Ukraine – Zukunft, Vergangenheit oder der dritte Weg – Noch ist die Ukraine nicht gestorben!

Es ist sicherlich ein offenes Geheimnis, wenn ich hier feststelle, das ich mit den Menschen in der Ukraine freundschaftlich verbunden bin. So bangte ich zur EM und vor wenigen Wochen bei der Relegation zur WM in Brasilien um die Kicker, auch wenn sie in beiden Fällen sicherlich nicht zu Favoriten zählten. Wer den Beginn der jetzt fast fertigen Reiseerzählung, „Eine Reise in eine vergessene Welt“ gelesen hat, erfährt schon einiges über das Land „am Rande“, wie Ukraine übersetzt heißt. Seit dieser Reise ist viel Wasser den Teteriw herunter geflossen und ich habe das Land schon wieder einige Male besucht.

Foto0262Es ist sicherlich nicht verwunderlich, das ich gerade den Verlauf der Verhandlungen zum geplanten Assoziierungsabkommen intensiev verfolgt hatte. Ich hatte selbst die Auswirkungen der Annäherung an Europa (Deuschland) nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Unabhängigkeit im Westteil des Landes gesehen. Viele westeuropäische Konzerne hatten sich dort im Steuerparadies mit Tochterunternehmen niedergelassen oder gründeten French Caise Unternehmen, die der zurütteten Wirtschaft des Landes nicht unbedingt dienlich waren und sind. Noch heute liegt die Jahresproduktion des Landes hinter dem Umbruchsjahr von 1990 zurück. Es ist ein tief gespaltenes Land mit zwei Sprachen, ukrainisch und russisch, die viele nationale Katastrophen erlebte und zu verarbeiten hat. So ist es nicht verwunderlich, das gerade die zugelassene Sprache in den letzten Jahrhunderten ein hochpolitische Thema war und bis heute als emotionaler Sprengstoff wirkt. Seit vorigem Jahr ist russisch  in der fast der Hälfte aller Regionen offiziell wieder zugelassen , dessen Aufhebung mit der Unabhängigkeit 1991 einen Teil der Bevölkerung praktisch zu Analphabeten im eigenen Land gemacht hatte. So paradox wie es klingt, selbst ich, der ukrainischen Sprache nur sehr wenig mächtig ist und sich auch im Westteil des Landes problemlos mit Russisch verständigen konnte, mußte auf englisch sich nach den Weg erkundigen, weil die junge Dame kein russisch verstand.

Vor wenigen Monaten war ich erneut in Zhitomir und fand jetzt auch Baumärkte in der Stadt. Als ich aber die Verkaufsräume neugierig betrat, bot sich  ein Bild, das ich nicht erwartet hatte. Neben den schon erwähnten großen Konzernen, fand ich eine Vielzahl von einheimischen Produkten.  Es gab Handwerk im Markt zu kaufen, sicherlich vieles vorgefertigt, aber von Holz- bis Eisenwaren fand Gegenstände, die eine regionale Handschrift trugen und ich gern auch hier in Deutschland dort finden möchte. Vieles hat sich hier in den letzten Jahren verändert. Es politisch eindimensional zu betrachten, wäre falsch. Ist hier vielleicht etwas am Beginnen, das weder vorrangig pro-europäisch noch pro-russisch ist, sondern seine eigenen Formen versucht zu finden?

Wer zwischen zwei Welten lebt, muß sich entscheiden

Den Beitrag hatte ich schon auf Grund der sich überschlagenden Ereignisse eigentlich verworfen, weil ich der Annahme war, das es wieder nur ein Richtungswechsel ist. Sicherlich sind beide Mächte Russland wie Europa daran interessiert, den kleinen Nachbarn an sich zu binden. Die empörten Stimmen und Vorwürfe aus Europa über den einseitigen Verzicht,  dieses Abkommen zu unterzeichen, belegen dies doch deutlich genug. Doch als ich gerade den Artikel „Noch ist die Ukraine nicht gestorben“ (FAZ, Konrad Schuller) las, kamen all diese Details, die ich teilweise selbst erlebte, wieder in Erinnerung.

