Jede Tat zählt – Baraka Primary School Tansania

Heute aus gegebenen Anlaß, denn vor wenigen Tagen, am 19. Juni, fand die Aktion „Dein Tag für Afrika“ statt, möchte ich mich erneut dem Verein Jambo e.V. widmen, der in Tansania aktiv eine Schule, die im Massai-Gebiet liegt, unterstützt. Der Tag für Afrkia wird schon seit zehn Jahren von der Initiative „Aktion Tragwerk“ durchgeführt und hat sein Hauptaugenmerk auf der Bildung. Dieses Mal stand die Aktion unter dem Motto „Jeder Tag zählt“. Ich möchte es ein wenig erweitern, „jede Tat zählt“, wenn es um die Verbesserung der Information über die Lebensumstände in Afrika sowie allen anderen Entwicklungsländern und ihre Veränderung geht.

Nun ist schon fast ein Jahr vergangen und in wenigen Tagen begeben sich die Initiatoren von Jambo e.V. erneut auf die Reise an den Ort mit dem märchenhaften Namen Mtu Wa Mbo, in Tansania, um Schüler, den Schulmanager, Herrn Yesse Meena sowie weitere Freunde in Ostafrica zu besuchen. Sie kommen auch dieses Mal nicht mit leeren Händen. Ich hatte voriges Jahr über die Ziele des Vereines und das Ergebnis dieser Safari ausführlich hier berichtet. Es ist an der Zeit, sich wieder ihm zu zuwenden und darüber erneut zu berichten, denn im zurückliegenden Zeitraum ist viel geschehen.

Seit Beginn, vor zwei Jahren, stehen Schüler der Schule in Tansania mit Schülern des Gymnasiums in Taunusstein in brieflichem Kontakt und erfahren so viel über den Alltag aus einer für sie nicht vorstellbaren Welt. Unter dem Thema „was siehst du, was ich nicht sehe“, lernten so die Kinder völlig neue Eindrücke und Perspektiven kennen. Daraus entwickelte sich im letzten Jahr hier an der deutschen Schule eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigt. In mehreren Informationsveranstaltungen an der Schule, stellten die Schüler ihre Arbeiten vor und sammelten für die Partnerschule in Mtu Wa Mbo Spenden. In Vorbereitung auf den 19.06.12 nahmen Schüler einer Klasse im Februar an dem zentralen Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik „Eine Welt für alle“ teil und beschäftigten sich in kleinen Gruppen mit dem Leben in Tansania. Die Exponate wurden nach der Ausstellung eingesandt und eines der Austellungsstücke erreichte den 4. Platz. Die Schüler wurden mit einem Preisgeld geehrt. Sie beschlossen, die Prämie der Patenschule in Tansania zur Verfügung zu stellen.

Neben der schrittweisen Verbesserung der Ausstattung der Schule ist das derzeitigen Hauptanliegen des Vereines, das zerstörte Küchengebäude neu zu errichten, denn zum jetzigen Zeitpunkt findet die Essenversorgung unter freiem Himmel statt. Der Anfang war nicht ganz einfach, denn es galt schnell zu handeln. So mußte schon zum Zeitpunktes des Entwurfs versucht werden, Aussagen über die Höhe der Baukosten zu machen. Sie werden sich auf rund 13.000 € belaufen. Die ersten Gelder sind gesammelt und im Frühjahr in Tansania eingetroffen. Mit den Gründungsarbeiten wurde in den letzten Wochen begonnen und der Masterplan liegt pünktlich zur Abreise auch vor.

Masterplan Küchengebäude Baraka Primary School Tansania / M. Schmidt

Mit diesem Projekt ist gleichzeitig ein Startschuß für eine neue Aktion gegeben worden, denn das Projekt ist „open source“. Das heißt es wurde unentgeldlich zur Verfügung gestellt und kann von weiteren Initiativen zu gleichen Bedingungen genutzt werden. Bedenkt man, das die Planungskosten auch in Afrika rund 20% der Baukosten ausmachen, wird schnell klar, das dadurch weniger Spendengelder notwendig sind und sie direkt den Vorhaben zufließen können.

Seit wenigen Monaten gibt es für den Verein ein neues Betätigungsfeld. Der Schulleiter Herr Meena bat um die Unterstützung von guten Schülern für die Secoundary School, denn alle weiterführenden Schulen und Ausbildungen sind in Tansania kostenpflichtig. So ist vielen Schülern eine bessere Ausbildung  verwehrt, weil sich die Eltern diese nicht leisten können. Dies betrifft besonders Ethnien, die heute noch Nomaden sind, wie die in der Region Ansässigen Massai. Aus diesem Grund ist es wichtig, Kinder mit Stipendien finanziell zu unterstützen, damit sie für ihre Familie und für das Land eine höhere Bildung erlangen können. Darin sehen viele Initiativen, siehe u.a.. Harmbee, eine der Hauptursachen für die Rückständigkeit in den Entwicklungsländern. So konnten auch Jambo e.V. Menschen dazu gewinnen, eine persönliche Patenschaft für ein Kind zu übernehmen. Da vor allem auch Mädchen gefördert werden, trägt es gleichzeitig dazu bei, das langfristig die Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen verringert wird.

