Täglich ist es besser, aber noch nicht hoffnungslos!

Hiermit veröffentliche ich einen Artikel aus der Zhitomirer „Tele-Gesellschaft Union TV“ vom Ende 2011 der meiner Ansicht nach, mit Ortskenntnis, nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat:

Kosmonauten-Springbrunnen Zhitomir / Foto M. Schmidt

Kosmonauten-Springbrunnen Zhitomir / Foto M. Schmidt 2011

„Die Ukraine steht am Vorabend des neuen Jahres 2012. Es ist  etwas geschehen, was kommen musste. Das zwanzigste Jahr der Unabhängigkeit geht zu Ende. Bedeutet es die Veränderung der Realität, in der wir leben müssen? Die Frage bleibt unbeantwortet. Allerdings, um irgendwelchen Überblick darüber haben, was auf uns wartet, klären wir uns, was wir schon haben.

Und man hat sowie Lustigkeit, als auch Traurigkeit, und die Millionen von Ukrainern frieren und sind hungrig. Es ist lustig, weil uns zur Verfügung steht eine virtuelle ukrainische TV-Welt steht. Es ist traurig, weil die geringhaltigen Massenmedien Produkte leckend die Realität  und den Kopf uns zurechtsetzend, verbreiten Fehlinformation und Chaos.

In der Ukraine stieg die Industrieproduktion um fast 8%, und die Arbeitslosigkeit war und bleibt, die Preise laufen davon, Tausende von Arbeitsanstalten sind kurz vor dem Bankrott, Steuern und eigenmächtige Beamten zerstören die sozial wirtschaftliche Ordnung und verschlimmern wesentlich das Leben von Menschen.

Laut den Angaben der „Zeitung po-kiewski“ haben das Land 6,6 Millionen Ukrainer (15% der Gesamtbevölkerung) verlassen, um die Arbeit ins Ausland zu finden. Wir sind fünfter weltweit größter Anbieter von Migranten. Heute, setzen sich die Ausgabe fort, möchte jeder dritte ins Ausland gehen. Das sind Menschen mit Hochschulausbildung im Alter ab 28 Jahren. Sie gehen wegen der Verschlechterung der politischen und Wirtschaftslage.

Aufgrund der fehlenden Finanzierung in den Haushalten kaum überlebt eine Reihe von staatlichen und öffentlichen Institutionen. 13,5 Millionen UAH im Dezember fehlen, um nur die Arbeit der Lehrer in Zhytomyr zu zahlen.

Fast in einem Zustand des Schlaganfalles verbleiben die Anstalten für Gesundheitsschutz, beiläufig gesagt, einer ungesunden  Gesellschaft. Hier fehlt Vieles. Alte Geräte, Betten, Mikroskope erhält man als humanitäre Hilfe mit dankbarem Kreaturgefühl.

Offensichtlich lässt sich die Macht davon leiten, dass der Frühling bald kommen wird, und die Menschen können in die Traditionen ihrer Vorfahren zurückkehren und die Behandlung mit Kräutern beginnen. Auch weiterhin verkauft man Sanatorien und Kurorte aus.

In einem besonderen Fallstricke befinden sich die Hochschule, die in zwei Gruppen, angeblich souveränen Hochschulen, eingeteilt wurde. Die erste Gruppe umfasst nicht-staatlichen Institutionen, die für sich selbst machen und alle staatlichen Anforderungen (inkl. MwSt) erfüllen. Zur zweiten Gruppe gehören die staatlichen Universitäten, die aus dem Haushalt finanziert werden, die zur gleichen Zeit im Gegensatz zur Verfassung die Bezahlung für die Ausbildung fordern.

Im Gegensatz zu den europäischen Jugend, die aufgrund von Arbeitslosigkeit die treibende Kraft der Proteste ist, wählt der ukrainische Jugend die ruhige Auswanderung. Nur ein Drittel der ukrainischen Studenten will sein Schicksal mit der Ukraine verbinden, schreibt die Zeitung \“Delo\“.

Unter den Unzufriedenen sind Bauern, die  ihre Produkte nicht verkaufen können, Bergleute, die ständig die Beseitigung von Minen fürchten, Straßenbauer, deren Chance auf eine Ausschreibung in einem korrupten Angebotesystem zu gewinnen,  gleich Null ist.

Erinnern wir uns an die Millionen von Menschen, die Jahrzehnte auf die Wohnungen warten, weil der Preis für einen Quadratmeter ist nur für Besitzer von \“saftigen\“ Bankkonten erschwinglich ist.