Ich erlaube mir kein persönliches Urteil, ob die ehemalige Präsidentin nun rechtmäßig verurteilt worden ist oder nicht. Welches Urteil ist schon gerecht, gibt es doch immer zwei Seiten einer Medaille. Aber ob Ärzte in Ukraine, die uns in Fragen Bildung in vielen Studien auf hintere Plätze verweist, nicht in der Lage wären, Ihr eine entsprechende Behandlung zu kommen zu lassen, halte ich für mehr als nur voreingenommen. Haben wir immer noch nicht das Feindbild Russland abgelegt oder geht es hier um doch mehr? Aber einen souveränen Staat vorschreiben zu wollen, wie er sich zu verhalten hat, erinnert doch eher an koloniale Verhaltensmuster. Würden wir persönlich solche netten Gesten, wie sie hier geschehen sind, nicht auch ablehnen? Den Ausschlag hat sicherlich auch die Kräftebalance gegeben. Die Ukraine existiert nicht in einem luftleeren Raum, wie es sich vielleicht unsere Politiker wünschten. Die Ursache, der letztlich zur Ablehnung führte, war eher europäisches Großmachtstreben, das hier einen herben Dämpfer erhalten hat, nicht zu unrecht, wie ich glaube. Das Land war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, vor reichlich 20 Jahren, von allen guten Geistern verlassen und auch die europäischen, brüderlichen Umarmungen zuvor, es war ja nicht die Erste, haben tiefe Narben im nationalen Bewußtsein hinterlassen.

Der Springbrunnen fließt wieder, mit den letzten Wahlen hat sich vieles verändert

Der Springbrunnen wieder in ganzer Pracht, mit den letzten Wahlen hat sich vieles verändert

Nach den Protesten am Wochenende in Kiew, die bis auf wenige Ausnahmen, mit über einer halben Million Beteiligter, friedlich, trotz anders verlautenden Meldungen, verlaufen sind, stellen erneut ein Zeichen des Erwachen zu eigenen Identität dar. Es bleibt zu wünschen, das der Graben zwischen Ost und West auch in der Ukraine für Übergänge besser passierbar wird und sich die Gegensätze weniger ausschließen. Die Ereignisse in Kiew lassen hoffen, das nicht nur in den Springbrunnen die Lebenquellen wieder sprudeln. „Sie sollten sich wieder auf sich selbst besinnen, Ihre eigenen Retter sein und sich nicht auf jene Oligarchen oder ähnliche Retter verlassen, die sich dazu auserkoren fühlen“, wie ich es in der Reiseerzählung, vor einigen Jahren schrieb. Sicherlich gibt es für das Land und Menschen noch viele schwierige Situationen zu bestehen und es drohen immer noch Unwetter am Himmel, doch wer keine eigene Identität hat, wird in Gemeinschaften keine Rolle spielen und am Ende der Verlieren sein. Die Begründung des Verzichts, hat sicherlich verschiedene Aspekte. Die Suche nach der nationalen Einigung sollten wir nicht vom Tisch wischen, so wenig sie auch Europa schmeckt. Der Sowjet in Kiew, der den ehemaligen Bürgermeister absetzte, gibt dazu Hoffnung. Doch davon wird in unseren Medien wenig (mehr) berichtet. „Zum Happyend wird jewöhnlich abjeblend.“ (Otto Reuter)

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Über muzungumike

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13 Antworten zu Ukraine – Zukunft, Vergangenheit oder der dritte Weg – Noch ist die Ukraine nicht gestorben!

  1. muzungumike schreibt:

    Unter dem Titel „Haben die Situation in der Ukraine unterschätzt“, http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/eu/id_66755018/eu-praesident-martin-schulz-haben-situation-in-der-ukraine-unterschaetzt-.html, zieht der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) schon am 28.11. sein Resümee. Die meisten Machtzentren haben es bestimmt nicht übersehen, wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt hat, denn zu übersehen war es für niemanden, der es wirklich sehen wollte. Die Frage stellt sich also ganz anders.

