Dieses Schiff hat Schlagseite

Manchmal ist es nicht sehr angenehm, wenn man feststellt, man lag nicht weit von der Wahrheit entfernt. In den letzten Jahren habe ich an vielen Stellen auf den schlechten Zustand unserer Gesellschaft schon hingewiesen, in Diskussionen oder in Beiträgen wie hier. Vor einigen Woche sagte ich, „die Ukraine ist der Lackmus-test für Mitteleuropa“. Viele Protestierten und meinten, das man die Dinge nicht vergleichen kann. Ich sehe es ein wenig anders. Wo ist der Unterscheid zwischen dem Maidan in Kiew und der Pegida in Dresden. Gut wir sind Weicheier und hören auf zu demonstrieren, wenn das Thermometer Minusgrade anzeigt. In beiden Fällen ging und geht es um Ausländer, einmal im Speziellen die Russen, wobei selbst das nicht ganz wahr ist, denn es ging um alle Nichtukrainer und im anderen Fall um alle Nichtdeutsche, weil man sich berufen fühlt, das Abendland in seiner Vielfältigkeit vertreten zu wollen. Wir nahmen an, das die „Ratlosigkeit“ unserer Politiker in ihrem Dilettantismus die Ursache liegt und das Aussitzen, die praktische Folge ihres Unvermögens ist.

Ich gehe davon aus, die Wahrheit liegt weder in der Verurteilung der einen noch der anderen Seite. Beide bedingen einander  und es hat eine lange Vorgeschichte, nähmlich 70 Jahre, wenn das reicht.Es ist schön, das wir wieder ein Volk sind, aber wir haben bis heute keine Lehren aus der Geschichte gezogen haben. Die Mechanismen sind unangetastet geblieben. Im gleichen Augenblick in das Land angeblich unter der Flüchtlingswelle leidet, liefern wir Waffen in die Gebiete aus denen sie kommen un verschärfen den Konflikt, nicht erst seit gestern sondern stolze 60 Jahre. Nicht genug dessen wir benutzen die Flüchtlinge und unterstellen ihnen unsere Denkschablonen, damit wir in diesen Land die Gräben noch tiefer werden lassen können und solchen Bewegungen damit erst den Nährboden bereiten. Wenn Herr Gabriel, immerhin der zweit wichtigste Mann im „Staat“, jetzt feststellt: „Pegida ist eine rechtspopulistische und in Teilen offen rechtsradikale Empörungsbewegung geworden. Die Protagonisten stellen inzwischen sogar die Grundlagen der Demokratie infrage, indem sie diese Demokratie mit den Kampfbegriffen der NSDAP in der Weimarer Republik als ‚Altparteien-Demokratie‘ und die Parlamente als ‚Quasselbude von Volksverrätern‘ umzudeuten versuchen und die Medien als ‚Lügenpresse‘ denunzieren.“ Da kann man seine Erkenntnis nur begrüßen und sagen, guten Morgen Herr Minister, wie begrüßen Sie in der durch sie mitgestalteten Realität. Waren sie nicht für die Wirtschaft zuständig? Doch wollen wir die Aussage doch mal etwas näher betrachten. Verkündet er eigentlich nicht Wahrheiten die jeder Spatz von den besagten Dächern pfeift. Wo hat sich denn die Demokratie seit der Weimarer Republik denn grundlegend verändert? Gibt es ein verankertes Recht auf Volksabstimmung, haben wir in den letzten Jahren bei solchen grundlegenden Entscheidungen wie die Einführung des EURO`s eine Entscheidungsbefugnis gehabt? Es gibt ein paar andere Parteien, zugegeben, doch die pfeifen in das gleiche Horn. Die Grundpfeiler unserer Demokratie, das Grundgesetz, zu einer Verfassung haben wir nach 25, in Worten fünfundzwanzig, Jahren es bis heute nicht geschafft, wird schneller revidiert, wie der Normalbürger lesen kann und verbriefte Grundrechte der Bürger im Namen der Sicherheit eingeäschert. Die Opposition erfüllt heute den gleichen Zweck, wie ein Kabarett zu DDR -Zeiten, sie bringt uns manchmal zum Lachen. Über den Wahrheitsgehalt unserer Presse könnte man lange Berichte der Falschmeldungen, Verdrehungen offenen Unwahrheiten schreiben. Wer eine aktuelle Kostprobe mit allen seinen demagogischen Finessen möchte dem empfehle ich die „Kurze Anmerkung“ von Herrn Ehlers. Am Ende wird jeder Leser bei den Worten unseres Ministers sagen, er hat doch Recht. Aber ist er nur ein gut bezahlter Statist oder hat er nicht die Verpflichtung übernommen, diese Dinge zu ändern, zum Wohle der Bevölkerung und „um Schaden vom Volke abzuwenden“? Diese Bemühung habe ich bis jetzt bei keinem Repräsentanten ernsthaft erleben können. Vielleicht liegt es ja am meiner angeborenen Kurzsichtigkeit, vielleicht! Ich werde eher das Gefühl nicht los, das gewisse Personengruppen diesen Trumpf des Volkszornes, der sicherlich durch üble Scharlatane,wie in den dreißiger Jahren, verhetzt werden, immer im Ärmel hatten. Wer die jüngste Geschichte betrachtet vom Bombenanschlag zum Münchner Oktoberfest bis zum NSU-Prozeß, es waren immer nur Einzeltäter und alle weitere Spuren verschwinden wie durch Geisterhand. Die Parallelen zum Maidan, Odessa oder Mariopol, um nur einige zu nennen, sind erschreckend. Ein Schelm der dabei was übles denkt! Heute sind wir über die Mächtigkeit des Zornes erschrocken?