Für die Armut, die viele Familien hineinsiehen, interessiert sich  die sogenannte Elite nicht (50 Familien besitzen das ganze nationale Reichtum, (in DEU sind es 47, Anm. Red.)). Inzwischen laut offizieller Statistik, betrachten die Hälfte der Haushalte im Gebiet  Zhytomyr sich selbst als arm, und nur 0,5% bezeichneten sich als Mittelschicht.

Die Menschen, die am Rande des Überlebens, ohne klare Perspektiven für morgen bleiben, haben keine Interesse an  die virtuelle Realität vielfältiger Fernseh-Talkshows. Die Hungrigen sind nicht daran interessiert, was man verspricht, was für eine Popularitätsquote ist das,  warum ist dieser Politiker besser als jener, oder was für eine politische Partei kann Hoffnung für die Zukunft bieten. Die Menschen hörten es schon seit vor Jahrzehnten und wurden mit den  falschen Wahlversprechen enttäuscht. Sie möchten normalerweise leben. Den Schuld für den Verlust erlegt man nicht nur an die Macht (Opposition) auf, sondern an diejenigen, die durch den Bildschirm, Mikrofon, Zeitungsartikel, Fotos ein Bild  der Verbesserung des Lebens zeigen. Daher ärgert die virtuelle Medien Realität, und sogar sie verursacht eine verkehrte Wahrnehmung, die, zum Beispiel, das Fernsehen zeigt. Es ist genug die Zhytomyrer zu hören, die sagen, dass sie nicht sehen, nicht hören, nicht lesen, um sich von allen Illusionen in diesem Punkt zu befreien. Die Gesellschaft hat sich zunehmend isoliert, fällt in Apathie. Dies ist eine Realität, die über die Ukraine hängt, wie die Gewitterwolken. Aber da die Regierung diese Symptome ignoriert, wird \“Vanity Fair\“ fortgesetzt.

Das Hotel der Werchowna Rada, berichtet die Internetausgabe \“Obkom\“, hat sich die Stühle für 7000 UAH geschaffen. Zuvor hat das Hotel für 230 Tausend UAH zehn Teewagen und Geschirrschränke gekauft, schreibt die Ausgabe.

Die Straflosigkeit, die Schwindelgeschäfte, die die verbrecherischen Realität begleiten, hat so den Glauben an die Gesetzlichkeit zerstört, dass ein einfacher Bürger misstrauisch alles aufnimmt, was an der Macht und drumherun passiert.

Zu den oben genannten Realitäten des Lebens in der Ukraine am Vorabend des Jahres 2012 muss man eine absolute Lähmung der Werchowna Rada zusetzen, deren Volksvertreter gewöhnliche stehende oft aneinander im Widersprach Gesetzte annehmen. Die 450 gewählte Vertreter des Volkes führen ihre Bemühungen nicht auf die Gesetzgebung mit Rücksicht auf die Bürger, sondern auf die Gewährleistung Eigeninteressen und die „Imageverbesserung“ am Vorabend der Parlamentswahlen. Die wichtigsten Angelegenheiten für den Staat und die Bürger sind aufs Abstellgleis geschoben worden. Die Hauptsache ist, das Mandat zu bekommen. Das ist der Zielpunkt des laufenden Augenblicks. Was wird mit der Ukraine sein? Und mit der Ukraine wird es wie immer irgendwie sein.

Die verlorenen Steuergelder ruft Proteste an. Die Demokratie im Staat wurde in Misskredit gebracht. Schrittweise werden Stimmen über Widerwilligkeit laut, auf dem Hals sozusagen die gewählten Volksvertreter zu erhalten. Möglicherweise eine direkte Präsidialverwaltung, es wäre billiger, bieten  in der Hitze  Fahrgäste des Zhytomyrer hinfälligen O-Busses. Dieser O-Bus hat etwas von der Ukraine. Kaum fährt er irgendwohin, sollte er ankommen? Es gibt keine Antwort. Die Fahrgäste dieser „Titanic“ sollten zusammen die Antwort finden.“

Autor Wiktor Kolomijets

(Quelle: Телекопнiя Союз-TV Житомир, 19.12.2011; http://soyuztv.zhitomir.org/index.php?op=news&id=1517)

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Über muzungumike

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6 Antworten zu Täglich ist es besser, aber noch nicht hoffnungslos!