    • Solveigh Calderin schreibt:

      … und dann kommt der übliche Erpressungsversuch:

      „Nach der Absage warnte EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle die Ukraine vor negativen wirtschaftlichen Folgen. Sie könne die Zukunft des Landes beeinträchtigen, sagte der 51-Jährige beim Ostpartnerschafts-Gipfeltreffen der EU in Vilnius.“

      der schließlich in der aus der BRD/USA/EU angezettelten „Volksrevolution“ unter dem Verbrecher Klitschko (er war Mitglied einer berüchtigten Mafia-Gang in der Ukraine), der von der Konrad-Adenauer-Stiftung (= CDU) installiert, finanziert, angeleitet ist und die auch die Partei UDAR aus der Taufe gehoben hat und natürlich AUCH finanziert, anleitet, organisiert, sprich die Strippen zieht!

      Was in der Ukraine abläuft ist das selbe Muster zur Annkektion eines anderen Staates, wie er auch in der DDR ablief (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole!)

      • muzungumike schreibt:

        Es ist schon schlimm, wenn sich „berühmte Persönlichkeiten“ in solchen Fahrwassern bewegen, aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten! Ich habe gerade in „Mein Ukraine Blog“ einen Kommentar hinterlassen, den ich hier einfach wiederholen möchte.
        „Sicherlich ist politisieren immer auch eine Verallgemeinerung, die immer auch eine Verfälschung der Realität mit sich bringt. Ich sehe die Situation aus mindestens zwei Gründen für mehr als besorgniserregend an. Sicherlich würde ich mich auch über eine Annäherung der Ukraine an Europa freuen, da ich dort ja auch Freunde habe, würde da aber nicht das ABER sein. Ich fange mal ganz einfach bei einem Punkt an, der in diesem Zusammenhang völlig außer Acht gelassen wird. Deutschland macht seine Hausaufgaben schlecht, ich hätte auch Europa schreiben können! Wie sieht die Situation bei uns aus. Es gibt nicht nur eine Verschärfung zwischen dem allgemeinen Arm und Reich, es gibt viel mehr eine immer mehr um sich greifende Zentralisierung. Das Heer der hoch verschuldeten Städte und Gemeinden, nicht mehr nur im Osten, nimmt immer mehr zu. Regionen mit wirtschaftlicher Entwicklung nehmen immer mehr ab. Signifikant für diese Entwicklung ist z.B die Bundesliga. Ganze Gebiete sind von der Abwanderung betroffen und die Infrastruktur ist erheblich gefährdet, von Brandenburg bis nach Oberhausen. Darauf weiß die Politik hier keine Antwort.
        Vor wenigen Tagen wurden russisch sprechende Freunde von mir in der Westukraine überfallen, brutal niedergeschlagen und ausgeraubt. Es wird sicherlich nicht geklärt werden, wer es war. Es ist auch fraglich ob es überhaupt ein pol. Motiv gab oder ob es nur der zunehmenden Kriminalität zu zurechnen ist. Fakt ist und bleibt, die Gewalt nimmt auch in der Ukraine zu.
        Das gerade die Westukraine für Europa ist, hat viele Gründe. Was aber unterschätzt wird, es wird in einem hauptsächlich landwirtschaftlichen genutzten Gebiet durch die Europaanbindung nicht mehr Arbeitplätze geben, wie auch hier belegt wird: http://ukraine-nachrichten.de/erwerbslosigkeit-ukraine-eine-bestandsaufnahme_3837_wirtschaft. Man kann da auch die Parallele zum EU Beitritt des Nachbarlandes Polen sich vor Augen führen.
        Die Einmischung Deutschlands (EU) in die Belange eines souveränen Staates, nicht nur der Ukraine ist seit dem 2. Weltkrieg nie so intensiv wie jetzt gewesen. Ich halte es, um es mal in der Schach-Sprache zu sagen, als eine Flucht nach vorn. Am Ende wird es beiden Seiten auf die Füße fallen. Deshalb halte ich von der jetzigen Entscheidung sehr viel, von dem Abkommen, so wie es der Ukraine aufdiktiert worden ist, Abstand zu nehmen. „Gehe nie auf die Jagd, wenn dein Haus brennt.“ „

  2. muzungumike schreibt:

