Menage a deux im Lampenlicht

Manege für zwei im Lampenlicht / Foto Paul Arne Meyer

So rästelhaft die Überschrift klingt, so rästelhaft war mir die Veranstaltung noch, als weit vor dem Beginn es an die Tür der „Goldenen Rose“ pochte und ich den ersten Akteur des Abends am letzen Freitag Einlaß gewährte. Zwei junge Akteure wollten also hier Inprovisationstheater inszenieren, denn es gab kein fertiges Stück, was sie aufführen wollten. Sie hatten es bei facebook als Veranstaltung angemeldet und ich dachte mir, da wird es wohl nur einen kleinen Kreis von Interessenten geben, die sich dafür in dieser kalten Nacht auf den Weg hier her machen würden. Oli und Caspar sind Improvisateure aus dem Ensemble „Stabile Seitenlage“. Sie wollten nicht wie es sonst üblich ist, an einem festen Punkt in einem Raum Stehgreifpoesie entwickeln, sondern wollten das gesamte Haus als Spielstätte nutzen.

Es näherte sich der Zeitpunkt des Beginns und ich war erneut verwundert, das sich der Gastraum langsam aber stetig mit Zuschauern füllte. Gegen 20.00 Uhr ließ dann Caspar mit der Einführung, die Katze aus dem Sack. Er begann mit den Worten, „Was sie hier heute erleben, werden sie nie wieder erleben, weil es nur heute hier stattfindet, denn es entsteht nur für diesen Moment“. Der Plan war ganz einfach. Die Zuschauer sollten entscheiden, an welchem Ort des Hauses gespielt werden sollte und welches Ding die Zwei thematisieren. Zwei Zuschauer wurden mit Taschenlampen ausgerüstet, damit sie Gegenstände im dunklen Haus auffinden, zu denen die Darsteller dann einen Szene spielen sollten. Langsam zogen die Zuschauer durch das Gebäude. Im Schein der Taschenlampen waren nur ihre Silhouetten sichtbar. In mir erwachten Erinnerung an meine Kindheit an so manche erlebte Nachtwanderung, die uns Schrecken einflößen sollte. Hier bemerkte ich eine andere Seite, denn die Einschränkung der Sicht läßt ja auch völlig eine andere Wahrnehmung in uns entstehen. Die Fokussierung des Lichtes durch die Taschenlampen, läßt viele Gegenstände ganz anders erscheinen und wir bewegen uns in einer anderen Welt. Nach dem sich die Lampenträger auf einen Gegenstand

Manege für Zwei im Lampenlicht / Foto Paul Arne Meyer

geeinigt hatten, begann das Spiel. Erst zögernd aus der Intuition einen Idee entwickelnd, nahm das Spiel seinen Lauf und die Akteure warfen sich den Spielball gegenseitig zu. Es waren kleine Stücke , in denen es um Gott und die Welt oder völlig banale Themen ging und so manche Pointe hervor brachte, die tief aus dem Leben gegriffen war. Viel Gelächter und Szenenapplaus belegten, dass die Zuschauer regen Anteil am Spiel des Duos nahmen. Manchmal wurde es in den Fluren ganz schön eng und es war nicht ganz so einfach dem Treiben zu folgen. So waren also auch die Zuschauer gefordert, wenn sie an dem Spektakel teilhaben wollten. Hier wurde Neues Theater im wahrsten Sinne des Wortes geboren, in dem Darsteller und Zuschauer durch Aktion und Interaktion miteinander verbunden sind. Beim letzen Stück griff diese Interaktion selbst auf das Haus über, denn nach dem letzten Worten erlosch das Treppenhauslicht, im dem wir uns gerade befanden und setze so einen gelungenen Schlußpunkt auf die Inszenierung des Unwiederbringlichen. Es lag eine Ahnung im Raum, die mir sagte, wir sollten jeden Augenblick so ernst nehmen, weil er im Kommenden schon Vergangenheit ist. Großer Beifall und Jubelrufe belegten, das die Zuschauer mit den Darbietungen sehr zufrieden waren. Im Anschluß versammelten sich noch zahlreiche Gäste in der Bar. Es wurde viel diskutiert und es gab ganz spontan Musik vom Klavier, der den gelungen Abend abrundete. Da die Zuschauer nur einen Bruchteil des Hauses beleuchtet hatten, gibt es noch genügend Spielraum für künftige Aufführungen, um sie in einem neuen Lampenlicht zur Geltung kommen zu lassen. Wir können gespannt sein!

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2 Antworten zu Menage a deux im Lampenlicht

  1. muzungumike schreibt:

    Keine Ursache, war eine tolle Aufführung und da habe ich mir eben auch Mühe gegeben 😉

  2. Cas Par schreibt:

    Dankeschön, für den schönen Artikel.
    Jetzt bin ich ein bisschen glücklicher.

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