Und in dem Augenblick wo uns die Flüchtlinge, die Brandanschläge, die Demos den Kopf verwirren, wird schon die nächste Stufe eingeleitet. Uns wird gesagt die Flüchtlinge kommen alle aus dem Nahen Osten. Verheimlicht oder besser gesagt verschwiegen wird uns, das viele Flüchtlinge schon jetzt aus anderen Regionen kommen, unter anderem auch aus Mali. Wer die Presse verfolgt weiß, unsere Verteidigungsministerin will im kommenden Jahr den Bundeswehreinsatz im Mali erweitern, das heißt also wir sind da schon drin. Hat in den letzten zwanzig Jahren, von Jugoslawien bis Syrien, eine militärische Auseinandersetzung mit deutscher Beteiligung zur Verbesserung der Lage der Bevölkerung beigetragen? Nein, abgesehen von den toten deutschen Soldaten hat es nur Verwüstung, menschliches Leid und Elend gebracht. Sollte da eine Verteidigungsministerin nicht Konsequenzen ziehen, da von deutschem Boden, also auch von deutschen Soldaten nie mehr ein Krieg ausgehen sollte? Hat sie das vielleicht vergessen oder gibt es da andere Hintergründe?  Fast zufällig verwandelt sich die Bundeswehr durch den heimlichen Liebling der Nation in eine Berufsarmee.

Zwischen der Weimarer Republik und heute gibt es viele Unterschiede. Das System der Propaganda ist das Gleiche geblieben, es ist nur diffiziler und effizienter geworden. Auch sind Kenntnisse über geschichtliche Ereignisse nur noch oberflächlich vorhanden, was uns anfälliger macht für Parolen. Die Zeit ist eine andere, aber die Mechanismen sind die gleichen. Wir schauen auf den Goliat an der Leinwand und sehen den armen Kerl dahinter nicht. Wir müssen nicht auf die anderen zeigen, nicht auf Russen, nicht auf Amerikaner, ich erwähnte es ja vor Kurzem und auch nicht auf andere Ausländer, wir sind alle Menschen.

Übrigen ein Schiff droht zu kentern, wenn alle Passagiere auf eine Seite rennen, um den Ertrinkenden zu beobachten. Es ist angebracht eine Balance herzustellen. Gut das es in Dresden eine Alternative gab! Wir sollten sie nicht nur für Pegida suchen!

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Über muzungumike

Interesse an internationalen Ereignissen, die wenig oder keine Beachtung in der Medienwelt finden, z.B. reale Entwicklungshilfe, lustige Anekdoten, Länderkunde etc.
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4 Antworten zu Dieses Schiff hat Schlagseite

  1. muzungumike schreibt:

    Ich habe noch was schönes gefunden; https://www.youtube.com/watch?v=-ZH30_143Jw

  2. muzungumike schreibt:

    Hier noch einmal Klartext zu unserem Selbstwertvorstellungen, https://www.youtube.com/watch?v=y-jwKVVJjpk oder über Gladio, https://www.youtube.com/watch?v=22mFeOo3G-s