    Mal eine der Wirklichkeit sehr nahe kommendes Bild der Ukraine, „Es wird Zeit, die Trottel wieder an die Arbeit zu bringen“, http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_66939744/proteste-in-kiew-bricht-die-ukraine-auseinander-.html.
    Der vorrangig agrare Westen, geht bei eine Öffnung völlig das Risiko ein, das die Selbstversorgung, kollabiert und die jetzigen Strukturen, ähnlich wie vor Jahren in Polen. die meisten Umfragen sind acu nicht repräsentativ, genau so wenig wie hier. Umfragen unter Kleinbauern oder unter Lohnarbeitern im Westen sind genau so europaskeptisch geprägt, wie im Osten des Landes. Die Chancengleichheit ist lange vorbei. es kann sich nur noch die schwindende Mittelschicht leisten, seine Kinder zum Studium zu schicken. auch wenn die Bildung in der Ukraine noch besser ist als in vielen anderen Ländern Europas, sie ist heute ein Privileg wie vieles anderes auch.

  3. muzungumike schreibt:

    Wie tief der Graben zwischen dem pro-europäischen Westen und der bestehenden, gewählten Regierung ist, egal wie man zu ihr steht, wird an folgenden Artikel deutlich; http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ukraine-das-erwachen-der-partisanen-12701001.html
    Zwei Sachen werden m. E. gerade bewußt vergessen. Was hier abläuft, hat weder mit ukrainischen noch mit unserem pedantischen Verständnis von Demokratie etwas zu tun. Das ist anarchistischer Nationalismus (vergleichbar mit deutschen Ereignissen) in reinster Form, der alle Ergebnisse der Wahlen und des Mißstrauensvotums nicht respektiert. Sie stehen in der Tradition eines Herrn Bandera, der für den Massenmord an Juden wie an Polen, Ukrainern und Russen mitverantwortlich war. Es bedurfte des Einspruches der EU, um die Ihm nachträglich verliehene Ehrung wieder rückgängig zu machen. So viel zum Selbstverständnis der radikalsten Teile der pro-europäischen Demokratiebewegung und ihrer westlichen Sympathisanten.

    Weiterhin wird außer Acht gelassen, das gerade mit der Öffnung nach Europa,1994, die westlichen Teile, einen starken wirtschaftlichen Rückgang zu verzeichnen hatten, der u.a. zur Verschärfung der Staatsverschuldung führte. Wird kein Weg aus dem Dilemma gefunden und so sieht es momentan danach aus, wird sich gerade im westlichen Teil der Ukraine die Lebenssituation drastisch verschlechtern, was zu einer weiteren Radikalisierung führen wird, die den Zuständen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in nichts nachstehen könnten. Die jetzige Öffnung, die sicherlich bei vielen Bewohnern in Wunschdenken nach größerem Wohlstand seine berechtigte Ursache hat, würde sich umkehren und weder das eigene Land noch Europa sicherer machen. Wenn politische Kräfte dies alles in den Wind schlagen, können dahinter nur kurzfristige wirtschaftliche Interessen stehen, die letztendlich auch Europa weiter destabilisieren.

    • Solveigh Calderin schreibt:

      Um die Vorgänge in der Ukraine und die unverschämte Einmischung der BRD – und im Schlepptau Polen und Lettland – zu verstehen, ist es wichtig einiges zu wissen:

      1. Der Ukrainische Staat wurde von den DEUTSCHEN 1918 im Zuge des Invasionskrieges gegen Sowjetrussland, der (ähnlich wie heute in Syrien) „Bürgerkrieg“ genannte wurde, künstlich und von außen erschaffen.
      Dazu auch diesen interessanten Artikel:
      http://das-blaettchen.de/2013/12/surrogat-revolution-27485.html

      2. Der (kleinere) Westteil der Ukraine hat bis zum zweiten Weltkrieg NIE zu Russland gehört, sondern zum Teil zu Polen und zum anderen Teil zu Ungarn/Österreich.

