Sag mir wo(her) die Rosen sind – reloaded 2012

Morgen ist es nun wieder so weit und wir dürfen unserer(m) Herzallerliebsten mit Blumen zum Valentinstag erfreuen. Im letzen Jahr bin ich unter der gleichen Überschrift auf die Suche gegangen, um herauszufinden, wo die heiß begehrten Rosen so herkommen. Ich hatte festgestellt, das die meisten Blumen, die fair gehandelt werden, nicht mehr aus Afrika kommen, sondern aus Lateinamerika, aus Ecuador um es genauer zu sagen. Sicherlich ist dies auch eine Auswirkung, die seine Ursache in den Gewalttaten nach den Wahlen 2007 in Kenia hatten. Auch in den Zentren des Bulmenanbaues um den Naivashasee führten sie  zu Ausschreitungen und Vertreibungen, weil sich hier Menschen aus verschiedenen Etnien in einem relativ kurzem Zeitraum ihr neues Lebensumfeld eingerichtet hatten. Dies führte nicht selten zur Benachteiligung der ansässigen Bevölkerung.

An dieser Stelle ist sicher dem fairen Handel eine Lanze zu brechen. Sie zahlen überdurchschnittliche Löhne und gewährleisten ihren Mitarbeitern medizinische Betreuung und Bildung. Im vorigen Jahr machten sie 0,16 Promille aller in der Blumenzucht in Kenia Beschäftigten aus, also eher die glückliche Ausnahme. Nun verkünden Fair Trade in diesem Jahr  eine Steigerung ihres Umsatzes um ca. 12 %. Das sagt aber nichts aus. Ist der kommerzielle anbau zurückgegangen oder ist die Nachfragen insgesamt nur gestiegen? Auch im restlichen Inhalt sind wenige wirklich aussagekräftige Argumente enthalten. Überzeugen Sie sich selbst…

Nach der größten Hungerkatastrophe am Horn von Afrika im letzten Jahr, die immer noch nicht überwunden ist, stellt doch die Frage, ist es überhaupt fair, in einem Land das nicht genügend Nahrungsmittel für den Eigenbedarf herstellen kann, die fruchtbarsten Gebiete vorzuenthalten, um für satte Menschen in Europa Blumen zu produzieren, benötigen sie doch überdurchschnittlich viel Wasser für ihren Gedeih? Ist es nicht die selbe Fairness, die einem Fußballspieler nachgesagt wird, der in jedem Spiel nur fünf Mal einem anderen ein Bein stellt? Wäre es nicht an der Zeit Blumen wieder im eigenen Land herzustellen und beispielsweise 1% des Gewinnes zur Verfügung zu stellen, das auf den ehemaligen Farmen Nahrungsmittel hergestellt werden können, die helfen den Hunger auf dem Kontinent zu verringern und unzählige Flüge nach Afrika mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern heute unnötig machen? Ist nicht diese Berichterstattung dazu angelegt, nicht die Zustände zu verbessern, sondern uns ein guter Gewissen einzureden?

Am Schluß meine diesjährigen Betrachtungen, möchte ich den Fokus auf Sie, lieber Leser, lenken und mich direkt an Sie wenden. Keine Sorge, auch wenn ich mich freuen würde, sie brauchen nicht zu spenden. Ich möchte, das Sie mal einen Augenblick innehalten und sich diese Frage in Ruhe überdenken.

Sind die Feste für uns da oder wir für den Festtagsverkauf?

Sicherlich habe ich gerade den ungünstigsten Tag für diese Frage ausgewählt, scheint es auf den ersten Blick. Ganz weit gefehlt es ist der Erste in diesem Jahr, wenn sie nicht schon Geburtstag hatten. Sollten wir im Umgang miteinander nicht bessere Formen finden können, als unser schlechtes Gewissen quartalsweise mit einem Notgeschenk zu beruhigen? Ich will jetzt nicht alle Händler mittellos machen, sicherlich ist es auch schön mal einen Strauß Blumen, eine Schachtel Praliné oder einen Akkuschrauber, verbunden mit einem hinreißenden Lächeln, geschenkt zu bekommen. Aber muß der Alltag deshalb stumpf und grau sein? Ziehen wir doch den Stecker von der Geschirrspülmaschine und waschen jeden Tag für unsere Liebste ab, die fünf Minuten lassen sich immer abzweigen und die letzte Mail, können sie auch mit Spülhänden schreiben. Es sieht ja keiner!

