, wieder einen Weltkrieg?
    Siddharta Gutama (Buddha) bekam von seinen Eltern erzählt, das die Welt außerhalb des Schlosses schlecht ist. Er glaubte es nicht, denn hier waren alle Menschen um ihn herum doch auch nicht schlecht. Warum sollte es also vor den Mauern anders sein? Er mußte sehen, das beides wahr war, als er dann seinen Weg der Entsagung ging. Läßt sich dieses Bild nicht auch auf die heutigen „Leistungdsträger“, die Kaufleute, die 1%, übertragen? Nur das sie wie viele andere Adlige zur Zeit von Buddha zu schwach waren, diesen Schritt zu wagen. Es sind eben zwei Seiten einer Medaille, da die Konkurrenz ständig zunimmt, nimmt auch die Aggression, die Dreistigkeit der Händler zu. Es ist doch wie in meiner Geschichte keine Frage des Kopfes oder wenn dann nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz. Der Körper funktioniert in anderen Zyklen und er will, einmal an ein bestimmtes Leben, an einen festen Ablauf gewöhnt, davon nicht wieder abweichen. Wir konditionieren uns selbst, wir schaffen unsere eigene Realität, aber nicht mit unserem Verstand allein. Wir erschaffen das Monster in uns selbst. Da kannst du jeden Raucher fragen, wenn er dir ehrlich antwortet, wird er dir bestätigen, wie oft er schon versucht hat aufzuhören. Das mit dem willensschwach, ist die dümmste Version, die ich je gehört habe. Wenn Du Zeit hast, lese das Buch von Oliver Ameisen „Das Ende meiner Sucht“. es war für mich vor einiger Zeit die Erkenntnis, die es mir erlaubte, mich nicht mehr in manchen Situationen zu hassen. Da ich in der zurückliegenden Zeit noch einige Puzzle dazu gefunden habe, entsteht gerade jetzt ein Bild, wo ich provoziere und frage, zeige mir jemand einen von den 1%. Mir werden zwar viele Verbrechen nicht entschuldbar dadurch, aber ich fange an, die Zusammenhänge zu verstehen, warum sie geschehen. Nur so kann ich etwas unternehmen. Nun ist der schlechteste Rat hin zugehen und dem armen Opfer seinen Kopf erklären zu wollen. „Wenn Du die Absicht hast, jemanden helfen zu wollen, bist du gerade dabei, einen schönen grünen Rasen betreten zu wollen, auf dem große Schilder aufgestellt sind, „Betreten verboten, Zuwiderhandlungen werden bestraft“. Ich habe die Lektion auf die aber so was von harte Tour lernen müssen und durfte dann wenige Stunden danach diesen Satz lesen. Das sind Dinge die brennen sich ganz tief ein. Es gibt eben drei Wege um weise zu werden und der dritte, die Erfahrung ist nicht nur der Schmerzhafteste sondern auch der Häufigste.
    Deine Tochter tickt nicht nur ähnlich, sie hat Dich oder besser gesagt sich die Eltern ausgesucht, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten sollen. Würde etwas anders einen Sinn ergeben? Ich glaube, und das ist nun wieder typisch europäisch, durch den ganzen Induvidualismuskram, denken wir, warum muß ich das gerade erleben, den anderen geht es doch sooo viiiiel besser. Pustekuchen ist, es geht jedem auf seinem Weg so. Es unterscheiden sich nur die Ereignisse und vielleicht der Grad der Erfahrung, den jeder sammeln muß.
    Wir haben heute für alles eine „Lösung“. Ich habe sinngemäß zu Uwe Jessen geschrieben, wir werden feststellen, das wir zu weit hinaus geschwommen sind, weil wenn wir uns alles abnehmen lassen, von der dritten Welt oder im besten Falle von Automaten, entwickeln wir uns Artgemäß zurück und da sind wir schon fleißig dabei. Ein Afrikaner kann sich noch, was an dieser Stelle sogar zwei Bedeutungen hat, an Ereignisse genau erinnern, die teilweise viele Jahre zurückliegen. Wir müssen schon in den Kalender schauen, wenn wir wissen wollen, was wir vor drei Tagen gemacht haben. An das Wetter vor einer Woche können wir uns schon nicht mehr erinnern. Wenn hier die Versorgung langfristig, aus welchen Gründen auch immer, zusammenbricht, sind wir nicht in der Lage uns selbst Nahrung im ausreichenden Maße zu beschaffen und es würde eine Hungerkatastrophe hereinbrechen, die in unserem Unvermögen, mit der eigenen Umwelt zu leben, gegründet ist. Wir kollabieren ja schon, wenn in einem ICE die Klimaanlage in Sommer ausfällt. Für unsere Entwicklungsgeschichte waren all diese Begabungen existensnotwendig. Alzheimer ist die direkt Folge davon, Reizüberflutung mit künstlichen Datenschrott auf der einen Seite und Vernachlässigung der Langzeitgedächtnisses zur Selbsterhaltung. Und Simsalabim dreimal schwarzer Kater, da schließt sich der Kreis, Täter – Opfer -Verhältnis. Wenn das Urvertrauen nur noch durch schwache Signale, viele verfälscht, Geruch oder gar nicht mehr, Tastsinn, eingeschränkt funktioniert und ich behaupte da ist der Trend zur Masche geworden, bleibt es nicht aus, das die tiefen Einschnitte der Erfahrungen tiefer werden. Wir kennen alle das Naturgesetz vom Stärkeren und Schwächeren, sehen uns im Spiegel an und sagen uns, das betrifft uns doch nicht, wir sind doch keine Natur mehr, wir sind doch Menschen. Ausgerechnet diese Spezies nimmt für sich heraus, weil sie Verstand besitzt, die Gangart noch zu verschärfen und das Leben und Leben lassen, für sich neu auszulegen. Warum kehren wir die Geschichte nicht einfach um?