      3. Diese „Zweiteilung“ der Ukraine wird jetzt BEWUSST vom Westen benutzt, um Zwietracht zu säen und Separations-Bestrebungen zu fördern. Der Faschismus schlimmster Art (die ukrainischen Faschisten hausten in der Sowjetunion, auch der russischen Ukraine schlimmer als die Deutschen, auch hier WIEDER die unheilige Verbindung ukrainischer (westlicher!) Faschisten mit den Deutschen!) wird dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern gar gefördert.
      Profit ist eben alles… Nein, noch viel schlimmer: Diese BRD steuert selbst mir rasender Geschwindigkeit auf den Faschismus zu. Da ist dann schon wieder logisch, dass die „Brüder im Geiste“ hochgelobt und in die Arme geschlossen werden.

      Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass das ukrainische Volk diesen Verbrechern den Wind aus den Segeln nimmt, so dass die Ukraine ihre eigene Entwicklung nimmt – und die kann es nur an der Seite und mit Russland gemeinsam geben.

  4. muzungumike schreibt:

    Ich denke, da vielleicht ein wenig zu pragmatisch und bringe es weniger auf den Nenner Bruder oder Schwester. Es sind meine Nachbarn und noch der Menschenschlag, den ich am ehesten verstehen kann. Ich las gestern einen schönen Artikel in der Daily Nation und eine Zeile bringt es sehr nett auf den Punkt: „Politiker sind die am wenigsten zuverlässigen Menschen auf diesem Planeten.“ (DN, 09.11. „Wer stahl die Sonne und andere Fragen“) Wahrscheinlich reden wir alle gern zu viel oder auch schreiben. Wir verlagern gern die Schwierigkeiten nach außen oder delegieren sie auch dahin, ohne uns darüber im Klaren zu sein, daß sie in unserem Denken verursacht worden sind. Unsere Realität entsteht in unseren Köpfen und hat nur bedingt etwas mit dem da „draußen“ zu tun. Am Besten merkt man es noch, wenn wir verschiedene Personen über ein Ereignis berichten lassen, das wir selbst erlebt haben. Nichts anderes ist die Berichterstattung in den Medien. Jeder wird es so wiedergeben wir er es gesehen hat oder gesehen haben soll. Natürlich gibt es da auch Menschen, die sich der Unfähigkeit vieler Menschen „gern“ annehmen, meist mit Helfersyndrom, und werden dann Politiker. Wie stand es auf den Grab vom Bader im „Medicus“? „Er hat den Menschen blaue Luft verkauft!“ Mehr machen die meisten Menschen heute nicht mehr, der Eine als Versicherung, der Andere als Staubsauger und die zu gar nichts „taugen“ eben in Reinkultur – POLITIK. Aller paar Generationen kommt dann mal einer daher, der dieser ganzen Schar dann als Alibi dient, Ghandi, Nelson Mandela und jetzt scheint es nach Lenin mal wieder ein Russe zu sein.
    Ich glaube wir haben gerade heute in der zunehmenden Urbanisierung einfach Angst davor, für uns selbst verantwortlich zu sein, also ganz verantwortlich zu sein. Die heutige Religion heißt der Glaube an Demokratie, die in dieser Massenform einfach nicht möglich ist. Zivilgesellschaft ist nicht zu vergleichen mit der Abstraktion Zivilisation, weil sie ein Konglomerat aus vielen lebensfähigen Komponenten ist und keine Monokultur! Der Ausweg daraus ist schwierig und heißt nicht Putin. Er könnte aber Schlimmeres verhindern.
    Die zunehmende Zentralisierung mit weitgehender Zerstörung natürlicher Existenzmöglichkeiten für die Masse der Menschen endet immer in einer größeren, lebensbedrohlichen, Konkurrenz. Sie ist der deutliche Hinweis für UNS, das Wir etwas ändern müssen, wie uns der Körper Signale sendet, bevor wir krank werden. Kooperation ist nur unter annähernd gleichen Bedingungen der natürlichen Existenzsicherung möglich. Dies ist auch die Ursachen für die Verschärfung, stärkere Abgrenzung, bestimmter Interessen(gruppen) und erklärt die Unvereinbarkeit in Grunde. Dies können wir auf der gesamten Welt, in der verschiedensten Strategien, verfolgen, ob wir sie für gut empfinden oder nicht. So ist der Mensch, also auch ICH!

