Regen, Regen und kein Ende der Not

Hochwasser überflutet Hütten am Tana-Fluß / Foto Daily Nation

Es ist sicherlich kein Wunder, vielleicht symptomatisch für mich, das ich in meinem 100. Beitrag, wieder an den Ort, mit dem ich begonnen hatte, nach Kenia, zurückkehre und dies aus gutem Grund. Vor einem Jahr waren die Medien voll von Schlagzeilen, Bildern und Schreckensberichten über die größte humane Katastrophe am Horn von Afrika. Nur selten liest man noch kleinere Hilferufe, das sie bis heute nicht überwunden ist, der Krieg in Somalia unbeirrt weitergeht, der täglich Tote fordert und den Flüchtlingstrom nicht abreißen läßt.

Seit zwei Monaten kommt eine neuer Umstand hinzu. Die Regenzeit hat eingesetzt. Ich hatte schon im März vorigen Jahres, zum Tag des Wassers, dazu einen Artikel verfaßt, „Verurteilt wenn es regnet, verdammt wenn nicht“. Damals  schrieb ich diesen Beitrag unter dem Gesichtspunkt des Fehlen des lebenspendenden Wassers in vielen Regionen und im Speziellen in Kenia.

Blieb voriges Jahr das segenspendende Nass fast vollständig aus, regnet es seit zwei Monaten fast ununterbrochen. Für uns, die einen tropischen Regen noch nicht erlebt haben, sind seine Naturgewalten kaum vorstellbar, „man hört ihn praktisch kommen, wenn es zu spät ist, sich in Sicherheit zu bringen“. Er hat bis auf die trocknen Gebiete im Norden Kenias verheerende Schäden angerichtet, tausende Wohnstätten zerstört, ihre Familien vertrieben, die nur teilweise in Notunterkünften untergekommen sind und fast 100 Menschen sind in den Fluten umgekommen. Die Reparatur des Straßennetzes wird auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt.

Es ist kaum möglich alle Betroffenen zu erreichen, geschweige sie mit Nahrungsmitteln, Wasseraufbereitungstabletten und Hilfsgütern (Moskitonetzen, Planen) zu versorgen. Ein Großteil, der so dringend benötigten Ernte, ist von den Regen- und Flutmassen praktisch fortgeschwemmt,  vernichtet worden, was die Nahrungsmittelknappheit und damit die einhergehenden Preissteigerungen von Nahrungsmitteln nicht lindern wird.

Doch damit ist der Umfang des Ausmaßes bei Weitem noch nicht abgesteckt. Neben den Akutbetroffenen sind auch viele weitere traditionelle Wohnstätten beschädigt worden. Die meisten Dächer sind mit Makoti, Palmenblättern oder ähnlichen Materialien gedeckt, die einen Regenguß diesen Ausmaßes nur selten unbeschadet überstehen, so das ihre Bewohner keinen schützenden, trockenen Ort mehr haben und praktisch im Nassen schlafen müssen. Auch viele Schlangen und Echsen suchen Zuflucht vor den Naturgewalten. So ist die Gefahr, an Flußläufen von Krokodilen angegriffen und getötet oder von Schlangen gebissen zu werden, sehr hoch. Die größte Gefahr und von der sind alle betroffen sind die Moskitos, die Anophelesmücke, der Malariaüberträger, die jetzt unzählig in allen Brachwassern gedeihen. Die Malariarate und auch die Schwere ihres Verlaufes sind überdurchschnittlich hoch gestiegen.

Zu Beginn des vorigen Monates forderte der Premierminister Raila Odinga in einer Rede vor dem Wirtschafts- und Sozialrat (NESC) erneut auf, sich dieser Herausforderung zu stellen: „Wir suchen Lösungen, die das Leid der Mwananchi (Keniaer) sowie die Auswirkungen, diemit Katastrophen durch den Klimawandel wie Überschwemmungen, Dürren und andere extreme Wetterbedingungen verbunden sind,  zu lindern“, sagte er.

Sein Resümee ist ernüchternd. Rund 20 Prozent aller Kenianer leiden unter chronischem Nahrungsmittelknappheit und Mangelernährung obwohl Kenia ein Agrarland ist. Verschärfend ist in den letzten Jahren ein Rückgang des Wirtsachaftswachstum zu verzeichnen. In Anbetracht der Weltwirtschaftslage, der Finanz- und EURO-Krise forderte er auf, verstärkt nach nationalen Lösungen zu suchen. Im letzten Jahr sind fünf Staudämme fertiggestellt worden, um den Wasserlauf  darunter in Kiserian, Region Kajiado und ein weiterer in Maruba im Gebiet Machakoszu zu regulieren und in der Dürrezeit Wasser zur Verfügung stellen zu können.

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