Weltuntergang 2012 – Zwischen Hilflosigkeit und Hoffnung

Kommentar zum Artikel „Weltuntergang 2012 – Zwischen Angst und Hoffnung“

Quelle: The Intelligence von 19.08.12

Beginnen wir mit der Angst, denn sie ist das zentrale Thema. Es ist nicht die Angst, die uns zwangsläufig lähmt. Angst ist ein Überlebensinstinkt, also grundsätzlich nicht Falsches, denn fast jedes höher entwickeltes Lebewesen besitzt sie. Daraus entwickeln sie ihre, verschiedene Überlebensstrategien, Flucht, Ohnmacht. Wir haben als Mensch mit wenigen anderen Arten eine Weitere entwickelt, die Situation „durchzustehen oder zu verändern“. Was wirklich gefährlich ist, ist die immer stärker um sich greifende Hilflosigkeit, die aus dem Mangel entsteht, selbst wenig Erfahrungen gesammelt zu haben, die unsere „zivil courage“ aushebelt. Nur eine der dazu führenden Praktiken war und ist sicherlich die Religionen (Buddhismus mal ausgeschlossen). Heute kommen viele Annehmlichkeiten hinzu, die uns praktisch all unser Sorgen entledigen und uns in der Annahme bestärken, uns kann nichts geschehen. Tritt aber eine unvorhergesehene Situation ein, die wir nicht einschätzen können, für die wir in unserem rationalen Gedächtnis kein Abbild besitzen, brechen wir in Panik (Flucht) aus oder möchten am Liebsten im Erdboden versinken (Ohnmacht). Dies setzte aber den Prozeß in Gang, den wir hinlänglich als Entwicklung, Fortschritt bezeichnen, der grundsätzlich nur als Verlassen, der von uns gewohnten Umgebung, Lebensumständen begriffen werden sollte. Wir haben verlernt, das dazu immer auch ein Risiko des Scheiterns verbunden war, weil wir in keiner natürlichen Umgebung mehr leben. Heute ist Fortschritt meist nichts mehr zielorientierte, manipulierte Werbung.

Alles befindet sich in Wechselbeziehungen und einem gewissen dynamischen Gleichgewicht. So stehen also auch Vor- und Nachteile in einem direkten kausalem Zusammenhang, „wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“.

Ich bin kein Geschichtswissenschaftler und meine Erkenntnisse beruhen nur auf dem Studium von Sekundärliteratur. Aber gehen wir 5000 Jahre zurück, ins goldene Zeitalter (Agypten, China). Wissenschaftler haben herausgefunden, das es erst zu diesem Zeitpunkt kriegerische Auseinandersetzungen gegeben haben soll. Nachgewiesen sind Kriege, die  z. B. mit Hungerkatastrophen in alten ägyptischen Reich, die mit dem Austrocknen der Lebensader Nil in Verbindung stehen sollen. Waren Umweltkatastrophen oder erste Fehlentwicklungen der menschlichen Gemeinschaft die Ursache oder beides? Ich will nicht spekulieren. Ich gehe davon aus, das zu diesem Zeitpunkt eine gewisse Kultur schon erreicht war. Auch wenn es von dieser Zeit keine Aufzeichnungen gibt, wurde doch Wissen weitergegeben, die eine Entwicklung möglich machte, diese setzte doch nicht spontan ein. Die Entwicklung der Schrift ist doch letztendlich nur die konsequente nächste Stufe gewesen, weil es notwendig war, die Fülle des Wissens festzuschreiben. Aber wie viel Wissen ist damit erhalten geblieben und wie viel für immer verloren gegangen, weil es nicht mehr in seiner Vielfältigkeit an Erfahrungen weitergegeben worden ist? Der Glauben ist und war nur eine hypothetische Schlußfolgerung, dessen was man „wahrgenommen“ hatte und beinhaltete natürlich auch Verhaltensregeln für die Gemeinschaft, die das Woher erklären und das Überleben sichern sollten. Da ist es auch nicht verwunderlich, das man scheinbar ohne Kontakt untereinander zu ähnlichen Erkenntnissen kam. Die Voraussetzungen der Wahrnehmung waren doch auch ähnlich. Auch heute noch können wir das gleiche Phänomen feststellen.