Auch in Tansania war man nicht ganz untätig. So entschloß sich der Schulleiter Herr Yesse Meena, noch einmal sich selbst auf die Schulbank zu setzen, um so in der Schule für eine bessere Qualität zu sorgen.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Beitrag Sie dazu animiert, sich mit dem Thema etwas intensiver zu befassen und Sie für sich selbst eine Möglichkeit finden, diese oder ähnliche Initiativen zu unterstützen – jede Tat zählt!

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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6 Antworten zu Jede Tat zählt – Baraka Primary School Tansania

  1. Mel schreibt:

    Es ist zwar etwas spät, aber vielleicht kann ich etwas dazu sagen, weil ich vor Ort war. Es geht hier nicht um unsere Bildungsstandarts (damit bin ich vertraut, denn ich komme aus diesem „Geschäft“ und bin mit einigem nicht ganz glücklich), sondern darum, Menschen ein Chance zu eröffnen, einen Beruf ergreifen zu können. Die Chance zu haben, zu lesen und zu verstehen, wenn ihnen etwas vorgelegt wird. Rechnen zu können, damit man nicht betrogen werden kann. Es geht darum, nicht am Rande der Gesellschaft leben zu müssen. Es ist ein Unterschied, ob ich z.B. nach der Schule mich für ein traditionelles Leben als Massai entscheiden KANN, oder ob ich es nach gar keinen oder wenigen Jahren Schule tun MUSS, weil es sonst keine Option gibt.
    Es ist ein Unterschied, ob ich als Lohnarbeiter unter schlechten Bedingungen zu jeder Kondition arbeiten MUSS, oder ich ein Chance habe, einen gut bezahlten Job zu bekommen und den eigenen Kindern eine besser Zukunft zu ermöglichen. Das wünschen sich einige der Menschen dort, wie wir aus Gesprächen erfahren haben.

    Es geht darum den Anschluss an eine, auch in Afrika, moderner werdende Gesellschaft zu finden. Leider gibt es heut immer weniger Chancen, dies zu umgehen. Und Menschen, die dies wollen und nicht können, sollte man, so denke ich, die Möglichkeit geben dies zu tun. Und wir haben Eltern und Kinder kennengelernt, die das wirklich wollen, aber nicht können. Welchen Preis sie dafür zahlen oder nicht, das werden sie selbst sehen, bzw, wird das erst die Zukunft zeigen. Vielleicht ist es ganz anders als hier, da die Menschen anders ticken? Wer weiß das schon. Doch in meinen Augen ist unbestreitbar, das Bildung ein Schlüssel zum Fortschritt ist. Ob man diesen gut heißt oder nicht, muss man jedem selbst überlassen, dazu muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Die Chance muss man jedem lassen.

    Alles, was wir mit Jambo!e.V. z.B. tun, geschieht in Absprache mit den Lehrern und Eltern vor Ort. Und es geschieht so, wie es die Menschen vor Ort wünschen, nicht, wie es uns vielleicht gut erscheinen mag (da höre ich von Nicht-Vereinsmitgliedern manchmal die wildesten Vorschläge). Es ist eine andere Gesellschaft, mit anderen Ansprüchen, die man bei jeder Form von Hilfe berücksichtigen muss. Entwicklungshilfe bedeutet, für uns jedenfalls, Hilfe zur eigenen Entwicklung zu geben, nicht, die Entwicklung vorzugeben. Den Weg müssen die Menschen selbst finden, die erste Hürde können wir jedoch ein wenig kleiner machen.

  2. mayarosa schreibt:

    Lieber Mike, Bildung ist sicher ein wichtiger Schritt gegen Unterdrückung jeglicher Art. Ich wünsche dir und den Kids alles gute beim Projekt.
    (Insgesamt sehe ich Entwicklungshilfe als zweischneidiges Schwert, aber das wäre jetzt ein langer Kommentar)

    • muzungumike schreibt:

      Vielen Dank Maya, ich weiß nicht wie weit du dich bei mir in das Thema Entwicklungshilfe reingelesen hast („Fast in eigener Sache“). Ich weiß, um die Doppeldeutigkeit. Bei „Entwicklungshilfe 3.0 spricht Frau Vonwald dinge aus, die könnte auch ich gesagt haben, weil ich genauso fühle. Ich würde mich freuen, wenn wir Bedenken bei Seite lassen und mit dem Herzen helfen. Vielleicht hast auch Du die Möglichkeit, etwas zu spenden – jede Tat zählt.