  3. Martin Bartonitz schreibt:

    Ja, schauen wir, was aus den kleinen uns verantwortlichen Kreisen wachsen kann. „Die da Oben“ werden es nicht richten, haben es auch nie wirklich für Alle sondern nur für einen kleinen Kreis, der den Gral der Patriarchats sorgsam hütet …

    • muzungumike schreibt:

      Als der Alte Bader im Medicus starb, bat er den Medicus auf sein Grab zu schreiben „Ich habe blaue Luft verkauft“ Wir Meschen sind sehr anfällig, uns um den Bart gehen zu lassen und es klingt ja immer noch nett und vielversprechend, aber es ist nicht unser Leben. Wir haben es zu gelassen, das Infrastrukturen zerstört wurden. Wir haben uns einreden lassen das es nicht anders geht und nicht unseren eigenen Kopf benutzt…

      • Martin Bartonitz schreibt:

        Die Medaille hat zwei Seiten. Wir kommen mit einem Urvertrauen auf die Welt. Ohne Vertrauen in das gemeinsame Handeln geht es schlecht. Und wir sind gerade dabei, genau dieses Vertrauen zu zerstören. Ich habe auch den Fehler gemacht, zu viel zu vertrauen und wurde dabei enttäuscht. Ich glaube, man bezeichnet Menschen, die zu viel vertrauen als naiv, eben kindlich. Aber Diejenigen, die vertrauen sind vermutlich auch Diejenigen, die keine über den Tisch ziehen wollen. Ich selbst habe extreme Probleme damit, Jemandem etwas zu verkaufen. Schon gar, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu gut weg gekommen bin. Ich vermute, dass meine Tochter ähnlich tickt. Sie ist darüber krank geworden, anderen Menschen etwas verkaufen zu müssen, von dem sie annahm, dass sie es nicht wirklich brauchen müssten.
        Da stellt sich mir gerade die Frage: sind Händler von Natur aus weniger empathisch, damit sie diesen Job ausüben können?
        LG Martin

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