Durch die sich verstärkende Arbeitsteilung entwickelte sich zu diesem Zeitpunkt der Prozeß der Urbanisierung (Verstädterung), der zu diesem Zeitpunkt eine Beschleunigung der Entwicklung möglich machte und bis heute anhält. Geld ist da doch bloß ein Bestandteil, nicht das Grundübel. Zu diesem Zeitraum sind viele Hochkulturen entstanden und verschwanden wieder. Es gab immer Epochen großen Wissenszuwachses (wie später in der Antike, Renaissance) und Zeiten erbitterter Wissensvernichtung (Inquisition, Faschismus). Vielleicht ist die Zivilisation die nächste Hochkultur die zum Scheitern verurteilt  und dem Untergang geweiht ist. Wer sagt uns das die gesamte Menschheit damit zwangsläufig verschwinden wird?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum reagieren Menschen so unterschiedlich. Ich hatte schon versucht in dem Essay „Ist Wohlstand vielleicht doch eine Krankheit“, die Ursachen anzureißen. Ich bin davon überzeugt, das wir Situationen viel zu oberflächlich und voreingenommen beurteilen. Auf den „Schlachtfeldern der Anderen sind wir immer die heimlichen Sieger“ wissen wir immer einen Rat oder kennen einen Trumpf, der sticht. Haben wir deshalb die Realität mit den Augen des Anderen gesehen und die Situation mit seinen Erfahrungen eingeschätzt? Ich habe oft Diskussionen nach einem Kino- oder Theaterbesuch erlebt, wo ich glaubte, wir haben völlig verschiedene Vorstellungen erlebt. Ist es in der realen Welt anders? Wie lange muß man sich kennen, um sich in den anderen hineinversetzen zu können? Es ist aber üblich, vorschnell Urteile zu fällen. Ist das gerecht? Wir leben heute in einer Welt, in der wir uns aus verschiedenen Gründen selbst zum Sklaven machen. Geht es Menschen, die scheinbar alles haben, anders? Wir wissen es und hassen uns teilweise sogar dafür. Wir nehmen uns abends vor, ab morgen mach ich es anders und dann kommt es wieder anders als gewollt. Geht es uns alleine so? Wo liegt die Ursache dafür, nur am fehlenden Willen? Es nützt nichts, nur einen Aspekt heraus zu greifen. Das Leben ist komplex. Also können Veränderungen auch nur komplex erfolgen, also mit Stumpf und Stiel. Viele fragen sich heute warum sind unsere Politiker denn so und warum sind die Bänker so. Ich will mal ein Stückchen weiter ausholen, weil ich die Geschichte schön finde und sie einiges erklärt, Siddhartha Gautama (Buddha). Weissagungen zu seiner Geburt sagten voraus, das er ein König oder ein großer heiliger Mann werden würde. Sein Vater wollte, das er ein großer König wird und ließ ihn abseits von jedem Leid in Wohlstand erziehen und verheiratete ihn früh. Ihm wurde erzählt, wie gefährlich das Leben außerhalb der Palastmauern wäre und es war ihm verboten, allein ihn zu verlassen. „Sie lebten in einem Palast, wo ihnen alles, was zum Wohlleben gehörte, zur Verfügung stand und den er kaum verließ. Dennoch war er unzufrieden und unausgefüllt. Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula, verließ er das vermeintlich sorglose Leben, welches er bis dahin im Palast führte, und unternahm Wanderungen durch die Umgebung. Dabei sah er sich erstmals der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenübergestellt. Die Legende berichtet von Begegnungen mit einem verkrüppelten Greis, einem Fieberkranken, einem verwesenden Leichnam und schließlich einem Asketen („Vier Zeichen“). Er erkannte, dass diese Realitäten – Altern, Krankheit, Tod und Schmerz – untrennbar mit dem Leben verbunden sind, dass auch Wohlstand und Reichtum dagegen keinen Bestand haben, und beschloss, nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen,“ (Quelle Wikipedia) soweit die Geschichte.

Nun betrachten wir uns, wo ist da ein Unterschied? Wann betrachten wir die Realitäten der Anderen? Wir fahren in Urlaub, um die gleiche Situation vorzufinden, die wir zu Hause verlassen haben oder eine Bessere, warum? Weil unser Körper ein komplexes Gefüge ist und dieses nur ungern Veränderungen in Kauf nimmt. Er bestraft uns mit Darmbeschwerden, wenn wir uns unser gewöhnlichen Kost entziehen. Dieses Beispiel klingt belanglos für den Kampf den Kranke oft trotz allen Willens, den sie aufbringen, unterliegen. Für viele ist es unvorstellbar als back packer durch Afrika zu reisen und doch leben dort Millionen Menschen unter wesentlich schlechteren Voraussetzungen, weil sie weder Bett noch Kreditkarte besitzen. Uns wird Angst und Bange nur bei dem Gedanken, der Strom könnte eine Woche ausfallen und unsere Urgroßväter kannten ihn noch nicht. Im wenigen Momenten erahnen wir, wie dünn unsere Decke ist, die wir uns als Schutz vor der Natur aufgetürmt haben. Ist es nicht vorstellbar, das die gesamte Anhäufung von Geld und Macht, die wir als Gier bezeichnen, nicht einfach aus dem Urinstinkt Angst, bestehende Sicherheiten aufgeben zu müssen, heraus erwächst, weil sie in einer anderen „Welt“ nicht überleben würden? Ist die ganze Manipulation, nicht dem Verlust der Realität an Umwelt zu zuschreiben? Wir reden von Staaten und sonstigen virtuellen Hyperkonstruktionen wie die EU und wissen doch, das wir keine staatenbildende Wesen sind, das unsere Wurzel in der Familie und Verwandschaft (Sippe) verankert sind. Wenn wir nach neuen Lebensformen suchen, sollten wir wieder beginnen kleiner zu denken. Der Größenwahn hat bekanntlich schon immer geschadet.

Wer zur Quelle will, muß gegen den Strom schwimmen und die Stromschnellen frühzeitig erkennen. Dieser Weg, da er für uns alle eine Ortsveränderung aus bekannten Gebiet bedeutet, bleibt ebenso, wie der Weg hier her nicht ohne Fehler, wird Irrtümer mit sich bringen und wird Opfer kosten. Wie gehen wir damit um? Darüber sollten wir uns im Klaren sein. Die heutige Anforderung an die Zeit ist, die Verbindung wieder herzustellen zwischen den angehäuften Erkenntnissen und unserer Lebensgrundlage, der Erde, um nicht kommenden Generationen die Existenzgrundlage zu entziehen. Dafür haben wir nicht mehr sehr viel Zeit.

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