Jogi’s-Mario-netten-Show

Die Idee zu diesem Thema, kam mir schon vor reichlich einem Jahr bei der letzten Fußballeuropameisterschaft der Herren. Ich gebe es zu, wenn es mir möglich ist, hocke ich bei fast jedem Fußballspiel vor dem Bildschirm, um mir das Treiben des Balles auf dem grünen Rasen anzuschauen. Da ich viele Jahre selbst dem Ball leidenschaftlich, mit weniger Erfolg, hinterher gelaufen bin, sehe ich es sicherlich, wenn auch durch den zeitlichen Abstand zu meinem Spiel, eher aus dem Blickwinkel des Spielers auf dem Rasen. Heute betrachte ich das Spektakel lieber aus einem gewissen Abstand heraus und so ist es auch nicht verwunderlich, das man mich nicht im Stadion antrifft. Ich kann nicht behaupten, Fan einer Mannschaft zu sein und freue mich mehr über ein gutes, technisch brisantes Spiel als über den Sieg der Mannschaft X. Oft leide ich eher still mit der unterlegeneren Mannschaft und unterlasse all die frenetischen Ausbrücke, die heute als Ersatz für eigene körperliche Betätigung scheinbar dazu gehören. Da nun der Zeitpunkt aus meiner Sicht reif zu sein scheint und jeder seinen Senf dazu gibt, will ich es diesmal auch nicht unterlassen. Jeder, der hier schon ein wenig gelesen hat, wird ahnen, das es mir mehr um die indirekten Freistöße als die Foul-Elfmeter geht.

Wo ist die Zeit hin, in der die Spieler noch das Maß der Dinge waren? Betrachtet man nur allein die Übertragungszeit und das organisatorische Drumherum, ist doch das Spiel schon zur Nebensächlichkeit geworden. Ganze Städte verwandeln sich schon Stunden vor den Spiel in eine belagerte Festung und vor und nach dem Spiel wissen viele Fachleute scheinbar besser, wie das Spiel laufen sollte. Es ist fast schon ein Wunder, das ab und zu noch ein direkt Beteiligter zu Wort kommen darf.

Aber lassen wir all diese Unwägbarkeiten der modernen Mediengestaltung bei Seite und wenden uns dem Eigentlichen, dem Spiel, zu. Da ich gern, trotz allen Fangehabes mir das Spiel in der Gemeinschaft ansehe, ging ich gestern in die Kneipe um die Ecke, um mir das Spiel anzusehen. Der unschlagbare Vorteil  ist dort ein riesiger Flachbildschirm, den ich mir nie für da Heim anschaffen würde. Da der Gegner Paraguay war, ging ich schon mit gemischten Gefühlen hin und war mir sicher, da kann eigentlich alles passieren. Im Gastraum wurde unsere Mannschaft hoch gehandelt und ich wunderte mich schon, das niemand auf ein zweistelliges Endergebnis tippte. Der Ausgang des Spieles ist ja hinlänglich bekannt und die Ernüchterung trat ein. Kaum ist das Spiel vorbei, beginnt man, an ausgewachsene Menschen Schulnoten zu vergeben, ohne selbst den geringsten Ansatz von Objektivität oder Vergleichsmöglichkeiten zu besitzen.

Doch kommen wir, und da liegt meines Erachtens des Pudels Kern, zum Spiel. Wie in allen Spielen zuvor und allen die noch kommen werden, gibt es eine wichtige Grundregel, „Unterschätze nicht deinen Gegner!“. Es ist völlig nebensächlich wie gut die Taktik ausgefeilt wurde und welche Raffinessen der Trainer sich ausgedacht hatte, mit dem Anstoß beginnt die Stunde der Wahrheit und die müssen nun mal die Spieler auf dem Platz umsetzen. Dabei sollte man berücksichtigen auch der Kontrahent bereitet sich auf dieses Ereignis vor und will das Match für sich entscheiden. Dies ist uns sicherlich gestern sehr deutlich vorgeführt worden. Hier geht es nicht um die Summe von elf Leistungen auf vorgeschriebenen Laufwegen, sondern das die Mannschaft nur so gut ist wie sein schwächster Spieler. Ein Trainer und sein Stab sind sicherlich wichtig. Aber sie können nur die Qualitäten der Spieler hervorbringen, betreuen und sie nicht von der Linie aus dirigieren zu wollen. Da macht auch unser Trainer keine Ausnahme, auch wenn er versucht noch so charismatisch aufzutreten. Am Ende sollte die Leistung entscheiden, zu der er die Mannschaft befähigt hat und der ganz große Wurf ist dem heimlichen Weltmeister noch nicht gelungen. Wer gestern Augen im Kopf hatte, konnte klar sehen, wie wenig dort leidenschaftlich individuell aus der Situation heraus gespielt wurde und kam es mal zu Stande, waren es die Situationen die für Gefahr sorgten oder sogar zu einem Treffer wurden. Beispielnehmend an großen Fehlleistungen der Geschichte versuchen wir erneut, etwas vorauszuberechnen, was nur in dem Augenblick entschieden werden kann, in dem es geschieht. Das ist die Logik des Spiels, des Lebens. Unsere Herren sollten sich an unseren Frauen lieber ein Beispiel nehmen, die diese Tatsache vor einigen Wochen sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, der Kampfeswille ist das Zünglein an der Waage, die zum Erfolg führt. Nach den Spiel ist vor dem Spiel – schaun wa mal!

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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