  5. muzungumike schreibt:

    hier noch mal Klartext, wie gute Freude nicht aussehen sollten, also ich meine Europa, gerade gefunden in der Jungen Welt: http://www.jungewelt.de/2013/12-03/036.php; http://www.jungewelt.de/2013/12-02/028.php; http://www.jungewelt.de/2013/11-29/057.php

    • Solveigh Calderin schreibt:

      Siehe dazu auch:

      Der Anfang des Artikels:

      „Termin beim Botschafter
      05.12.2013
      KIEW/BERLIN
      (Eigener Bericht) – Bei einem Treffen des deutschen Botschafters in der Ukraine mit dem Vorsitzenden der extrem rechten Partei Swoboda ist schon im Frühjahr ein etwaiger Sturz der Kiewer Regierung thematisiert worden. Dies geht aus Mitteilungen von Swoboda hervor. Demnach habe sich das Gespräch damals allgemein um das Assoziierungsabkommen mit der EU und um „Auswege aus der politischen Krise“ gedreht; dabei sei auch erwähnt worden, das „anti-ukrainische Regime“ Janukowitsch könne gekippt werden. Das Treffen, das kurz vor dem Besuch einer Swoboda-Delegation bei der NPD stattfand, war eingebettet in eine ganze Reihe von Zusammenkünften der Swoboda-Parteispitze mit teilweise hochrangigen Diplomaten aus der EU und aus Nordamerika. Bei mehreren Gesprächen waren auf ukrainischer Seite zudem die Parteien Batkiwschtschina von Julia Timoschenko sowie UDAR von Witali Klitschko vertreten. Das heutige Protestbündnis, das sich demnach bereits seit fast einem Jahr mit Diplomaten aus EU-und NATO-Staaten austauscht, habe sich „schon auf eine Postenaufteilung im Fall eines Sieges geeinigt“, heißt es in Berichten. Demnach ist für den Fall eines Umsturzes in Kiew mit der Regierungsbeteiligung einer Partei (Swoboda) zu rechnen, die auf europäischer Ebene mit der NPD kooperiert.“

      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58750

      • muzungumike schreibt:

        Ich bin, um die Komplexität und damit auch die Schwierigkeit ein eindeutiges Urteil zu fällen, noch einmal tief in die Geschichte eingetaucht. Dabei habe ich selbst wieder völlig neue Aspekte gefunden, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Auch den Zusammenhang zwischen Denken und Sprechen, ist mir wieder bewußt geworden, denn die Sprache ist ja nur der verbale Versuch, sein Denken zum Ausdruck zubringen. Sprache ist doch mehr als nur einem Gegenstand einen Begriff zu zuordnen. Ich bin da auf eine interessante Seite gestoßen, die mir den aha Effekt brachte; http://www.russian-online.net/de_start/box/boxtext.php?auswahl=russisch_slawisch.
        Aber eigentlich wollte ich auf was ganz anderes hinweisen, denn die Annahme das der jetzige Präsident nur durch Russen oder pro-russich Denkende gewählt worden wäre, ist schlichtweg falsch; http://www.aktuell.ru/russland/special/ukraine/russen_haben_keine_mehrheit_in_ostukraine_12.html.
        Es war eher der Wunsch Vater des Gedanken gewesen, die Verschlechterung der Lage für große Teile der Bevölkerung Einhalt zu bieten, die sich auch unter den pro-europäischen Opposition in ihrer Amtszeit nicht verbessert hat, um es vorsichtig zu umschreiben. Eine Unterzeichnung des Abkommens in Vilnius hätte den Staatsbankrott mit einer weiteren Verschärfung der Lebenssituation Vieler augenblicklich nach sich gezogen. So viel zu den „guten (demokratischen) Absichten“ Europas. Aus dieser Sicht wird es interessant wie sich die EU weiterentwickelt und welche Auswirkungen es auf uns in naher Zukunft haben wird, da jetzt ca. ein drittel der Bevölkerung anders (slawisch) ticken als wir 😉
        Da lasse ich mal die verschiedenen Ansichten, die wir schon natürlicher Weise haben, mal völlig außen vor. Wir sollten nicht alles verurteilen, was wir nicht verstehen!
        Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt, denn auch Russland ist nicht Willens oder in der Lage Zugeständnisse zu machen. Ich denke, темні часи, die dunklen Zeiten, sind lange noch nicht vorbei, weder mit noch ohne Europa. Abgesehen von der Tatsache liegt es ja nicht an den Politikern, auch wenn sie es uns gern einreden wollen, hier wie dort, sondern das wir die Geschicke zu wenig selbst in die Hand nehmen. Leicht sind diese Wege so oder so nicht, weil es eine Patentlösung dafür nicht geben wird.
        „Ich geh‘ meine eigenen Wege, ein Ende ist nicht ab zu seh’n. Eigene Wege sind schwer zu beschreiten, sie entsteh’n ja erst beim Geh’n“ (HRK)