      • mayarosa schreibt:

        Tut mir leid, Mike, zum Lesen von Blogs habe ich im Moment nur ganz sporadisch Zeit. Deswegen ist ja auch meiner so verloddert … komm‘ ich auch kaum noch zu.
        Ich spende regelmäßig und auch mal so zwischendurch an amnesty international und Ärzte ohne Grenzen, weil ich von der Arbeit dieser beiden Organisationen überzeugt bin. Habe auch schon Oxfam-Geschenke gemacht. Und sonst halt eher regionale Sachen. LG

  3. muzungumike schreibt:

    Hallo Martin, Schule ist immer ein zweischneidiges Schwert oder eine Gradwanderung. Ich werde die Frage an beide Projekte weitergeben, da ich sie nicht vollständig beantworten kann.
    Vorab meine persönliche Position dazu. Warum ist Afrika rückständig? Weil jede Bildung die über die Pramary School hinausgeht GELD kostet. In Klassenstärken (Prämary) von bis zu 80 Kinder pro Klasse, können die Meisten nach Absolvierung der Schule die Bibel lesen und drei Zahlen untereinander schreiben und zusammenaddieren. Wenn es überhaupt möglich ist sie zu besuchen, denn Schulkleidung, muß so oder so finanziert werden. Als ich in Kenia gearbeitet habe, ging einer meiner Helfer, ein erwachsener Mann, am Sonntag in die Schule, seinem einzigen freien Tag in der Woche, denn es wird sechs Tage gearbeitet, um seinen Schulabschluß nachzuholen. Dies ist keine Seltenheit. Die Lehrer gehen abends noch zu Kindern und geben Nachhilfeunterricht, wo es möglich ist. Das sind noch Lehrer mit Berufung. Hinzu kommt das Afrikaner heute noch sehr traditionsverbunden sind. Neben der elementaren Schule lernen sie viel im Familienverband. Sicherlich schreien wir laut auf, weil sie „arbeiten“ müssen. Aber vor 40 Jahren war das hier nicht anders. Mir hat es nicht geschadet und ich wäre heute wahrscheinlich nicht der Querkopf ohne diese Erfahrungen. Ich glaube nicht, das in der Vonwald Primary School oder in der Schule von Yesse mitten im Massai-Gebiet Arbeitsdrohnen für Konzerne gezüchtet werden, denn die Schulpläne machen dort noch die Lehrer selbst.
    Es liegt in unserer Hand, ob in 10 Jahren nicht dort auch Praktiken herrschen, wie wir sie hier erleben. Die Tendenz ist da, um nicht zu sagen, das sie schon in den gehobenen Schichten sich eingebürgert hat! Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich Menschen in Afrika klar machen konnte, wie hoch der Preis ist, den wir für unseren „Luxus“ zahlen müssen. Die Schule ist nur ein Puzzelteil in einem System das aus den Fugen geraten ist, weil es alle Grenzen niederreißt, um daraus Profit zu schlagen. Die Menschen sind den Profiteuren egal, Kind, Mann Frau oder Greis. Ich erlebe die Auswirkungen ja am eigenen Leib.
    Schau Dir den Beitrag von Gabiela Vonwald an, https://muzungumike.wordpress.com/2012/04/06/harambee-social-living-project-entwicklungshilfe-3-0/ und ich glaube es bleiben keine Fragen mehr offen. Viele Grüße nach Kölle Mike

  4. Martin Bartonitz schreibt:

    Hallo Mike,
    inzwischen bin ich, was unsere Schule als Normierungs- und Gehorsamsystem angeht, sehr sensibel geworden. Auch was die höhere Bildung angeht, krampft mittlerweile mein Bauch. Was wir lernen, dient größten Teils dazu, Arbeitsdrohnen für die Konzerne zu formatieren. Leider bleibt dabei vermehrt das Lernen fürs Leben auf der Strecke. Nick hatte es ja heute morgen nochmals ziemlich auf den Punkt gebracht: Über das Lassen von mehr Spielräumen für einen geerdeten, mündigen Menschen….
    Ich würde es den Kindern in dieser Schule sehr wünschen, dass sie nicht auf durch unser Aus-Bildungssystem gehen müssen, sondern wenn die Konzepte der z.B. freien Schulen zum Tragen kämen. Kannst Du dazu etwas sagen?
    LG Martin

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