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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7 Antworten zu Sag mir wo(her) die Rosen sind – reloaded 2012

  1. muzungumike schreibt:

    Hallo Solveigh, nicht mehr mitspielen ist schon einmal ein guter Anfang. Wir müssen Alternativen schaffen, damit orientierungslose Menschen wieder ein lebbares Ziel haben. Leider habe ich gerade wenig Zeit und es stockt mit meiner wiki. Ich denke nächste Woche hab ich wieder ein wenig mehr Zeit

  2. Martin Bartonitz schreibt:

    Hallo Mike,
    ich hatte mal irgendwo aufgeschnappt, dass die Hälfte unseres Wasserbrauchs nicht in Deutschland erfolgt sondern in den Ländern der dritten Welt, wo unsere Waren produziert werden. Damit verlagern wir also auch den Ressourcenverbrauch von uns weg und halten unsere Welt künstlich besser als es wäre, wenn wir hier produzierten. Ich hatte ja auch schon mal das Thema ökoligischer Fußabdruck aufgenommen ( http://faszinationmensch.wordpress.com/2010/12/22/wie-gros-ist-dein-okologischer-fusabdruck/ ). Obwohl ich schon sehr aufpassen, habe ich noch immer einen von 2,2, sprich wenn jeder Mensch dieser Erde so leben würde wie ich, bräuchte wir 2,2 Erden. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und auch dazu, mir noch mehr Gedanken über meinen Konsum zu machen.
    Auch die Frage, ob es denn nicht gut sein, dass wir die Produkte in den dritten Ländern hier kaufen und damit doch den Armen dort ein Einkommen ermöglichen, möchte ich damit beantworten, dass wir sie nur zu unseren Lohnsklaven machen. Erst sorgen wir dafür, dasss durch den Verkauf unserer subventionierten Nahrungsmittel der Markt dort kaputt gemacht wird und die Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und anschließend lassen wir sie für uns arbeiten.
    Das ist mehr als ein beschissenes Vorgehen.

    • Solveigh Calderin schreibt:

      Das ist mehr als ein beschissenes Vorgehen.
      Genauer formuliert ist es hochkriminell!

      Du sprichst vom „wir“ als die Verursacher dieser kriminellen Machenschaften.
      Ich nehme mich da ganz ausdrücklich aus, nicht weil ich hier nicht konsumiere, sondern weil ich nicht die Ursache dieser kriminellen Machenschaften bin.
      Ich wäre nämlich heil zufrieden, wenn ich reife Birnen und Äpfel aus meiner Umgebung (und zwar ohne mit dem Auto zu irgend einem Bauern fahren zu müssen) zu einem anständigen Preis kaufen dürfte, statt das durch und durch unreife Zeugs aus China, Chile, Österreich und was weiß ich nicht alles woher zu kaufen gezwungen wäre, das vielleicht noch im Geschmack, aber schon langer nicht mehr in seiner Konsistenz an die Früchte erinnert, die sie vorgeben zu sein!
      Beispiel: Eine Birne hat weich, süß und saftig zu sein. Was ich bekomme ist: hart wie Kohlrabi, manchmal süß und mit wenig Saft.
      Die Früchte faulen oft von innen, bevor sie richtig reif geworden sind. Wir bekommen also Dreck verkauft, der sich erst zeigt, wenn der Reifungsprozess einsetzt, d.h. wir Kunden werden genauso betrogen, wie die Erzeuger. Aber zwischendurch ist ja mannigfach Profit gemacht worden. Wen interessieren da schon die Menschen?
      Das kannst Du auf alle anderen Produkte übertragen.
      Ein anderer Weg ist natürlich, sich so weit wie möglich diesem Zwang zu entziehen. Ich muss im Februar keine Rosen haben! Ich muss im Winter weder Weintrauben, noch Gurken, Tomaten oder Erdbeeren haben. In diesem Punkten gebe ich Dir recht – hier können wir selbst mit-entscheiden. Ohne Nachfrage keine Produktion.

      Allerdings – die Konzerne schaffen erst die Nachfrage und produzieren dann…

    • muzungumike schreibt:

      Hallo Martin,
      ja die Hälfte vom Wasserverbrauch 90% aller Rohstoffe…..
      Dabei gibt es auch hier wieder Menschen, die nur 0,5 Erden zur Verfügung haben. Die Wenigsten davon leben bewußt so!

  3. Solveigh Calderin schreibt:

    Vielen Dank für diesen Artikel, der gleich mehrere Fragen beleuchtet, die auch ich mir immer wieder stelle – und Du bietest hier auch noch eine ganz einfache Lösung an…. Wer wird sie aufgreifen?

    Sind die Feste für uns da oder wir für den Festtagsverkauf?

    Genau aus diesem Grund habe ich mich von all‘ diesen „Festen“ verabschiedet. Ich empfinde sie als unehrlich und scheinheilig.

    • muzungumike schreibt:

      Leibe solveigh, es ist Geschäft, wer will ihnen das vedenken?

      • Solveigh Calderin schreibt:

        Ich verdenke es ihnen nicht, Mike.
        Ich spiele da einfach nicht mehr mit.

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