  3. Ulrich Möbius schreibt:

    Über Facebook auf deine Seite gestoßen und irgendwie schockiert. Hast du den Artikel aus Telopolis, den du selbst zitierst den auch gelesen? da steht nichts von „faschistischen Umsturz“. Aber vom Anzetteln eines Krieges durch von russischen Interessen geleiteten Gruppen (Roman Danyluk). Hast du den mit den beiden Mädels aus der Ukraine, die beim Workcamp dabei waren, über diese Themen gesprochen? Die Menschen die gegen das Korrupte System auf die Straße gehen, welches du ja selbst bei deinen Besuchen erlebt hast, sind Faschisten? Ja der Protest war recht Gewalttätig. Aber erinnerst du dich noch an die Ereignisse von 92 und 94 in Halle, wo Straßenbahnen demoliert wurden, Autos brannten und x Leute verletzt wurden? Die Gewalt war auch eine Reaktion auf die gestohlene Revolution von 2004.
    Insgesamt erscheinen mir deine Artikel (habe jetzt drei zur Ukraine gelesen) schizophren. Du beschreibst das die Ukrainer allen Grund hatten, das bestehende System zu stürzen. Gleichzeit verteidigst du Janukowitsch und bezeichnest die Demonstranten als Faschisten und vergleichst sie mit PEGIDA? Die von Russland initiierten Kämpfe und Gebietsannektionen sind ein Freiheitskampf? Umfragen russischer Wissenschaftler zeigen das die Unterstützung für den DNR vor den Kämpfen bei 22% und jetzt bei 29% der Bewohner der Region liegen (http://www.mk.ru/politics/2015/09/12/opros-naselenie-dnr-ne-podderzhivaet-opolchencev-i-rossiyu.html). Mag sein das die Ukraine wirtschaftlicher Schwächer ist als Russland. Aber deswegen sind die Machthaber in Russland doch nicht weniger Korrupt.
    Dein Blog wäre in Russland ein wahrscheinlich Grund dich zu verhaften. Ein linker Lebenstil ist ein dort Grund für Repression unter diesen Machthabern. Und der Hass auf Fremde ist der wichtigste Bestandteil der Politik selbiger. Dies färbt natürlich auch auf die Bevölkerung ab. Während meines Aufenthalts in Voronez habe ich erlebt wie Schwarze durch die Straßen gejagt wurden. Einer wurde erschlagen. In dem Jahr starben alleine 7 Afrikaner bei solchen „Aktionen“.

    • muzungumike schreibt:

      Hallo Ulrich, vielen Dank für Deinen Kommentar. Entschuldige bitte, das ich Dich so lange habe warten lassen, aber ich komme gerade von der Arbeit. Ich hatte in den letzten Tagen sehr viel zu tun.
      Nun aber zum Inhaltlichen. Ich denke und das war mein Ansatz es gibt verschiedene Betrachtungsweise und ich respektiere Deine Auffassung, aber sie deckt sich mit meiner in wenigen Fällen. Aber der Reihe nach. Als Erstes habe ich Irina und Olena gefragt, ob sie etwas dagegen haben, wenn wir teilweise unsere Gespräche auf russisch führen, denn es ist gerade aus der Gegend wo sie herstammen, nicht unbedingt üblich und ich nur wenig ukrainisch kann. Sie hatten nichts dagegen. Kurzer Ausflug in die Geschichte, Russisch wurde mit der Unabhängigkeit der Ukraine als Landessprache aufgehoben und war nicht mehr Teil der Schulausbildung. Erst 2012 wurde dieses Gesetz teilweise wieder rückgängig gemacht. Ähnliches gilt für alle weiteren Sprachen in der Ukraine bis heute, also polnisch, rumänisch, ungarisch und slowenisch oder jidisch. Polen zählt etwa 500.000 illegale Flüchtlinge aus dem Nachbarland, die teilweise vor Repressalien geflohen sind. Dies hat schon eine lange Geschichte und beruht nicht auf der ehemaligen Existenz der Sowjetunion. Im Gegensatz zu vielen deutschen Bewohnern sind Slaven eigenständiger, wenn man das so vorsichtig ausdrücken kann. Politik interessiert sie nur am Rande, die überwiegende Mehrheit, aber sie sind leicht für Ideen zu begeistern und zu mobilisieren. Es ist ein tief gespaltenes Land. Ich erwähne nur Stepan Bandera, https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera. Noch vor den Gewalttaten in Kiew gingen Rechtsradikale, nicht nur gegen Russen sondern auch gegen Polen in der Westukraine vor. Eine Bekannte von mir hat nur auf Grund der finanziellen Unterstützung aus Deutschland überlebt. Das war im Dezember 2013! Obwohl es Zeugen gab, sind die Täter bis heute nicht gefaßt und das Verfahren eingestellt. Über die Tatsachen auf dem Maidan, in Odessa, in Mariopol oder Charkiv gibt es genügend internationale Recherchen und Dokumentationen, die eindeutig, bis zur europäischen Kommission, belegen in welche Richtung die Spuren der Verursacher gehen und wer die Ermittlungen behindert und sabbotiert. Sicherlich waren nicht alle Demonstranten auf dem Maidan Faschisten, aber wie soll ich eine Regierung, die illegitim ist, mit Unterstützung aus Europa und Amerika, nennen, die als Erstes das o.g. Gesetz rückgängig macht und gegen die eigene Bevölkerung oder besser gesagt den Teil, der nicht gewillt ist ukrainisch zu sprechen, das Militär einsetzt, als geplanten Genozid, Völkermord. Da liegen die Parallelen zu Herrn Bandera doch sehr nah. Ich will nur noch am Rande erwähnen, das besagter Herr bis zu seinem unnatürlichen Ableben 1959 in München lebte. Wir sollten bei der Gelegenheit auch nicht vergessen, das es Herr Juschtschenko und Frau Timoschenko waren, die ihn zum Held der Ukraine kürten, soviel den Protagonisten der gestohlenen Revolution. Das es auch in dem Gebiet im Donbass Meschen gibt, die eine andere Auffassung vertreten, ist sicherlich nichts Ungewöhnliches, Sie werden aber in der Regel nicht bedroht, jedenfalls nicht von ihren Mitbewohnern, abgesehen von denen die das ganze Pack ausrotten wollen oder gerade an der Macht in Kiew sind und von u.a. unserer Kanzlerin hofiert werden. Auch in der Förderation gilt nach dem Zusammenbruch der SU der Kommunismus als Randerscheinung. Viele Vertreter sind aber im Gegensatz und ich habe es selbst erlebt, nicht so stigmatisiert worden als hier im Osten Deutschlands, aber dies ist nur meine persönliche Meinung. Es gibt genügend Beispiele, die belegen, das progessive Kräfte in Russland frei ihre Meinung äußern können. Herrn Ehlers habe ich oben ja selbst zitiert. Der Unterschied lag m. E. darin begründet, das in der ehemaligen SU die Masse der Bevölkerung jeden Tag ums Überleben kämpfen mußte und nicht in einer „Auffanggesellschaft“ landeten. Das „Gesetz der Diebe“, https://www.youtube.com/watch?v=wuqtiM6GI6M, ist ein Dokfilm, der diese Zeit und zwar nur die Gewinner deutlich porträtiert. Dies galt nicht nur für Russland. Die Ukraine war nach ihrer Unabhängigkeit nicht rückständiger als die heutige Förderation, Viele Schlüsseltechnologien waren gerade dort angesiedelt, z.B. Raumfahrtechnik.
      Ich kenne seit vielen Jahren Russen wie Ukrainer, hier wie dort mit den unterschiedlichsten Ansichten und bereise die Ukraine seit 2007 regelmäßig. Ich war und bin kein Janukowitsch Anhänger, aber was dieses Land jetzt erlebt und wie lange es dauern wird bis nur die wirtschaftliche Talfahrt für die allgemeine Bevölkerung beendet ist, kann heute nicht abgeschätzt werden. Vor zwei Jahren wollte nur jeder sechste Ukrainer das Land verlassen. Heute geht man von über 30% aus. Solche Zahlen sind mir aus Russland nicht bekannt. Bei meinen letzten Aufenthalt in Januar in der Ukraine haben wir, wohl bemerkt mit russisch-sprachigen Ukrainern sehr konträre oft hitzige Diskussionen geführt. Sie wollten unter anderem mit mir wetten, das sie noch in diesem Jahr visafrei nach Europa reisen können, um hier zu arbeiten. Heute sind viele von ihnen ernüchtert und die Ergebnisse der Kommunalwahlen haben dies bestätigt. Ich bin nicht viel in anderen Ländern gewesen, aber ich weiß das ich Ausländer bin und fühle mich als Gast. Fremdenfeindlichkeit ist mir weder in St. Petersburg, Moskau, Zhitomir oder Malindi begegnet. Sicherlich gibt es solche tragischen Ereignisse wie in Воронеж, aber darauf zu schließen, dass die Ursache für solche Erscheinungen im „Hass auf Fremde als der wichtigste Bestandteil der Politik selbiger ist“, halte ich für verfehlt. Dies käme der Verallgemeinerung gleich, das „von 92 und 94 (nicht nur) in Halle, wo Straßenbahnen demoliert wurden, Autos brannten und x Leute verletzt wurden“, sondern in ganz Deutschland und dabei Ursache und Wirkung nicht auseinanderhalten können.

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