      • Solveigh Calderin schreibt:

        Zu dem ersten Link, gleich das erste Bild belegt, dass immer und immer wieder versucht wird, die Brudervölker (Germanen und Slawen) gegeneinander aufzuhetzen.
        Teile und herrsche! Den Text werde ich mir noch genau durchlesen.

        Zu den Ursachen der derzeitigen Abläufe und Aussichten fand ich diese interessanten beiden Videos auf Russisch. Sie spiegeln ziemlich genau meine eigene Analyse wider:

  6. muzungumike schreibt:

    Ich habe noch Einiges korrigiert, man sollte nicht aus dem Gedächtnis schreiben, wenn es um Fakten geht. Es gibt viele Parallelen zwischen der deutschen und ukrainischen Geschichte, was z. B. die Suche nach der eigenen Identität angeht. Vielleicht ist es sogar ein zu tiefst menschliches Problem, zu welcher Gruppe möchte ich dazugehören? So ist es nicht verwunderlich, das bei den tiefen Spannungen, die in diesem Land vorhanden sind, das rettende Ufer auf mindestens zwei Seiten gesucht wird in Lviv oder Kiew eher das Europäische, im Donjetsk eher das Russische.

    Auch hier ist die Geschichte nicht aufgearbeitet. So werden bis heute, wie du anführst, ukrainische Nationalisten als Volkshelden verehrt, die mit den Deutschen kollaborierten, an Progromen beteiligt waren, oder gar in ihren Reihen in der Wehrmacht, zwei Bataillone „Nachtigall“ und „Roland“, gegen die Sowjetmacht kämpften. Erst als sie erleben mußten, das sie am Ende auch in Arbeitlagern oder im KZ ladeten, kooperierten sie teilweise mit der Roten Armee widerwillig. Der bewaffnete Unabhängigkeitskampf gegen die SU währte bis Mitte der 50ziger Jahre und hatte seine Ursachen in der Jahrhunderte dauernden Diskriminierung durch das Zarenreich und der Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Basis durch die Revolution.

    Im Alltag war und ist natürlich das Leben wesentlich mehr, mit vielfachen Fäden, familiär, wirtschaftlich und sicherlich nicht zuletzt durch die Erfahrung des Großen Vaterländischen und des darauf folgenden Kalten Krieges auch politisch mit Russland vernetzt. Wer da eine einseitige Entscheidung erhofft oder fällt, ist politisch kurzsichtig. Dessen ist sich wahrscheinlich auch Janukowitsch klar geworden. Timoschenko vertritt eher die nationalistischen Interessen der Intellektuellen, die nach Europa tendieren ohne sich der Tragweite der Bestrebung bewußt zu sein. Es zeigt deutlich und dies gilt weit über die Grenzen der Ukraine hinaus, politische Eindimensionalität ist nicht mehr zeitgemäß, weil sie mehr Probleme schafft, als sie im Stande ist zu lösen, da es in eine funktionierenden Gesellschaft immer verschieden grundlegende Interessen gilt zu berücksichtigen. Vielleicht können wir ja von ihnen noch was lernen?
    Ein Wort noch zu Putin. Man kann von ihm halten was man will. Er ist der konsequente Vertreter kontinentaler Interessen, die Unseren entgegen standen und stehen. Gerecht kann er genau so wenig sein wie unsere Herren Politiker. Aber Format hat er, den unsere Müttersöhnchen alle zusammen nicht bieten können!