  1. muzungumike schreibt:

    Ich habe noch einen schönen Artikel gefunden, der die Situation in der Ukraine umschreibt…
    http://ukraine-nachrichten.de/ukrainischen-psychosen-galizier_3851_meinungen-analysen

  2. muzungumike schreibt:

    Durch die aktuellen Ereignisse habe ich noch einmal geschürft und bin für mein Verständnis auf dinge aufmerksam geworden, die mir in diesem zusammenhang bis jetzt nicht bekannt waren. Sicherlich ist der Film über Putin schwere Propaganda, aber er zeigt auch Fassetten auf, die etwas mehr Licht hinter die Oligarchen und ihre Wechselwirkung zur russchenen Entwicklung beleuchten, wie der Forschungsbericht aus Bremen belegt.
    Hier die Quellen:

    http://www.forschungsstelle.uni-bremen.de/UserFiles/file/06-Publikationen/Arbeitspapiere/fsoAP41.pdf
    Danach besteht kaum mehr eine Frage, warum gerade die FDP den ehemaligen Ölbaron empfangen hat und wie sie alle damit verwoben sind, auch in der Ukraine!

  3. muzungumike schreibt:

    Bei allem Für und Wider, betrachten wir doch einmal ganz nüchtern die Tatsache der Generationsgerechtigkeit, die Staatsverschuldung. Alle pro-westlichen Länder liegen, trotz super moderner Technik und allem Schnickschnack, hoffnungslos weit vor Russland und der Ukraine. Wir leben alle mit auf pump! Die Zeit spielt nicht für uns. Daraus läßt sich deutlich ableiten, warum um den Verzicht so ein Geschrei gemacht wird. Willst Du bei aller Gastfreundlichkeit einen Freund, den Du am Ende von den wenigen was du hast, immer mit durchfüttern mußt? Ist der Glaube an eine echte Demokratie vielleicht nur die Religion der Moderne? Europa reagiert typisch menschlich, die eigenen Schwächen sieht man am deutlichsten bei anderen, Kosovo, Afghanistan… und jetzt in der Ukraine. Das es da auch Blauaügige gibt, wie überall, ist sicherlich auch menschlich. Deutschland scheint von der Krankheit sehr stark betroffen zu sein oder sind wir alle von staatlicher Korruption betroffen?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote

  4. muzungumike schreibt:

    Ich weiß nicht ob es aufgefallen ist, das Foto oben ist der gleiche Springbrunnen, wie im vorigen Artikel, den ich dieses Jahr erneut fotografiert hatte, als er repariert war. Nach der Wahl sind in Zhitomir einige Dinge geschehen, gerade in den Wohnstädten, an der Fassade. Die Situation selbst hat sich m. E. nicht verbessert. Der Druck der Straße kann schon zu Veränderungen führen, aber in wie fern sich Strukturen ändern, wage ich zu bezweifeln. Ich war voriges Jahr einmal in einem Tuberkulose Sanatorium. Ich dachte, ich bin um 50 Jahre zurückversetzt worden, zweigeteilt. Ohne die guten Ärzte mit geringem Gehalt, die für ihre Patienten da sind, kann ich mir nicht vorstellen, was da wäre. Das Bildungssystem ist längst europäisiert. Mit einem staatlichen Abschluß stehst du in der Warteschlange nur etwas weiter vorn. Kein Wunder nach einem freien Fall, der keinen Bereich ausgelassen hat, in Russland wie in den anderen GUS-Staaten nicht.

    Hier noch ein link der genaue Auskunft gibt undteilweise auch Hintergründe erklärt: https://www.wko.at/Content.Node/service/aussenwirtschaft/Ukraine_Newsletter_77.pdf

  5. Solveigh Calderin schreibt:

    Das wird auch De-Industrialisierung und Entvölkerung genannt.
    Angewandt überall im Osten und sonst auf unserer Erde, wohin die „Segnungen der Demokratie“ exportiert worden sind.

    Gut, dass Janukovich nun die Kurve bekommen hat und diesen „West“-Kurs nicht weiter mitmacht, sondern „nach Hause“ zurück kehrt.
    Ich wünsche dem ukrainischen Volk alles Gute und möge sich seine Lage verbessern.

    Auf dem Meeting sprach der Asarov u.a. davon, dass Schulen, Krankenhäuser gebaut werden müssen, dass es den Menschen besser gehen müsse…

    http://www.youtube.com/attribution_link?u=/watch?v%3Dn95BOM4m7fc%26feature%3Dshare&a=CflDbOLZ6r0hpQFW8-73wQ

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