    Interessant ist, das trotz vorliegender Berichte von europäischen Berichterstattern, noch heute durch ARD und ZDF, http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine558.html, in das Konflikthorn geblasen wird. Statt den Appell, den man an das ukrainische Volk und ihre Machthaber (ein schönes Wort) richtet, selbst durch authentische Berichterstattung zu deeskalieren, verschärft man so die Lage weiter. Wir müssen schon ganz schön in der Patsche sitzen, wenn uns nichts Klügeres mehr einfällt oder sind wir nur so depp?

    Fakt ist egal wie sich die Situation weiter entwickelt, für die Mehrheit bleibt es ohne nennenswerte Änderungen, die Lebenshaltungskosten steigen ins uferlose, mit oder ohne mehr Demokrkatie. Die Schere zwischen Arm und Reich klappt hier noch schneller und weiter auseinander als wir uns es in den schlimmsten Albträumen wagen vorzustellen. An einer Stelle in meiner Reiseerzählung schrieb ich: „Zwischen Afrika und der Ukraine gibt es noch zwei Unterschiede. Ukrainer sind nicht schwarz und hier gibt es einen Winter.“ Doch sie sind nicht auf den Kopf gefallen. Ich bewundere diese Menschen sehr, wie sie diesen Alltag meistern. Wir würden da wohl auf der Strecke bleiben! Wir sollten weniger auf die Politik hören und uns mit ganz normalen Menschen einfach an einen Tisch setzen und uns über unser Leben unterhalten. Das hilft klarer zu sehen und Vorurteile abzubauen, die zweifellos auf beiden Seiten vorhanden sind. Die Solidarität ergibt sich dann von ganz allein und könnte uns alle retten!

  7. Solveigh Calderin schreibt:

    Deine Analyse kommt den Tatsachen ziemlich nahe, habe ich den Eindruck (bis auf die „friedlichen Bürger“)…

    Zu Deiner Analyse passt diese Mitteilung von RIA Novosti, die den Spagat aufzeigen, den die ukrainische Regierung versucht zu bewerkstelligen:
    http://de.ria.ru/politics/20131203/267408173.html

    Mir gefällt die Haltung Russlands zu dieser Sache:
    1. Es ist eine innere ukrainische Angelegenheit, da verbietet sich JEDE äußere Einflussnahme.
    2. Es geht bei diesen (Putin nannte sie Progrome) „Revolten“ nicht vordergründig um die EU oder nicht EU, sondern sie spiegeln einen laufenden gesellschaftlichen Prozess wider. Im Frühjar 2015 sind Wahlen – und darauf zielen diese „Revolten“ ab. Die „Gruppen der Kämpfer“ sind gut ausgebildet und vorbereitet (sinngemäß Putin auf eine dementsprechende Frage).
    3. Wie immer sich das ukrainische Volk entscheidet – und nur das ukrainische Volk hat das Recht dazu – die Entscheidung wird von Russland geachtet.
    ——–
    Ist Dir nicht die Gleichheit der Argumentation des Westens aufgefallen: „friedliche Bürger“, die von der (bitte legitimen!) Regierung mit „brutaler Gewalt“ unterdrückt werden? Erkennst Du nicht die Handschrift, die in Syrien zum Interventionskrieg, in Libyen zur Ermordung Gaddhaffis und in Ägypten zu Mursi und jetzt zur Militärdiktatur, in der Türkei zu Straßenschlachten führte? Es fehlen nur noch die Sniper, die immer dann auftauchen, wenn diese von außen organisierten Revolten im Krieg enden SOLLEN!
    Klitschkos Partei „Udar“ ist übrigens zum Beispiel aus der BRD finanziert – von STEUERGELDERN! Und gerade DIESE „Partei“ in Zusammenarbeit mit „Svoboda“, die Nazigrößen und ukrainische SS-Angehörige als Helden vereehren spielen die Hauptrolle in diesen „friedlichen Demonstrationen“….
    Die Regierung der Ukraine wird durch diese „Revolten“ vom Westen schlicht ERPRESST, der EU beizutreten, sprich, sich zu unterwerfen und sich annektieren zu lassen, sonst… siehe Syrien, Libyen, Ägypten, usw…

    Sorry für die Länge des Kommentars. Mich beschäftigt diese Angelegenheit auch sehr.

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